Fußball-Gruppenligist wartet seit fünf Jahren auf ein Freundschaftsspiel

1. FC Langen ist sauer auf den VfB Stuttgart

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Das Waldstadion in Oberlinden. Die Frankfurter Eintracht, Ligarivale des VfB Stuttgart, hat auf dieser Anlage schon gegen den FC Langen gespielt, gewann im Rahmen ihrer Hessentour im Mai 2014 mit 10:2. 

Langen - Stephan Seibel, Vorsitzender des Fußball-Gruppenligisten 1. FC Langen, ist sauer. Nicht auf seine Spieler, die nach gutem Auftakt auf dem elften Platz überwintern - nur einen Zähler von den Abstiegsplätzen entfernt. Nein, er ärgert sich mächtig über Bundesligist VfB Stuttgart. Und zwar schon seit Längerem. Von Holger Appel 

 

Vor sechs Jahren hat Seibel seinen Heimatclub als Vorsitzender übernommen, in einer finanziell sehr schwierigen Phase. Da Seibel den damaligen Präsidenten des VfB Stuttgart, Gerd Mäuser, persönlich kennt, fragte er wegen eines Freundschaftsspiels an; 1. FC 03 Langen gegen die Profis des VfB Stuttgart im Waldstadion Oberlinden. Er bekam die Zusage für eine Partie im Mai 2014 und einen Vertrag, unterschrieben am 7. September 2012 von Mäuser und dem damaligen Direktor Jochen Schneider. Seibel hat natürlich auch unterschrieben. Der Vertrag liegt unserer Sportredaktion vor.

Nur: Diese Partie fand noch nicht statt. Mäuser war nur zwischen 2011 und Juni 2013 Präsident des VfB. Auf ihn folgte Bernd Wahler, seit Oktober 2016 steht Wolfgang Dietrich an der Spitze des Bundesligisten. Beim aktuellen Präsidenten hat Seibel eigener Aussage zufolge im November 2016 per Einschreiben nachgefragt - „und nie eine Antwort erhalten“, wie er versichert. Die laut Seibel letzte Nachricht aus Stuttgart: Eine Mail von Joachim Cast, Manager Sportorganisation. Auch sie liegt unserer Sportredaktion vor.

Cast nannte drei Szenarien hinsichtlich der noch ausstehenden Partie:

  • Ein Spiel Ende Mai 2017 direkt nach Saisonende
  • Ein Spiel in der Sommervorbereitung 2017/18, voraussichtlich Ende Juli
  • Man findet keinen passenden Spieltermin und sucht alternative Lösungen, wie zum Beispiel Einladung des Vereinsvorstandes sowie von Jugendmannschaften zu einem Heimspiel des VfB.

Cast schrieb, er werde sich Mitte März wieder melden. „Ich warte nach wie vor auf ein Signal aus Stuttgart. Ich hätte nie gedacht, dass sich ein professioneller Klub so unprofessionell verhält“, sagt Seibel. Der frühere Torjäger redet sich in Rage: „Ich will nicht mehr beim VfB bitteln und betteln, ich habe die Nase voll. Immer war irgendetwas. Klar, wenn man um Auf- oder Abstieg kämpft hat man viele Sorgen, da geht auch mal was vergessen. Aber ich habe so oft nachgehakt. Alle Profiklubs tingeln in der Vorbereitung über die Dörfer. Da findet man einen Termin - wenn man will. Wenn man aber nicht will, findet man auch keinen.“ Er habe sich vor Mitgliedern und Sponsoren unglaubwürdig gemacht, da er diese Partie einst voller Euphorie angekündigt habe und sich nun rechtfertigen müsse, da sie noch aussteht. „Es ist frustrierend, aber ich brauche diesen VfB nicht mehr“, keift Seibel und wertet das Ganze auch als „ein Zeichen, wie groß doch der Graben zwischen Profis und Amateuren ist“.

Bilder: JSK Rodgau siegt gegen FC Langen

Und der VfB? Pressesprecher Tobias Herwerth reagiert gestern auf die Bitte um Rückruf prompt, verspricht, sich des Themas anzunehmen und sich zu melden, wenn er nach internen Gesprächen etwas zu berichten weiß. Per Pressemitteilung meldet er später, „dass wir uns seit geraumer Zeit im Austausch mit dem FC Langen befinden“ und bittet um Verständnis, „dass wir uns darüber hinaus nicht öffentlich zu dem Vorgang äußern“. „Hinhaltetaktik“, sagt Seibel verbittert. Er denkt jetzt über rechtliche Schritte nach.

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