INTERVIEW Kreisjugendfußballwart Jürgen Uhlein zieht Bilanz nach der Herbstrunde

„Freude der Kinder ist ein schöner Lohn“

Spitzenspiel in der Kreisliga der E-Junioren: Ein Spieler der SG Rosenhöhe (in Blau) versucht, sich gegen Jorin Lachmann (links) und Ben Sasson vom SC Hessen Dreieich durchzusetzen. Foto: klemenz

Die Herbstrunde der Fußballjugend im Kreis Offenbach ist absolviert. 5000 Kinder und Jugendliche in 450 Mannschaften von der A- bis zur F-Jugend haben 2100 Spiele bestritten.

Offenbach – Kreisjugendwart Jürgen Uhlein (62/HFC Bürgel) zieht im Interview Bilanz, äußert sich zu aktuellen Themen wie der neuen Spielvariante Funino und seinen Plänen für die Zukunft.

Herr Uhlein, wie fällt Ihre Bilanz aus nach der Herbstrunde?

Alles in allem bin ich sehr zufrieden. Es ist uns gelungen, alle Spiele wie geplant zu organisieren, von den Qualifikationsturnieren zu den Kreisligen im August bis zur Fair-Play-Liga für die F- und G-Junioren bis zu den neuen Funino-Events.

Wie ist diese neue Spielform für die Jüngsten angekommen, bei der drei gegen drei auf einem kleinen Feld mit insgesamt vier kleinen Toren gespielt wird?

Sehr gut, noch besser als erwartet. Je zwölf Teams bei den F- und G-Junioren haben mitgemacht und dann haben noch andere Vereine nachgezogen und eigene Spielfeste organisiert. Und es ist einfach klasse, nach anfänglicher Skepsis die Freude und Begeisterung in den Gesichtern der Kinder zu sehen. Alle kamen zum Einsatz, waren viel öfter am Ball als bei den regulären Spielen und es fielen viel mehr Tore. Das ist gut für die Entwicklung der Kinder. Jetzt diskutieren wir, was gut war, und was vielleicht noch besser werden könnte. Aber auf jeden Fall werden wir im Frühjahr wieder eine Funino-Runde anbieten.

Jürgen Uhlein

Bei den Senioren hat zuletzt Gewalt und fehlender Respekt gegenüber Schiedsrichtern für Diskussionen gesorgt. Wie sah es diesbezüglich im Jugendbereich aus, gerade in den älteren Altersklassen?

Das ist ein Thema, das uns auch alle bewegt. Auch bei uns in der Jugend gab es immer wieder mal Sonderberichte der Schiedsrichter, in denen sie sich vor allem über verbale Attacken von Spielern, aber auch Trainern und Zuschauern beklagten. Auch wenn von etwa 180 Jugendspielen pro Wochenende nur wenige betroffen sind, so ist doch jeder Fall einer zu viel.

Als eine Reaktion wurde im Herrenbereich der Trainerpass eingeführt, der während des Spiels sichtbar getragen werden muss, um den sportlich Verantwortlichen aus der Anonymität herauszuholen. Was halten Sie davon?

Den Trainerpass werden wir jetzt in der Winterpause auch in der A-Jugend einführen. Die Lehrgänge dazu führen auch dazu, dass sich die Trainer untereinander besser kennenlernen. Und wer sich kennt, geht respektvoller miteinander um. Darüber hinaus erhoffen wir uns davon, dass das Verantwortungsbewusstsein der Trainer gestärkt wird.

Was kann man noch tun, um die Gewalt von den Sportplätzen zu verbannen?

Ich persönlich bin für null Toleranz. Wer einen Schiedsrichter schlägt, tritt damit auch die Werte wie Toleranz, Fair-Play und Respekt, für die unser Fußball steht, mit Füßen. Er entscheidet sich damit gegen den Fußball, wie ihn die große Mehrheit aller Fußballbegeisterten sieht. Entsprechend sollten wir ihn auch sanktionieren. Wir sollten aber alle auch im Vorfeld sensibel sein und Anzeichen von Gewalt auf unseren Fußballplätzen im Keim ersticken. Niemand tickt aus heiterem Himmel bei einem Punktspiel aus und schlägt einen Schiedsrichter. Diese Spieler sind mit Sicherheit im Vorfeld auffällig.

Wie geht es jetzt weiter?

Zunächst einmal in den Hallen. Bis 8. Februar finden in allen Altersklassen die Kreismeisterschaften nach Futsalregeln statt. Wir haben 80 Mannschaftsmeldungen hierfür. Nun planen wir, die jeweiligen Hallenmeister in 21 Turnieren zu ermitteln. Die jeweiligen Meister vertreten dann den Fußballkreis Offenbach in der Region und wenn alles gut läuft in Hessen. Am 15./16. Februar ist unser Kreis auch Gastgeber der Futsal-Regio-Hallenmeisterschaft mit Kickers Obertshausen als Ausrichter.

Über mangelnde Arbeit und Aufgaben können Sie als Kreisjugendwart demnach nicht klagen?

Nein, ganz sicher nicht. Wenn ich nicht schon im Ruhestand wäre, wäre das gar nicht zu schaffen. Zumindest nicht mit dem Anspruch, den ich mir selbst stelle, nämlich mit einem angemessenen Umgang auf Augenhöhe mit allen Beteiligten in Wort und Schrift. Dabei habe ich ein tolles Team aus zehn Personen im Jugendausschuss, das mir einige Arbeit abnimmt. Allen voran mein Stellvertreter Michael Gorhold. Aber es bleibt doch einiges zu tun. Zu der nicht unbeträchtlichen Anzahl von Sitzungen des Jugendausschusses, mit den Jugendleitern, im Fußballausschuss und auch auf Hessenebene und in verschiedenen Arbeitsgruppen kommen ja noch jede Menge Mails und Telefonanrufe aus allen Vereinen. Dazu bin ich ja auch noch selbst als Schiedsrichter aktiv und Trainer von zwei Jugendmannschaften.

Ein Leben für den Fußball, aber trotzdem hört man Ihnen auch die Freude an der Tätigkeit an.

Ja, die Arbeit macht schon Spaß. Sie hält jung und gerade Kinder und Jugendliche geben einem selbst viel zurück.

Werden Sie demnach auf dem Kreisjugendtag am 25. Januar bei der Spvgg. Hainstadt nach sechs Jahren erneut für Ihr Amt kandidieren?

Offen gesagt, ich denke, es ist an der Zeit, den Staffelstab an einen Jüngeren zu übergeben. Weitere vier Jahre kann ich mir nur schwer vorstellen. Vor allem im privaten Bereich haben sich Dinge verändert. Ich bin stolzer Opa und möchte mehr Zeit mit meiner Familie verbringen. Dazu hat der Verband angeklopft, ob ich im Verbandsjugendausschuss unterstützen könnte. Das reizt mich sehr. Auf jeden Fall aber werde ich dem Jugendfußball erhalten bleiben, in welcher Funktion auch immer.

Haben Sie einen Nachfolger im Blick?

Nein, noch nicht. Aber es gibt unter anderem so viele Jugendleiter, die in ihren Vereinen einen tollen Job machen. Ich wünsche mir, dass sich einige davon bei mir melden und eine Funktion in unserem Kreisjugendausschuss übernehmen. Wir brauchen Nachwuchs – in jeder Funktion!

Das Gespräch führte

Stefan Moritz

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