Integration von Flüchtlingen

SG Egelsbach setzt auf Fußball und Karteikarten

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Die Egelsbacher Karteikarten mit den Begriffen aus dem Fußball. Sie dienen den Flüchtlingen als Hilfe, die deutsche Sprache zu erlernen.

Egelsbach - Mit einer Idee, Sprachkurse für Flüchtlinge anzubieten, fing alles an. Mittlerweile gehört die SG Egelsbach zu den zehn Vereinen in Deutschland, die sich Hoffnung auf den Mercedes-Benz-Integrationspreis des DFB in der Kategorie Fußballverein machen dürfen.

Der Preis ist mit einem Mercedes-Benz Vito für den Gewinner, sowie jeweils 10 000 Euro für den Zweit- und Drittplatzierten dotiert. Thomas Geiß, ehrenamtlicher Mitarbeiter und Sportcoach der SG Egelsbach, hat die Sprachkurse 2015 ins Leben gerufen und betreut das Projekt bis heute. „Eine neue Sprache zu lernen, ist viel einfacher, wenn eine Affinität zu einem Thema vorhanden ist - und dafür ist der Fußball eine optimale Grundlage“, stellt er fest. Dass es hierfür viele ehrenamtliche Helfer braucht, sei kein Problem gewesen, da die Integrations- und Flüchtlingshilfe in Egelsbach seit mehr als 30 Jahren zur festen Tradition gehöre.

Die Sprachkurse, wovon es jährlich einen gibt, finden an insgesamt acht Abenden statt und dauern jeweils drei Stunden und werden von bis zu 16 Teilnehmern besucht. Hier wird abwechselnd Praxis mit Theorie vermischt. Nach einem Theorieblock gibt es im Anschluss einen Praxisteil, um für Abwechslung zu sorgen. Ergänzt wird die Theorie mit Kooperationsspielen, um die Konzentration hoch zu halten und damit der Spaß nicht zu kurz kommt. Dann werden die gelernten Begriffe, die sich zunächst nur um den Fußball drehen, in Übungen auf dem Platz verinnerlicht und den Teilnehmern zusätzlich zum Lernen auf Karteikarten mit nach Hause gegeben.

Doch es bleibt längst nicht nur bei Fußballbegriffen. Mittlerweile wurde ein eigenes Demokratiemodul entwickelt. „Im Fußball geht es um viel mehr als den rein sportlichen Aspekt“, sagt Geiß, der von gemeinsamen Werten und Kompetenzen spricht. Es gehe um Begriffe wie Pünktlichkeit, Gleichwertigkeit, Gleichberechtigung und auch darum, Regeln zu verstehen. „In Vereinen gilt das Gleiche, wie in unserer Kultur, Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Es gilt, sich gegenseitig zu akzeptieren. Wer das im Vereinsleben umsetzt, tut dies auch in der Gesellschaft.“

Anhand einfacher Modelle wird den Flüchtlingen auch das deutsche Wahlsystem nähergebracht, denn „wer im Verein ist, wählt einen Vorstand, der wiederum die Gremien in Verbänden wählt, die dann verbindliche Regeln aufstellen.“ So werde nicht nur die Gewaltenteilung deutlich, sondern auch die Bedeutung einer Wahlentscheidung und der Demokratie. Die Kurse werden mittlerweile in ganz Hessen angeboten, denn die Sozialstiftung des Hessischen Fußballverbandes hat das Projekt übernommen und führt unter dem Namen „VORTEIL! Vereine und Flüchtlinge gemeinsam für die Zukunft des Fußballs“ die Zusammenarbeit von Vereinen und Flüchtlingen fort.

Bilder: OFC-Chancencamp für Flüchtlinge

Eine neue Kultur lernen im Falle der Sprachkurse nicht nur die Flüchtlinge kennen, „auch wir werden mit dem ein oder anderen lustigen Vorurteil konfrontiert“, sagt Geiß, der hervorhebt, dass die Flüchtlinge dem Verein auch langfristig erhalten bleiben, indem sie in den Mannschaften der SG spielen oder sich beispielsweise für den Lehrgang zur C-Trainer-Lizenz angemeldet haben. Von seit 2014 etwa 200 angekommenen Flüchtlingen sind 142 in der SGE aktiv. Sie spielen in den Mannschaften der SGE und im Hobbyteam Refugees United, das regelmäßig Freundschaftspartien absolviert, zum Beispiel gegen ein Flüchtlingsteam der SSG Langen.

Auch die Spieler und Trainer vor Ort erleben stets Neues. So sah sich Geiß selbst mit dem Vorurteil konfrontiert, für einen Deutschen viel zu klein zu sein. „Das“, sagt er, „passiert eben, wenn unterschiedliche Kulturen aufeinandertreffen. Gerade dieser Einblick in viele verschiedene Kulturen macht die ganze Aufgabe so spannend.“

Der DFB schickte auch schon einen Betreuer, um die Bewerbung der SGE live vor Ort einzuschätzen. Der Preis wird im März 2017 verliehen und die SG Egelsbach könnte nach der Bachschule Offenbach sowie der Sonnenblumenschule Langen, die Platz eins und zwei in der Kategorie Schule in den letzten Jahren belegten, der nächste Preisträger aus dem Kreis Offenbach werden. Und was ist, wenn es nichts wird mit einer Auszeichnung? „Dann findet die Integration glücklicherweise trotzdem weiter statt. Wir machen das ja nicht, um Preise zu gewinnen, sondern weil es uns um die Menschen geht.“ (eps)

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