SPORTGERICHT - „Wie in einem falschen Film“

Noch kein Urteil nach dem Spielabbruch zwischen Rumpenheim und Bürgel

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Rote Karte und mächtig Diskussionsbedarf: Immer wieder kommt es zu Attacken gegen Unparteiische in den Amateurligen. Foto: hübner

Vier Stunden Verhandlung am Mittwochabend mit 19 Zeugen unter Ausschluss der Medien – und das Urteil steht noch aus.

Obertshausen – Das Sportgericht des Fußballkreises hat mit dem Spielabbruch in der Fußball-Kreisliga C Offenbach zwischen der SKG Rumpenheim II und der DJK Sparta Bürgel II ein hartes Stück Arbeit zu bewältigen. Aber das war Jürgen Weil, dem Vorsitzenden, schon im Vorfeld klar.

Zu Beginn der Verhandlung im Vereinsheim von Kickers Obertshausen platzierte er die Bürgeler und Rumpenheimer Teilnehmer jeweils an gegenüberliegenden Tischreihen vor ihm. Schiedsrichter Turgay Sukan (JSK Rodgau) saß vorn in seiner Nähe, an einem Tisch mit den Bürgelern. In seinem Sonderbericht hatte Sukan geschrieben, nach einem Elfmeter zum 1:1 sowie zwei Platzverweisen von drei Spielern der DJK Sparta und einem Co-Trainer beleidigt, getreten und geschlagen worden zu sein. Auf dem Weg in die Kabine habe ihn ein unter den Zuschauern weilender Bürgeler Spieler mit einem Kopfstoß attackiert und einen Regenschirm in den Bauch gestochen.

Jürgen Weil fragte zunächst in die Runde, ob es für die Vereine okay sei, dass Medienvertreter anwesend sind. Die SKG und vor allem die DJK Sparta waren dagegen. Aus Bürgeler Sicht vielleicht eine verpasste Chance, für noch mehr Transparenz rund um diese Skandal-Partie zu sorgen.

„Mich verwundert diese Reaktion nicht. Wenn ich etwas zu verbergen habe, würde ich das auch so machen und die Medien ausschließen“, sagte Schiedsrichter Sukan später im Foyer und zeigte deutlich sein Unwohlsein. „Für mich ist das schon bitter, dass ich jetzt wieder denjenigen gegenüber stehen muss, die mich da attackiert haben. Es ist scheiße, sie wieder zu sehen. Sie haben sich noch immer nicht einmal entschuldigt. Stattdessen präsentieren sie sich ganz locker, als wäre nichts gewesen. Am liebsten würde ich jetzt einfach nach Hause gehen.“

Doch bis dahin musste er sich an diesem langen Mittwochabend in Obertshausen noch eine ganze Weile gedulden. Ob er denn nach diesen Erfahrungen weitermachen wird als Schiedsrichter? Sukan ist unentschlossen. „Einerseits würde ich sagen: einmal Fußball, immer Fußball. Andererseits hat mir meine Frau schon eine klare Ansage gemacht und sie setzt sich oft durch. Die Chancen stehen bei 50 zu 50 – es kommt natürlich auch auf das Urteil an“, meinte der 41-Jährige.

Eine Sperre für die komplette Mannschaft der DJK Sparta halte er für „nicht fair, aber die Täter sollten auf jeden Fall richtig bestraft werden“. Für denjenigen, der ihm laut eigener Aussage eine Kopfnuss verpasst hatte, sei die Höchststrafe von 36 Monaten Sperre dringend geboten. Gestern Nachmittag meinte der Unparteiische am Telefon: „Ich bin einfach froh, dass die Verhandlung vorbei ist und bin gespannt auf das Urteil.“ Bei den Zeugenaussagen sei er sich zum Teil „wie im falschen Film vorgekommen. Die Aussagen waren so widersprüchlich, auch von den Rumpenheimern, das war schon merkwürdig. Die Sparta behauptete sogar, ich würde fantasieren“. Henning Hehner, Rumpenheimer und Einzelrichter der Kreisligen C, berichtete im Foyer vage von „unschönen Szenen gegen den Schiedsrichter und zu vielen Machos auf dem Platz“.

Sven Steinborn, Jugendleiter der DJK Sparta und Augenzeuge der Partie, hatte dem Sportgericht an diesem Abend via Laptop ein Handyvideo präsentiert. Er zeigte die Szenen rund um den Abbruch aus großer Entfernung, leicht verwackelt, auch den im Foyer wartenden Medienvertretern. Zu sehen sind unter anderem Spieler, die heftig diskutieren und gestikulieren, der Schiedsrichter mittendrin. Er läuft dann auf einen am Rand stehenden und meckernden Bürgeler zu, steht ihm Kopf an Kopf gegenüber. Bewegungen sind erkennbar. Eine Kopfnuss gegen ihn? Wahrscheinlich. Deutlicher zu sehen im Vordergrund ist später ein aggressiver Mann, der wütend an den Zaun hämmert, als der Unparteiische den Platz verlässt. Wie es Sukan auf dem weiteren Weg zur Kabine ergeht, ist nicht mehr zu beobachten auf dem Video.

„Wir gestehen uns natürlich Fehler ein, aber der Schiedsrichter überzieht in seiner Darstellung deutlich. Wir verurteilen die Beschimpfungen, aber dass er brutal geschlagen wurde, stimmt einfach nicht. Wir sind kein Schlägerverein – das wollen wir klarstellen“, versicherte Steinborn, der den Rumpenheimern keinerlei Mitschuld gab und erklärte, dass sein Verein schon vor einigen Wochen mit einer Spielleitung von Sukan nicht einverstanden gewesen sei. „Wir wollten eigentlich nicht, dass er uns überhaupt noch einmal pfeift“, ergänzte Steinborn.

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