INTERVIEW Seligenstadts Trainer Thomas Epp: „Die Verbandsliga wäre sehr lukrativ“

Aufstieg für Sportfreunde kein Tabuthema

Thomas Epp Trainer der Sportfreunde

Seligenstadt – Die Sportfreunde Seligenstadt überwintern in der Fußball-Gruppenliga Frankfurt Ost aussichtsreich auf Platz drei. Knüpfen die „Roten“ in der am 1. März startende Restrunde an die gute Form an, können sie womöglich den Durchmarsch in die Verbandsliga schaffen.

Trainer Thomas Epp ist zu ehrgeizig und erfolgshungrig, um jegliche Gedanken an ein triumphales Saisonfinale als abwegig zu bezeichnen. Am Wochenende bezieht der ehemale Bundesliga-Stürmer (u. a. Eintracht Frankfurt, VfL Bochum) mit seinem Team ein Trainingslager auf dem Gelände von Drittligist SG Sonnenhof Großaspach.

Stimmt die These, dass eine gute Vorbereitung im Amateurbereich eine höhere Bedeutung hat, als im Profibereich?

Ja, da im Amateurbereich die körperlichen Verfassungen der Teams und Spieler unterschiedlicher sind. Jeder Bundesligaspieler hat eine stabile Grundfitness und wenn diese Spieler nach kurzer Pause ins Training einsteigen, sind sie immer noch bei 80 Prozent ihres Leistungsvermögens. Ein Amateur kommt vielleicht mit 35 Prozent aus der Pause und muss entsprechend mehr aufbauen.

Wer war denn für Sie der oder die Gewinner der Hinrunde?

Ganz klar Jan Hertrich. Er ist ein vorbildlicher Kapitän und geht mit guten Leistungen vorneweg. Er hat zwölf Tore erzielt, ist aber auch unsere Altzweckwaffe, da er auf mehreren Positionen gut ist. Ich hebe jedoch ungern einzelne Spieler hervor, weil es immer um den Gesamterfolg der Mannschaft geht. Es gibt auch immer viele wichtige Spieler, die nicht so im Fokus stehen. Tim Schüßler etwa, der in der Defensive vielseitig einsetzbar ist. Erstaunlich ist auch die Entwicklung von Alexandru Strechie. Er kam von den A-Junioren der SG Rosenhöhe und hat prima bei uns eingeschlagen. Mit Philipp Traut haben wir dazu einen der besten Stürmer der Klasse in unseren Reihen.

Der Start verlief holprig mit vielen Punktverlusten. Gab es eigentlich zu Beginn Unruhe beziehungsweise haben Sie befürchtet, dass die Runde knüppelhart werden wird?

Die Gruppenliga Frankfurt Ost ist aufgrund der vielen Absteigern eine sehr gefährliche Liga, da darf man sich nie zu sicher sein. Das Team der Sportfreunde, das vor zwei Jahren in die Kreisoberliga abgestiegen war, hätte ja aufgrund der Klasse des Kaders auch nie und nimmer in eine solche Situation kommen dürfen. Wir haben zu Saisonbeginn viele Punkte liegenlassen und wenn die Ergebnisse nicht passen, kommt immer Unzufriedenheit auf. Ich habe das Team aber entsprechend abgeschirmt und war auch überzeugt, dass wir das Blatt wenden werden. Selbst bei Niederlagen waren die Leistungen oft gut. Ausgenommen das Spiel in Dörnigheim, das wir hochverdient mit 3:6 verloren haben.

Im ersten Saisonviertel hat ihre Mannschaft selten mit elf Spielern zu Ende gespielt. Wie haben Sie die Flut an Feldverweisen in den Griff bekommen?

Das war schon ein heikles Thema, weil die eine oder andere Gelb-Rote oder Rote Karte überflüssig war. Mancher Feldverweis war wohl auch eigener Unzufriedenheit geschuldet. Wir haben die Disziplinlosigkeiten mehrmals intern angesprochen und schlussendlich auch die Höhe der Geldstrafen etwas nach oben angepasst.

Gegen Spitzenreiter SV Pars Neu-Isenburg gelang ein 6:1-Erfolg, zuletzt wurde der VfB Oberndorf mit 8:1 besiegt. Wer soll die „Roten“ stoppen?

Es mag komisch klingen, aber nach einer solch langen Pause geht es ja praktisch wieder für alle bei null los. Klar ist aber auch, dass unser Team eine gute Qualität hat. Wir wollen zunächst die obligatorischen 45 Punkte holen und dann schauen, was möglich ist. Es besteht kein Druck, doch der Aufstieg ist auch kein Tabuthema.

Hand aufs Herz und unabhängig der augenblicklichen sportlichen Situation: In welche Liga gehört ein Verein wie die Sportfreunde Seligenstadt in Ihren Augen?

Wenn ich die Vereinsstruktur und das Umfeld bewerte, müsste dieser Verein in der Verbandsliga Süd angesiedelt sein. Ohne jetzt zu sagen, dass wir dorthin kurzfristig aufsteigen müssen, denke ich, dass diese Liga auch sehr lukrativ wäre. Allein schon wegen den vielen Derbys.

Im Kreispokal-Viertelfinale wartet Regionalligist Kickers Offenbach. Welchen Stellenwert hat die Partie?

Einen sehr hohen. Auf das Spiel freuen sich die Fans und Spieler gleichermaßen. Und ich möchte es gewinnen. Ich finde es übrigens schade, dass wir in den Gesprächen mit den Kickers über einen Termin bisher keine Einigung erzielen konnten. Dass die Punktrunde sowohl für die Kickers als auch für uns Priorität haben, steht bei aller Vorfreude außer Frage.

Das Gespräch führte

Frank Schneider

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare