Zunftmarkt im Klosterhof Seligenstadt

Zeitreise mit Gauklern und Handwerkern

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Allerley Spectaculum und Kurzweyl: Gaukler, Spielleute und Artisten fesseln am Samstagabend das Publikum auf der Wiese im Klosterhof. Zum Abschluss zeigt die Gruppe Bilenko eine atemberaubende Feuershow.

Seligenstadt -  Das finstere Mittelalter ist vorbei, ebenso der Dreißigjährige Krieg; die Industrialisierung und mit ihr der Niedergang vieler Handwerksberufe und Zünfte steht indes noch bevor.

Es ist die Zeit der Kaufmannszüge, der fahrenden Händler und Scholaren, der Spielleute und Gaukler. Sie alle haben sich am Wochenende im Klosterhof in Seligenstadt versammelt, um die Besucher mit auf eine Zeitreise zu nehmen. Alle zwei Jahre richtet der Verein Klatschmohn den Zunft- und Handwerkermarkt aus.

Seifensieder, Gewürzhändler und Bürstenmacher bieten ihre Ware feil, Zinngießer, Salzsieder, Glasbläser und Holzknopfhersteller zeigen ihr fast vergessenes Handwerk. Die Schaulustigen kommen dank des Kaiserwetters zuhauf, laben sich an Klosterbrot mit Spundekäs oder Forellen von der Fischerzunft. Der Zunft- und Handwerkermarkt ist, wie die Organisatoren des Vereins Klatschmohn betonen, kein Mittelaltermarkt und hebt sich damit von ähnlichen Veranstaltungen ab.

Es ist ein Spektakel, „wie es Seligenstadt seit mindestens zwei Jahren nicht mehr gesehen hat“, kündet Severinius zur Eröffnung des Tavernenspiels mit Feuershow am Samstagabend. Viele Familien mit Kindern haben sich auf der Wiese im Klosterhof niedergelassen, bestaunen die Frau, die Feuer isst, und den Mann, der mit brennenden Fackeln jongliert, belohnen den Auftritt der Spielleute Ranunculus und des Künstlers Jeremias („König des Gauklerpacks, Meister des Schabernacks“) mit reichlich „Handgeklapper“.

Bilder: Handwerker- und Zunftmarkt in Seligenstadt

Es ist auch die Zeit des Schinderhannes, der Ende des 18. Jahrhunderts sein Unwesen treibt. Die Moritat des Duos Zeitensprung über den berüchtigten Dieb, Räuber und Mörder geht leider etwas im allgemeinen Geplapper unter. Und so kommen die Zuschauer im Gegensatz zu den Akteuren nicht ohne die Hilfsmittel der modernen Technik aus, zücken das Smartphone und lesen den Lebenslauf von Johannes Bückler kurzerhand bei Wikipedia nach. (kd)

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