Ex-Profi Ervin Skela vom FC Hanau 93

„Hacke, Spitze ist nicht unser Ding“

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„Gegen uns ist jeder besonders motiviert“: Ervin Skela (links) bekommt - wie hier von Dörnigheims Kai Becker - in der Hanauer Kreisoberliga öfter auf die Socken.

Hanau - Ervin Skelas Comeback beim Kreisoberligisten FC Hanau 93 hat in seiner Heimat Albanien für Verwirrung gesorgt. Seit einem Jahr ist der frühere Profi der Frankfurter Eintracht und ehemalige Kapitän der albanischen Nationalmannschaft das Gesicht des Erfolges beim Kreisoberliga-Primus. Von Jörg Moll 

Nach 75 Länderspielen ist Volksheld Skela ein gefragter TV-Experte in Albanien. „Ich musste in Interviews erklären, warum und vor allem wo ich nach meinem Karriereende 2011 wieder angefangen habe, Fußball zu spielen“, erklärt der in Alzenau wohnende Spielgestalter der 93er im Interview.

Herr Skela, Sie waren Nationalspieler, haben 168 Bundesliga-Spiele bestritten. Was reizt Sie, bei einem Kreisoberligisten zu kicken?

Diese Frage ist mir schon oft gestellt worden. Ganz einfach: Ich wollte damals unbedingt in die Region Frankfurt zurück. Meine Familie und ich fühlen uns hier unheimlich wohl. Dann hatte ich gute Gespräche mit Giovanni Fallacara (Anm. d. Red.: Sportlicher Leiter bei Hanau 93). Er hat mich vom Projekt 93 überzeugt. Zudem gehört Alexander Hagikian zum Team. Mit seiner Familie verbindet mich eine sehr enge Freundschaft. Seine Mutter ist Patentante meines Sohnes.

Die 93er sind der „FC Bayern der Kreisoberliga Hanau“. Und Sie sind der Topstar. Wie begegnen Ihnen die Kollegen, wie reagieren die Gegner?

Zunächst einmal muss ich sagen: Die Mannschaft ist absolut top. Das hört sich jetzt zwar komisch an: Aber es ist die beste Mannschaft in der ich je gespielt habe - vom Spaßfaktor und der Einstellung her gesehen. Alle ziehen super mit. Diesen Weg müssen wir weitergehen. Bei den Gegnern ist natürlich klar, dass gegen uns jeder besonders motiviert ist. Da geht es schon mal härter zu. Aber bis auf wenige Ausnahmen war das bisher immer im Rahmen. Wir antworten lieber mit Toren, spielen jedes Spiel seriös zu Ende. Hacke, Spitze - das ist nicht unser Ding.

Welche Träume hat man als 38 Jahre alter Fußballer?

Ich habe keine mehr. Mein ganzes Leben war Fußball, und das wird es immer bleiben. Ich bin zufrieden mit meiner Karriere. Es gab mal Rückschläge, klar. Aber dann musst du eben weiterkämpfen. Mich freut derzeit einfach nur, dass wir bei 93 so viel Spaß haben.

Hanau 93 will in vier Jahren in die Hessenliga. Wäre das ein Ziel für Sie: Mit dann 42 zeigen, dass Sie noch mithalten können?

Diese Frage stellt sich für mich nicht. Ich stehe im Moment morgens auf und habe keine Schmerzen. Das ist das Wichtigste. Solange ich gebraucht werde, spiele ich mit. Und solange ich verletzungsfrei bleibe, habe ich nichts dagegen, weiterzuspielen.

Aber Ihre 16. Station als Fußballer ist Ihre letzte, oder?

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Absolut (lacht). Ich hätte ja auch niemals wieder angefangen. Es hat sich einfach Stück für Stück zusammengefügt. Ich verstehe mich mit Trainer Antonio Abbruzzese sehr gut. Und was Giovanni Fallacara für den Verein macht, ist absolut außergewöhnlich.

Wie sehen Ihre Pläne für die Zeit nach der Karriere aus?

Ich möchte sehr gerne im Fußball weiterarbeiten. Ich habe die A-Lizenz als Trainer gemacht, aber auch eine Spielervermittlerlizenz. Erste Erfahrungen habe ich auf diesem Gebiet bereits gesammelt. Unter anderem habe ich den albanischen Nationalspieler Odise Roshi beim Wechsel vom 1. FC Köln zum FSV Frankfurt begleitet. Auch mein früherer Berater Klaus Gerster unterstützt mich.

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In Albanien sind sie ein Star, Sie waren TV-Experte bei der WM 2014 in Brasilien. Wie oft mussten Sie erklären, wo Hanau 93 spielt?

Am Anfang war das ein großes Thema. In den Internetforen wurde mein Comeback heiß diskutiert. Ich war schließlich Kapitän der Nationalelf, da ist das Interesse groß. Und ich hatte zuvor Angebote aus der ersten albanischen Liga abgelehnt. Als klar war, dass ich für Hanau spiele, war die Verwirrung groß. Ich musste viele Interviews geben.

In Hanau spielen Sie mit Daniyel Cimen zusammen. Mit ihm haben Sie 2003/2004 in der Bundesliga zusammen für die Eintracht gespielt. Fehlen eigentlich nur noch Ioannis Amanatidis, Rolf-Christel Guie-Mien und Albert Streit, oder?

Daraus wird leider nichts (lacht). Mit Ioannis habe ich regelmäßig Kontakt, auch wenn er in Zypern lebt. Und Albert Streit hat in Köln ein Haus gebaut. Aber im Ernst: Ich freue mich, mit Daniyel zusammenzuspielen. Er ist ein richtig guter Junge - und er hilft uns enorm weiter.

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