„Die sollen uns in Ruhe lassen“

Debatten um U23-Teams bei Restrundenbesprechung

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Gruppenfoto nach der Restrundenbesprechung in Hausen. Kreisfußballwart Jörg Wagner (hinten zentral), Ehrenamtsbeauftragter Michael Grieben (4. von links) sowie die Verbandsmitarbeiter Daniel Fenchel (3. von links) und Holger Bischoff (3. von rechts) inmitten einiger Vereinsvertreter.

Am Ende der Restrundenbesprechung des Offenbacher Fußballkreises kamen Emotionen auf.

Hausen – Kreisfußballwart Jörg Wagner hörte sich in der gut gefüllten Gaststätte des A-Ligisten TV Hausen die Meinungen der Vereinsvertreter zum geplanten Comeback der U23-Mannschaften von Eintracht Frankfurt und Kickers Offenbach im Spielbetrieb an. „Ich nehme mit, dass keiner von uns die U23 der Kickers in der Kreisliga C haben will“, bilanzierte Wagner nach hitzigen Diskussionen.

Die Eintracht hat beim Hessischen Fußballverband angefragt, ob sie ihre U23 im Sommer in der Hessenliga anmelden kann. Das geht laut Satzung nicht. Die Frankfurter hatten ihre Bundesliga-Reserve 2014 aus der Regionalliga abgemeldet, müssten zurzeit auf Kreisebene neu starten. Um in der Hessenliga antreten zu dürfen, müssten die Delegierten beim Verbandstag am 6. Juni in Grünberg die Spielordnung ändern. Thomas Sobotzik, Geschäftsführer der Offenbacher Kickers, würde ebenfalls gern wieder eine U23 melden, zurzeit wäre die Kreisoberliga die höchst mögliche Spielklasse für die Regionalliga-Reserve.

„Diese beiden Vereine sind so weit weg von uns als Basis, die sollen uns einfach in Ruhe lassen“, fand Pedram Navidi, Spielausschussvorsitzender des Gruppenligisten FC Langen, deutliche Worte. Die Reserve des FC Langen spielt in der Kreisliga A, Gruppe 1. Navidi, Fan der Eintracht, ergänzte: „Jeder ambitionierte Amateurverein auf Kreisebene wird bestraft, wenn solche Teams mitmachen. Sie gehören in die Verbandsliga oder höher.“

Siggi Herth, Vorsitzender des Gruppenligisten Kickers Obertshausen, stimmte zu: „Eigentlich müssten sie mit ihren neuen Teams ganz unten in der C-Liga anfangen, aber das passt nicht von den Strukturen.“ Auch er empfand die Verbands- oder Hessenliga als passende Startklasse. Selbst die Gruppenliga sei noch zu regional, sagte Herth, dessen Reserve in der Kreisliga B, Gruppe 2, mitwirkt.

Kreisfußballwart Wagner meinte mit Blick auf die zu erwartenden Debatten zur Satzungsänderung am Verbandstag in Grünberg: „Die Eintracht spielt mit ihrer U19 seit vielen Jahren auf höchstem Niveau in der Bundesliga. Es muss dann für die U23 das Ziel sein, so hoch wie möglich zu spielen. Den direkten Einstieg in die Hessenliga sehe ich dennoch nicht als richtig an. Die Verbandsliga wäre da sicher besser.“ Er ergänzte: „Der Qualitätsunterschied zum OFC ist recht groß. Die U19 der Kickers ist erst seit einem Jahr in der Bundesliga, kämpft um den Klassenerhalt. Die U23 gehört für mich in die Gruppenliga, aber nicht auf Kreisebene.“

Daniel Fenchel (SG Wiking Offenbach), Klassenleiter der Kreisliga C, Gruppe 1, ergänzte: „Die Profivereine sollten sich im Vorfeld der Schwierigkeiten bewusst sein, wenn sie nach einem Rückzug wieder eine U23 stellen wollen. Eigentlich müssten sie die Konsequenzen tragen und wie alle anderen Klubs ganz unten beginnen. Rational gesehen sollten die U23-Teams aber nach Spielstärke in der sechsten oder siebten Liga eingegliedert werden.“ Auf Kreisebene würden sie nur die Aufstiegschancen der kleinen Vereine zunichte machen.“ Fenchel hatte aber noch eine andere Idee parat: „Man könnte ein unabhängiges Ligasystem für die U23 gründen. Die Meisterschaften der U17 und U19 haben in Deutschland ein hohes Prestige. Warum dann nicht auch bei der U23?“

VON HOLGER APPEL

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