„Zusammenhalt war eine schöne Erfahrung“

Seligenstadt (th) ‐ Gekämpft und gewonnen: Einen Teilerfolg erreichte die Bürgerinitiative Giselastraße bei einem Vor-Ort-Termin des Verwaltungsgerichts Darmstadt gestern in Seligenstadt. Die Bürgerinitiative wehrt sich dagegen, dass größere Wohnblocks auf frei werdenden Grundstücken an der Giselastraße errichtet werden.

Grund: Es herrscht eine Bebauung von zumeist Ein-Familien-Häusern vor, so dass große Wohneinheiten den Charakter der Straße veränderten. Die Anwohner befürchteten Verlust von Lebensqualität, erhöhte Verkehrsdichte und Wertminderung ihrer Häuser. Joachim Giel, dessen Haus an der Würzburger Straße direkt an ein geplantes Mehrfamilienhaus an der Giselastraße 11 grenzt, klagte. Beim gestrigen Termin des Gerichts einigten sich Giel und der Bauträger auf einen Vergleich. Die Anzahl der Wohnungen wird auf sechs begrenzt, die Gebäudehöhe abgesenkt, Stellplätze werden reduziert und verlegt, eine Lärmschutzwand in Richtung Giels Grundstück muss gebaut werden, bestehende Bepflanzung bleibt.

„Die Beeinträchtigung meiner Privatsphäre wurde vom Gericht anerkannt. Schließlich macht es ja einen Unterschied, ob ich von meinem Garten auf den Nachbargarten schaue oder ein Gebäudekomplex mit Parkplätzen dort steht“, so Giel. Mehr Autos, mehr Menschen, mehr Krach.

Wichtiger noch als sein persönlicher Erfolg ist Giel aber, dass sich der knapp ein Jahr währende Kampf der Bürgerinitiative gelohnt hat. Nun darf an der Giselastraße nur nach der von der Stadtverordnetenversammlung im Februar verabschiedeten Bauleitplanung gebaut werden. Die sieht vor, dass nur noch Häuser mit bis zu zwei Vollgeschossen und sieben Meter Traufhöhe errichtet werden dürfen. „Es können keine neuen Wohnklötze mehr entstehen. Das ist schon ein Erfolg, da es potenziell an der Giselastraße noch fünf oder sechs weitere Grundstücke sind, die auf Grund ihrer Größe für Mehrfamilienhäuser geeignet wären“, sagt Giel. Die Bauleitplanung sieht weiter vor, dass bei künftigen Vorhaben nur zwei Stellplätze zur Front ausgewiesen werden dürfen und ein Mindestabstand von fünf Metern zur Straße sowie eine maximale Grundstückstiefe von 16 Metern erlaubt sind. „Der befürchtete Effekt (Jeder kann hier bauen wie er will) ist vom Tisch“, freut sich Giel, auch wenn er statt auf ein Einfamilienhaus mit großem Garten künftig auf ein Sechsfamilienhaus blicken muss.

„Die moralische Unterstützung und der Zusammenhalt an der Giselastraße waren eine sehr schöne Erfahrung“, resümiert Giel. Alle Parteien und Politiker wurden angeschrieben, die Anwohner stets informiert, Unterschriften und Geld für die Durchsetzung des gemeinsamen Ansinnens gesammelt. „Und letztendlich mündete dies alles in den Stadtverordnetenbeschluss, der die Bauleitplanung im Sinne der Anwohner möglich gemacht hat.“

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