Mit wenig Inhalt viel Programm

Frankfurt - Ist es Comedy, Kabarett oder Kunst, was Johann König verzapft? Oder hanebüchener Unsinn, mit dem er sein Publikum auf die Probe stellt? Beim TV-bekannten Komiker ist das nicht sicher. Von Maren Cornils

Sein Programm „Voll Bock auf Remmi Demmi“ oszilliert in der Alten Oper Frankfurt zwischen skurrilem Witz und Gags, die teils unterirdisch sind.

Trotzdem hat der Wahlkölner sein Publikum, mehrheitlich unter 35, von Beginn an im Griff. Theatralisches Augenrollen hier, langer Seufzer da, schon prasselt Beifall. Auch diese Kunst will beherrscht sein. Typisch für den gelernten Sportlehrer und Kinderpfleger mit der brüchigen Stimme: Aus so gut wie keinem Inhalt macht er ein abendfüllendes Programm, bekennt sich offen dazu – „ein bisschen Zeit haben wir ja noch, nur irgendwie kein Material mehr“ – und schafft es doch, aus mittelmäßigen Limericks und sinnlosem Sinnieren etwas zu zaubern, das erheitert.

„Entertainment im gehobenen Premiumbereich“ nennt der Komiker das, um sich selbst darüber lustig zu machen. So wie bei König immer wieder der Schalk aufblitzt und mancher den Verdacht hat: Er macht keine Show; er führt sein Publikum an der Nase herum und unterhält sich königlich.

Die deutsche Sprache nimmt er ernst

Eins nimmt dieser „Lingual-Gourmet“ und „eloquent-filigrane Kommunikations-Berserker“ ernst: die deutsche Sprache. „Wenn Sprache den Umweg über das Hirn scheut, muss man doch mal was sagen dürfen“, redet sich König in Rage, um Sätze wie „Ich kann mich nicht schneller beeilen, als wie die U-Bahn am Fahren ist“, zu sezieren. Nicht das Einzige, was ihn zum Lästern veranlasst. Ob Diddl-Maus-Tassen, weibliches Ernährungsverhalten („Vegetarische Frauen gehören verhauen“) oder das grausame Schicksal von Schnittblumen: Königs Tiraden haben nur ein Ziel – das Publikum dahin zu bringen, dass es sich vor Lachen biegt. Was ihm dank genialer mimischer Entgleisungen gelingt.

Dass er sich nicht scheut, hampelmannhaftes Gezappel als „Choreografie zur Vertuschung des komischen Übergangs“ zu verkaufen, sagt viel über Königs Humor. Der bewegt sich zwischen Kaspertheater und Sternstunden à la Kerkeling. Wer nicht den Fehler begeht, einen roten Faden zu suchen, amüsiert sich mehr als zwei Stunden lang bestens!

Rubriklistenbild: © dpa

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