Zu alt zum Arbeiten?

Seligenstadt - Katharina Wombacher ist enttäuscht und wütend. Viele Monate lang hat die Seligenstädterin sich um eine neue Arbeitsstelle bemüht, nachdem sie vor eineinhalb Jahren die Kündigung bekam. Jetzt kann sie nicht länger mit Arbeitslosengeld rechnen. Von Sabine Müller

Ihr Vorwurf: „Die Zeitarbeitsfirmen haben einfach nicht auf meine Bewerbungen reagiert.“

Im Jahr 1990 kam sie nach Deutschland, nachdem sie zuvor 20 Jahre lang als Porzellanmalerin in Rumänien gearbeitet hatte. In der neuen Heimat fand sie bei der Firma Brisay-Maschinen GmbH im Großostheimer Ortsteil Ringheim eine Vollzeitstelle als Elektrohilfsmonteurin, war außerdem „Mädchen für alles.“ Nach 19 Jahren kam das Aus. Seit 2008 hingen Kündigungen wie ein Damoklesschwert über der Belegschaft. „Mehr als die Hälfte musste gehen“, weiß Katharina Wombacher. Bis es auch sie traf: Am 31. Januar 2010 war der letzte Arbeitstag für die damals 56-Jährige.

„Ich bin psychisch erst mal in ein Loch gefallen“

Sie habe immer gern gearbeitet, der Kontakt zu den Kolleginnen und Kollegen war freundschaftlich, ihr Arbeitszeugnis ist einwandfrei. „Ich bin psychisch erst mal in ein Loch gefallen“, erzählt sie, „und musste auch in die Reha“.

Mitte Juli 2010 stand sie der Agentur für Arbeit, die sie fristgerecht informiert hatte, für die Vermittlung zur Verfügung. Katharina Wombacher hat alle Kontakte mit dem Arbeitsamt und den Zeitarbeitsfirmen, bei denen sie sich melden sollte, dokumentiert und blättert in ihrem Ordner: „Ich hatte zwar mehrere Vorstellungsgespräche bei den Personalvermittlern, aber nie in dem jeweiligen Betrieb, der eine Stelle anbot.“

Weder Zu- noch Absagen erhalten

Auf ihre Bewerbungen habe sie weder Zu- noch Absagen erhalten. Ihre Sachbearbeiterin bei der Arbeitsagentur wies sie darauf hin, man erwarte, dass sie sich erneut melde. „Kein Problem, dann rufe ich eben täglich dort an“, meinte die Seligenstädterin. Zuletzt hatte sie sich auf eine Stelle in Dietzenbach beworben. „Dort suchte eine Firma eine Elektrohilfsmonteurin, es hätte genau gepasst.“ Vom 1. bis 15. Dezember 2011 habe sie mehrmals täglich bei der vermittelnden Zeitarbeitsfirma angerufen, aber nie jemanden erreicht. „Nur einmal wurde mir versprochen, man melde sich bei mir in Kürze“ – auf diesen Rückruf wartet Katharina Wombacher noch heute.

Ein Einzelfall? – „Für uns sind Zeitarbeitsfirmen Arbeitgeber wir andere Unternehmen auch, denen wir Arbeitssuchende vermitteln“, sagt Regina Umbach-Rosenow, Pressesprecherin bei der Agentur für Arbeit in Offenbach. „Wie sie sich verhalten, darauf haben wir keinen Einfluss.“ Man höre jedoch oft in letzter Zeit, dass selbst seriöse Firmen auf Bewerbungen überhaupt nicht reagierten. „Eine Unkultur, die sich eingeschlichen hat, und die Menschen in der Luft hängen lässt“. Die Arbeitsagentur forsche nach, wenn solche Kundenbeschwerden öfter auftauchten.

Über Eigeninitiative wieder in Lohn und Brot kommen

Bei der Zeitarbeitsfirma Promares Rhein-Main GmbH bedauert man den Vorfall: „Auf dieses Stellenangebot gab es sehr viele Bewerbungen, die Firma hat sich anderweitig entschieden, die schriftliche Absage hätte eigentlich schon per Post rausgehen sollen.“

Katharina Wombacher versucht jetzt – wie auch schon zuvor – über Eigeninitiative wieder in Lohn und Brot zu kommen. „Es drängt sich aber der Eindruck auf, dass Firmen einfach kein Interesse an einer Arbeitskraft in meinem Alter haben.“ Beim Gedanken an die Zukunft plagen sie Existenzängste: Am 17. Januar erlosch ihr Anspruch auf Arbeitslosengeld, zurzeit ist sie ohne Einkommen. Sozialhilfe kann sie nicht erwarten, da ihr Ehemann Rente bezieht. Dem Staat auf der Tasche liegen wollte sie aber auch gar nicht: „Selbstverständlich möchte ich bis zum Rentenalter arbeiten, das ja auch immer weiter angehoben wird. Aber es ist bitter, dass man sein Leben lang erwerbstätig war, und im Alter dann doch nicht ohne staatliche Hilfe auskommt.“

Rubriklistenbild: © dpa

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