Tür an Tür mit den Bundesliga-Stars

16-jähriger Dietzenbacher Luke Dettki lebt im Internat von Werder Bremen

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Luke Dettki (rechts).

Offenbach - Über Offenbach zum SV Werder Bremen in die Fußball-Bundesliga: Rudi Völler und Oliver Reck haben es einst vorgemacht. Luke Dettki (16) wandelt auf ihren Spuren. Von der SG Rosenhöhe wechselte der Dietzenbacher ins Internat der Hanseaten und stellte mit der U17 gleich einen Rekord auf. Von Christian Düncher

Für einen 16-Jährigen ist es ein großer Schritt, doch Luke Dettki hat ihn bisher nicht bereut. Im Gegenteil: Dass er rund 480 Kilometer entfernt von seinen Eltern lebt, macht dem Dietzenbacher nicht viel aus. Er lebt seinen Traum und fühlt sich dabei wohl. Zumal es auch bei Werder Bremen, wo er seit dieser Saison im Internat lebt, „sehr familiär“ zugeht, wie Dettki betont. Den Talenten mangelt es an nichts. „Unsere Haus-Mutti ist rund um die Uhr für uns da. Die Wäsche wird gewaschen. Wir bekommen Nachhilfe, falls Bedarf ist. Einmal in der Woche haben wir allerdings Küchendienst“, berichtet Dettki, der sich somit den Großteil des Tages auf Fußball konzentrieren kann. Mit Erfolg. Von den bisher 16 Spielen in der Nord/Nordost-Staffel der B-Junioren-Bundesliga hat er 13 absolviert und als Innenverteidiger drei Tore erzielt, darunter auch den Siegtreffer beim 1:0 (0:0) im Topspiel gegen RB Leipzig. „Ich musste erst auf den Stand kommen, aber das ging relativ schnell“, sagt der 1,90 Meter große Abwehrspieler.

Bremen führt die Staffel souverän mit 14 Zählern Vorsprung an, hat mit 16 Siegen aus 16 Spielen für ein Novum in der höchsten deutschen U17-Spielklasse gesorgt. Zuvor hatte der FC Schalke 04 aus der West-Staffel die Bestmarke gehalten: 13 Spiele, 13 Siege – aufgestellt 2012/13 unter Trainer Jens Keller. „Hätte mir jemand gesagt, dass wir alle 16 Spiele gewinnen, hätte ich ihm den Vogel gezeigt“, sagt Dettki. „Nach zehn Spielen hatten wir zwar gehofft, dass es so weitergeht. Wir hatten jedoch nicht gedacht, dass wir so überlegen sein würden.“

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Aus ehemaliger Bundesliga-U19 gingen kaum Profis hervor

Platz eins ist Werder eigentlich nicht mehr zu nehmen, dessen ist sich auch Dettki bewusst. „Meister zu werden, ist natürlich unser Ziel.“ Erst in der Nord/Nordost-Staffel, dann auf Bundesebene. Und danach? Von der Profi-Karriere spricht der 16-Jährige noch nicht. Sein mittelfristiger Fokus liegt erstmal auf der U19, in die er kommende Saison aufrückt: „Ich will dranbleiben, aber man muss natürlich abwarten, ob es dort genau so gut weitergeht.“ Sein Vertrag läuft zunächst bis 2019. Es ist das Jahr, in dem Dettki sein Abitur machen will. „Bremen hat uns das angeboten. So müsste man ihn nicht wieder aus der Schule rausreißen“, sagt seine Mutter Sabrina. Luke wird also mindestens drei Jahre weg von zu Hause sein – mit kleineren Unterbrechungen.

Im Gegensatz zu Ehemann Ralf sei dies für sie schwer vorstellbar gewesen, gibt Sabrina Dettki zu. „Wir haben uns deshalb alles genau angeguckt. Werder Bremen hatte dazu die ganze Familie eingeladen – mit Hund.“ Ein Pädagoge habe „alle Fragen beantwortet“, sagt Luke Dettki. „Viele sogar, bevor wir sie gestellt hatten“, ergänzt seine Mutter. „Es gibt nichts zu beanstanden. Ich kann ihn jederzeit anrufen und wir bekommen regelmäßig Berichte, wie er sich entwickelt.“ Der Sohn war sich ebenfalls schnell sicher, dass Werder Bremen die richtige Entscheidung für ihn sei: „Schon auf der Rückfahrt hatte ich keinerlei Bedenken.“

Vom Stadion zur Arena: So hießen Fußballtempel früher

Seine Karriere als Fußballer begann als Fünfjähriger beim TSV Dudenhofen, wo er bis 2010 spielte. Nächste Station war die SG Rosenhöhe, wo er sich in der U15 unter Trainer Rainer Bock so gut entwickelte, dass er danach einen Jahrgang übersprang und direkt in die von Frank Laber gecoachte U17-Mannschaft (Hessenliga) aufrückte. Auch Lokalrivale Kickers Offenbach war mittlerweile auf ihn aufmerksam geworden. Ein Probetraining platzte aber aus gesundheitlichen Gründen. Und Eintracht Frankfurt? „Die haben sich nie gemeldet“, sagt Luke Dettki. „Ich bin aber dennoch zufrieden.“ Zumal zahlreiche andere Profiklubs Interesse zeigten. Den Kontakt zum SV Werder stellte schließlich Stefan Neumann her. Der Berater, der die Agentur SNM-Sportsmanagement betreibt, hatte Dettki zuvor ein Jahr lang beobachtet, wie er betont. „Er hat das alles gut in die Wege geleitet“, sagt Lukes Vater Ralf.

Frank Ordenewitz, der Bremer Chefscout für den Nachwuchs, kam sogar extra nach Offenbach, schaute sich Dettki bei einem Spiel auf der Rosenhöhe an. Der 51-Jährige ist einer von vielen Ex-Profis, die im Werder-Leistungszentrum arbeiten. Extratraining gibt es für Dettki unter anderem von einstigen Bremer Größen wie Thomas Wolter (oft am Kopfballpendel) und Mirko Votava. Gelegentlich treffen die Talente auch auf aktuelle Bundesliga-Stars. „Bei Werder ist es sehr familiär. Wir benutzen im Stadion den gleichen Eingang wie die Profis. Man grüßt sich“, erzählt der 16-Jährige. „Mit Claudio Pizarro bin ich schon Aufzug gefahren. Und Serge Gnabry sah sich unser Spiel gegen Leipzig an.“ Den Namen des Torschützen hat er sich eventuell gemerkt: Luke Dettki.

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