1. Startseite
  2. Sport
  3. Amateurfußball

Der Faustschlag ist abgehakt

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Gutes Zeugnis: Trotz Startschwierigkeiten erwies sich die FSV Münster (in rot Fabian Beschorner im Spiel bei Viktoria Urberach III) nicht nur sportlich als Bereicherung.
Gutes Zeugnis: Trotz Startschwierigkeiten erwies sich die FSV Münster (in rot Fabian Beschorner im Spiel bei Viktoria Urberach III) nicht nur sportlich als Bereicherung. © dörr

Im November 2019 rutschte die FSV Münster bundesweit negativ in die Schlagzeilen: Im C-Liga-Spiel gegen den TV Semd streckte ein Fußbaler der Freien Sportvereinigung den Schiedsrichter per Faustschlag nieder. Weil die Gewalttat gefilmt und das Video öffentlich wurde, folgten regionale und nationale Medienberichte, Sport- und Zivilgerichtsverfahren und schließlich eine Abmeldung der damals von einer kurdischen Familie dominierten Mannschaft durch den Verein.

Münster - Vorigen Sommer, personell komplett erneuert, wagten die „Freien“ ihr Comeback. Nach der ersten Saison in der Kreisliga D Dieburg ist der Skandal beim Mehrspartenverein (unter anderem Fußball, Ringen und Fastnacht) abgehakt. Fußballerisch ordentlich und vor allem diszipliniert haben die Münsterer ihre Rückkehr in den Spielbetrieb gemeistert.

Darüber ist der Verein ebenso froh wie Heinz Zulauf. Der Kreisfußballwart ist die höchste Instanz im Fußball-Kreis Dieburg und stellt der FSV Münster für den Neubeginn 2021/22 ein gutes Zeugnis aus. Und das nicht „nur“ qua Amt sowie als Klassenleiter der D-Liga, sondern auch als Schiedsrichter. Zulauf leitet selbst Partien und ließ sich mehrmals gezielt für Spiele der Freien Sportvereinigung einteilen. „Ich habe sie dreimal gepfiffen und hatte überhaupt keine Probleme“, lobt er. „Ein einziges Mal hat sich ein Spieler ein bisschen daneben benommen, der wurde von den anderen dann sofort zur Ordnung gerufen.“

Mit einem Auftreten wie in der abgelaufenen Spielzeit sei der Verein, der lange Stammgast in der A- und B-Liga war, eine Bereicherung. Was auch mit der Führung durch Trainer Benjamin Frank zu tun habe, wie Zulauf glaubt: „Er hat die Mannschaft sehr gut im Griff.“

Der so Gelobte ist seinerseits einverstanden mit dem Auftreten seiner Multikulti-Truppe im Jahr eins nach der Zäsur. „Ich denke, es hat super geklappt“, sagt Frank. „Auch die Schiedsrichter konnten mit uns zufrieden sein.“ Sportlich sei der Anfang nicht leicht gewesen, meint der 28-Jährige, der als Spielertrainer in den ersten Saisonspielen zwar nicht mitwirken konnte, dann aber auch fußballerisch zu einem der Leitwölfe im Team und mit 18 Treffern bester Schütze wurde. „Wenn du eine neue Mannschaft bunt zusammenmischst, musst du erstmal die Leute fit kriegen und ausprobieren, wer wo spielt.“ Viele Akteure des neuen Münsterer Teams hätten zuvor länger pausiert, auch er selbst. „Deshalb hatten wir ein paar Startschwierigkeiten.“

Überdies gingen die Münsterer mit einem schmalen Kader von 16, 17 Spielern in die Saison. „Dann sind noch ein paar nachgekommen, wir haben immer besser zusammengefunden und hatten schließlich sogar ein paar Serien.“ Am Ende landete man auf Platz sechs der 15 Teams umfassenden niedrigsten Spielklasse. „Wir hatten uns zum Ziel gesetzt, die anderen ein bisschen zu ärgern. Gegen den Zweiten und Dritten haben wir sogar gewonnen. Wir haben das also geschafft!“

Für die nächste Saison hat die FSV Münster erneut gemeldet und will vom Start weg mit einem 20-Mann-Kader antreten. „Wir haben keinen Abgang, eventuell kommt noch der eine oder andere hinzu“, sagt Frank, der Spielertrainer bleibt. Die personelle Konstanz zeige, „dass durch das Projekt viele von uns wieder die Freude am Fußball gefunden habe“. Auch im Verein und im Umfeld werde das goutiert, „wir hatten in der D-Liga wohl die meisten Zuschauer“. In der Spielzeit 2022/23 peile man einen Rang in der Spitzengruppe an - und natürlich ein weiter einwandfreies, faires Auftreten gegenüber Gegnern und Unparteiischen.

Von Jens Dörr

Auch interessant

Kommentare