Mit Effenberg und Alikhil

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Erst Fußballlehrer, dann Drittliga-Aufstieg? Trainer Oscar Corrochano hat aus der U23 von Eintracht Frankfurt ein Regionalliga-Spitzenteam geformt. Foto:

Frankfurt - Ausgerechnet der ehemalige Frankfurter Nationalspieler Ronald Borchers hat Eintracht Frankfurts U23 die Tour vermasselt. Von Jörg Moll

Der Trainer des Fußball-Regionalligisten Wormatia Worms gewann jüngst mit seinem Team beim Frankfurter Nachwuchs mit 2:1 und verhinderte so, dass die Mannschaft von Trainer Oscar Corrochano am Samstag (14 Uhr) als Tabellenführer bei Hessen Kassel antritt. Es ist ein Derby mit vertauschten Rollen: Kaum einer hätte vor Saisonbeginn die Eintracht als ernsthaften Titelkandidaten auf der Rechnung gehabt.

Der 35-jährige gebürtige Hanauer Corrochano hat die Schlappe gegen Worms längst verdaut. „Wir hatten zuvor einen Riesen-November mit insgesamt sechs Siegen in Folge. Dass wir wieder mal verlieren, ist normal.“ Zu groß ist die Freude über die Leistung in den bisherigen 20 Spielen - und die Entwicklung der Mannschaft. 41 Punkte holte die „kleine Eintracht“ und liegt als Tabellendritter nur drei Punkte hinter Spitzenreiter Stuttgarter Kickers (44 Punkte).

Für Corrochano ist das der Lohn engagierter Arbeit. „Die Mannschaft hat sich gefestigt im Vergleich zur letzten Runde. Das ist ein richtig eingeschworener Haufen“, lobt der Ex-Profi (unter anderem Darmstadt 98, Kickers Offenbach). Der Erfolg ist umso höher zu bewerten, da Corrochano zwei knifflige Anforderungen unter einen Hut bringen muss und selbst aufgrund seiner Ausbildung zum Fußball-Lehrer nur drei Tage pro Woche im Trainingszentrum am Riederwald sein kann.

Corrochanos erste Vorgabe lautet: Talente aus der Jugend an den Profibereich heranführen. In dieser Saison gelang das Anthony Jung, der mittlerweile auch bei den Profis mittrainiert. Auch dem aus der Jugend der SKG Sprendlingen stammenden Abassin Alikhil (20) bescheinigt der Coach eine gute Entwicklung. „Er ist ein sehr beständiger Spieler mit einem guten Charakter.“ Der defensive Mittelfeldspieler gehört zu den Talenten, die öfter mal Profis den Vortritt lassen mussten. Corrochano, der selbst einst in der zweiten Mannschaft der Eintracht spielte, weiß nur zu genau, welcher Belastung die Talente ausgesetzt sind. „Wir geben ihnen die Chance zu spielen, aber sie müssen weiter an sich arbeiten und sich erstmal oben durchsetzen.“ Nur wer seine Leistung permanent abruft, hat Chancen auf eine Profikarriere.

Während Corrochano die Jugendlichen in ihrer Motivation eher zügeln muss, verhält es sich mit den Akteuren, die im Zweitliga-Kader von Armin Veh stehen, anders. „Wir haben viele Spieler, die spielen wollen, da ist nicht jeder zufrieden“, erläutert Corrochano die Problematik, mit der er umgehen muss. Spieler wie der von Werder Bremen gekommene Dominik Schmidt, Marcos Alvarez, U21-Nationalspieler Stefan Bell oder der Franzose Habib Bellaid müssen sich ins Team einbringen. Das gelingt bislang erstaunlich gut.

Großen Anteil daran hat ein weiterer früherer Offenbacher, der mit Erfolg eine Doppelrolle ausfüllt. Daniyel Cimen ist auf dem Feld unumstrittener Führungsspieler, mit vier Treffern drittbester Torschütze - und zudem Co-Trainer. Der 26-Jährige, einst für Eintracht Braunschweig, Erzgebirge Aue und Kickers Offenbach 39-mal in der 2. Liga aktiv, übernimmt die Trainingsleitung, wenn Corrochano in der Sportschule Hennef zusammen mit ehemaligen Fußball-Größen wie Stefan Effenberg, Mehmet Scholl oder Christian Wörns für den Fußballlehrer-Schein büffelt. Mitte März ist Abschlussprüfung. Genau rechtzeitig, um im Endspurt des Meisterschaftsrennens voll anzugreifen? Corrochano hätte gegen einen Aufstieg in die 3. Liga nichts einzuwenden: „Wer oben mitspielt, will auch aufsteigen.“ Und wo sieht der Trainer Corrochano seine Zukunft? „Ich habe bis 2014 Vertrag im Nachwuchsleistungszentrum der Eintracht. Dort sehe ich mich mittelfristig. Die Arbeit macht mir Riesenspaß.“ Eine Alternative hat er natürlich im Kopf. „Irgendwann möchte ich mal als Co-Trainer im Profibereich arbeiten.“

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