Seligenstädter Fastnachtsfreunde reißen bei zwei ausverkauften Sitzungen alle mit

Lila Fastnacht begeistert Publikum

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Die Kleinsten von der Garde V entzücken das Publikum mit ihrem Piratentanz.  

Seligenstadt - Tanz, Tanz, Tanz – das ist die Fastnacht der Seligenstädter Fastnachtsfreunde (SFF). Hübsch und originell garniert mit Musik und Vorträgen. Von Thomas Hanel

Donnernder Applaus bei zwei ausverkauften Sitzungen zeugte von der rassigen, humorigen und wohlfeilen Mischung. Mit trefflichen Reimen wusste Sitzungspräsident Michal „Mille“ Millitzer die Zuschauer wunderbar auf das fast sechsstündige Programm einzustimmen. Und konnte feststellen, dass die Fastnachtsfreunde keine Nachwuchssorgen haben. Die Kleinsten, die Garde V (Carina Geis und Nicole Niedermeier), zeigten einen tollen Piratentanz. Wie die Flummis hüpften sie über die Bühne, aber alles synchron und gekonnt. Zuvor war mit großem Helau das Prinzenpaar Prinz Wolfgang und Prinzessin Lisa eingezogen – Lisa mit lila Umhang, die SFF ist schließlich ihr Heimatverein). Da wollte Prinz Wolfgang nicht nachstehen und zeigte lila geringelte Socken...

Dirk und Heribert Rollmann starteten den ersten Vortrag des Abends, kommentierten Welt- und Lokalgeschehen („Der Papst nimmt künftig an allen Stadtverordnetensitzungen teil. Er will ja dahin, wo das Elend am größten ist.“) Die Beine fliegen ließ sodann die Garde IV (Eva Wissel und Katharina Krauss). Immer ein Lächeln im Gesicht und ein gelungener Auftritt, so verzauberten die Mädchen das Publikum. Mit Musik, interpretiert von Hupsi „Herbert“ ging es schwungvoll weiter. Es folgte ein nächster Höhepunkt: Frank Eser (seit 17 Jahren auf der SFF-Bühne) lamentierte toll über seine Probleme als Vater pubertierender Kinder: „Wenn der Vater den eigenen Sohn nicht mehr versteht, dann nennt man das Pubertät.“ Eine dreifache Rakete und nicht enden wollender Applaus waren sein Lohn.

Sitzung bei den Seligenstädter Fastnachtsfreunden

Sitzung bei den Seligenstädter Fastnachtsfreunden

Den gab es auch für die atemberaubenden Solotänze von Lea Höfling, Ivana Jokic und Lisa Wellner. Akrobatik und Show – das ist SFF-Tanz vom Feinsten! Vom Feinsten auch die Kalauer von Michael Follert und Thomas Schulz, die Lokal-, Sport- und auch das Weltgeschehen kommentierten. Beispiel: „Warum war der Lothar Matthäus nicht bei der WM als Kommentator dabei? Weil seine aktuelle Frau keine Schulferien hatte...“ Klasse, der italienische Gastarbeiter und der Schlumberländer. Beinahe bis an die Bühnendecken flogen die Beine der Gardemädchen II (Carolin Roball und Christien Büddefeld). Fetzige Musik, Stimmung pur. Profis mit viel Spaß an der Freude sind die Fastnachtssänger der Germania, die sich ums lokale Geschehen verdient machten. Ob Biomüll, Bürgermeisterwahl, Gebietsreform oder natürlich die liebgewonnenen Zwistigkeiten zwischen Kernstadt und Stadtteilen. Tapfer mitgesungen hat übrigens CDU-Fraktionschef Bergmann. Wilde Tiere ließ die Garde III (Linnea Schumacher, Karen Roth) auf der Bühne lebendig werden. Und dazu Mille Millitzer als Zirkusdirektor. Das Publikum war einmal mehr begeistert.

Begeistert wären alle Mitglieder der Gruppe „Dorschenanner“, einmal Prinz zu sein. Bleibt lieber auf der Bühne – das Publikum liebt euch dort, so wie ihr seid! Überhaupt: Tausendsassa Mille Millitzer. Ob als Präsident, als Darsteller oder Sänger. Ein Vollblutfastnachter, der bei einer Umbaupause auf der Bühne auch mal einen Witz erzählt: „Wie kann man Schweinefleisch jahrelang frisch halten? Man lässt die Säue einfach leben.“

Über die Irrungen und Wirrungen des Lebens ließ sich trefflich Christoph Gast als „Schambes“ aus, bevor ein absolutes Highlight das Publikum begeisterte: Die Schautanzgruppe Puppen. Tolle Figuren, rasantes Tempo, absolute Synchronität. Das Thema „Männerwellness“ hatten sich die Disharmoniker ausgesucht. Seit zehn Jahren kommen die tollen Sänger jetzt auf die SFF-Bühne. Klamauk-Texte, witzige Einlagen und die schönen Stimmen. Und bei Wellness haben die Herren ihre Sportart entdeckt: Sauna, das sei was für Faule. Das eine oder andere Kilo zuviel am Männerbauch stört sie auch nicht. „Das ist erhöhte erotische Nutzfläche.“

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Aktuelle Politik aus historischer Sicht – das war das Metier von Michael Weimer und Marcel Rupp als Bismarck und Napoleon. Da bekam jeder sein Fett weg: „Gegen Frau Merkel kann man nicht gewinnen, die kann nur überleben.“ Oder: „Lieber ein Haus im Grünen als einen Grünen im Haus.“ Tusch-Raketen waren der Lohn. Die Partei AfD und die sogenannte Pegida-Bewegung bekamen es natürlich ebenfalls richtig zu spüren, dass hier tolle Fastnachter auf der Seligenstädter SFF-Bühne standen. Tanz, Tanz, Tanz – der rote Faden im Programm. Klar, dass vor dem großen Finale und dem gemeinsamen Singen des Fastnachtfreunde-Liedes nocheinmal die Garde I ihr Können zeigte und das Publikum nach Köln entführte. Fazit: Richtig klasse, SFF!

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