„So weit darf es nicht kommen“

Seligenstadt (sig) - Nachdem die Stadtverordnetenversammlung kürzlich grünes Licht für die Realisierung des Mehrgenerationenprojektes Wohnikum gegeben hat, fürchtet die Seligenstädter CDU-Fraktion um die Zukunft des Freibades.

Wie berichtet, will der Verein Wohnikum auf einem angrenzenden Grundstück sein Vorhaben umsetzen. Die Union hatte sich als einzige Fraktion in der Versammlung gegen den Standort ausgesprochen.

Für die Christdemokraten stellt sich die Frage, ob Wohnbebauung und Freibad nebeneinander harmonieren. Es sei zu befürchten, dass sich künftige Anwohner über den Lärm der von den Badegästen ausgeht, beschweren könnten. Joachim Bergmann, Vorsitzender der CDU-Fraktion, befürchtet für diesen Fall, dass sowohl das Bad als auch angrenzende Sportanlagen geschlossen oder gesperrt werden müssen oder nur noch mit Auflagen zu betreiben sind. „So weit darf es nicht kommen“, fordert Bergmann.

Wohngebiet statt Hallenbad

Durch die Umwandlung des im Sportgebiet ausgewiesenen Grundstücks für ein Hallenbad in ein allgemeines Wohngebiet beabsichtigt die Stadt, die Voraussetzung für ein Projekt für ein generationenübergreifendes Wohnen zu schaffen, erläutert der Fraktionschef. Eine dazu von der Stadt in Auftrag gegebene schalltechnische Untersuchung komme zu dem Ergebnis, dass durch den Betrieb des Schwimmbades die immissionsschutzrechtlichen Richtwerte für ein Wohngebiet an einzelnen Tagen um bis zu 6,3 dB innerhalb der mittäglichen Ruhezeit und bis zu 3,6 dB außerhalb der Ruhezeit überschritten werden. „Eine Überplanung des Gebietes in der angedachten Form ist daher aller Wahrscheinlichkeit nach unzulässig, da die Gemeinde nicht so planen darf, dass im Plangebiet schädliche Umwelteinwirkungen vorprogrammiert sind“, betont Bergmann. Eine in Kauf genommene Überschreitung der Immissionsrichtwerte sei bei dieser Größenordnung nicht möglich. „Die Anwälte der Stadt raten daher von der Aufstellung des Bebauungsplanes ab“, so der Fraktionsvorsitzende weiter.

Gegen den ausdrücklichen Rat der Juristen hat die Stadtverordnetenversammlung in ihrer letzten Sitzung mit den Stimmen von SPD, Grünen, FWS und FDP beschlossen, dass die Überschreitung von Immissionswerten bei einer Änderung des Bebauungsplanes für ein Hallenbad in ein allgemeines Wohngebiet ausdrücklich in Kauf genommen werden sollen - „wohl wissend, dass damit das Freischwimmbad und die angrenzenden Sportanlagen in ihrem Bestand gefährdet werden“. Das Risiko sähen alle Fraktionen, doch werde es in Kauf genommen - mit Ausnahme der CDU-Fraktion. Ihre Intention sei es gewesen, auf dem ehemals für ein Hallenbad vorgesehenen Grundstück durch eine Umwandlung ausschließlich Mehrgenerationenwohnen zu ermöglichen. Dies auch nur dann, wenn dadurch der Bestand des Freibades nicht gefährdet sei. Im Gegensatz dazu weise der Bebauungsplan lediglich ein „Allgemeines Wohngebiet“ aus, in dem neben Wohnungen auch Läden, Schank- und Speisewirtschaften sowie nicht störende Handwerksbetriebe zulässig sind.

Fläche „massiv bebaut“

Der Verein Wohnikum benötige nach eigenen Angaben nur 3000 Quadratmeter. „Für die restlichen 8000 Quadratmeter interessieren sich mehrere Bauträger.“ Es sei daher zu befürchten, dass die Fläche „massiv bebaut wird“. Auch die Gefahr, dass künftige Bewohner die viel Geld für ihre neuen Wohnungen bezahlen, und dann an der Ecke „Schwimmbad – Fußballplatz“ ihre Terrassen haben, für ihr Recht auf Einhaltung der Ruhezeiten klagen, „ist nicht nur theoretischer Natur, sondern sehr real“.

Die CDU-Fraktion vertrete die Auffassung, dass von einer geplanten Änderung des Bebauungsplanes abgesehen werden solle. „Wir haben daher den Antrag eingebracht, die Beschlüsse zur Umwandlung des für ein Hallenbad vorgesehenen Grundstücks in eine Fläche für Wohnbebauung aufzuheben“, sagt Bergmann. In der jüngsten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung wollte die CDU-Fraktion den Magistrat beauftragen, mit den Vertretern von Wohnikum einen geeigneten Standort für ein generationenübergreifendes Projekt zu suchen und den Verein bei der Realisierung zu unterstützen. Den Antrag hatten SPD, Grüne, FWS und FDP abgelehnt.

Rubriklistenbild: © dpa

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