Alle Spieler und Trainer melden sich beim Ersten ab

Gruppenliga: Chaostage bei Hanau 93

+
Sportlich läuft es, hinter den Kulissen brodelt es: Hanaus Spielgestalter Ervin Skela (links) trifft zum 3:0 beim 4:1-Sieg gegen Verfolger JSK Rodgau. Auch der ehemalige albanische Nationalspieler stellte sich hinter den überraschend entlassenen Sportlichen Leiter Giovanni Fallacara.

Hanau - Die Geschichte des 1. Hanauer FC 1893 ist reich an Skandalen, Skandälchen und Kuriositäten. In diesem Winter schreibt der frühere Zweitligist völlig überraschend ein neues Kapitel. Nachdem der Sportliche Leiter Giovanni Fallacara entlassen wurde, haben sich Trainer und Spieler des Wintermeisters der Fußball-Gruppenliga Ost abgemeldet. Von Jörg Moll

44 Punkte, Platz eins in der Gruppenliga, sechs Punkte Vorsprung auf Platz drei, zudem gerade den traditionsreichen Silvestercup in Niederrodenbach gewonnen: Sportlich läuft bei Hanau 93 alles wie geölt. „Wenn man bedenkt, dass wir zwischenzeitlich 14 Verletzte hatten, haben wir soviel nicht falsch gemacht“, sagt Christoph Prümm. Umso unverständlicher sind die Entwicklungen, die den Spielertrainer mit seinem Assistenten Slavisa Dacic und die gesamte erste sowie große Teile der zweiten Mannschaft zu einem drastischen Schritt bewogen haben. „Wir haben uns abgemeldet“, bestätigte der frühere Seligenstädter: „Wir wollen damit zeigen, dass wir hinter Giovanni Fallacara stehen.“ Ex-Profi Daniyel Cimen hat die Entwicklungen total überrascht: „Ich kann nur sagen, dass alle Vereinbarungen eingehalten wurden.“

Warum aber musste der Sportliche Leiter, der seit drei Jahren im Amt ist, überhaupt gehen? 93-Vorsitzender Jens Gram wollte sich zu den Gründen der Entlassung, die Fallacara am 29. Dezember mitgeteilt wurde, nicht äußern. Er verwies auf weitere Gespräche mit allen Gremien am kommenden Montag. „Dann wird sich hoffentlich alles klären“, sagte Gram, der seit November 2015 im Amt ist. Die Abmeldung der Spieler bestätigte er. „Eine reine Vorsichtsmaßnahme“, meinte er dazu. Allerdings eine mit akuten Folgen: Die 93er sagten bereits ihre Teilnahmen an den Hallenturnieren in Hörstein und beim VfB-Cup in Großauheim ab.

So eindeutig die Faktenlage, so diffus sind die Hintergründe. Offensichtlich ist, dass ein Machtkampf im Gange ist, an dem zwei frühere Weggefährten Fallacaras beteiligt sind: Antonio Abbruzzese und Thorsten Gallus. Unter Trainer Abbruzzese begann 2014 der Aufschwung der 93er. Er führte den HFC ungeschlagen zum Kreisoberligatitel und im ersten Gruppenliga-Jahr bis zur Winterpause auf Rang zwei. Im November 2015 verließ er den Klub überraschend. Zuletzt arbeitete er als Pressesprecher beim Hessenligisten SC Hessen Dreieich. Dort war einst auch Thorsten Gallus engagiert. Der frühere Alzenauer ist seit kurzem Sportvorstand der 93er. Gespräche mit den bisherigen sportlichen Verantwortlichen gab es seither aber nicht. Das bestätigten Fallacara und Prümm, die Gallus aus gemeinsamen Zeiten in Alzenau kennen.

Bilder: Hanau gewinnt gegen JSK Rodgau

Prümm ist die dramatische Entwicklung ein Rätsel. „So etwas habe ich noch nie erlebt. Vielleicht kenne ich ja einige Puzzleteile nicht, aber Stand jetzt kann ich nicht nachvollziehen, warum Giovanni gehen muss.“ Gleichwohl hofft Prümm auf eine Wende zum Guten und plant prophylaktisch die Restrunde. In der wird er ohne Sascha Jakicevic auskommen müssen. Der talentierte Nachwuchsmann, aktuell von einer Schambeinentzündung ausgebremst, wechselt zum SC Eintracht/Sportfreunde Windecken. Es sollte eine der wenigen Veränderungen im Kader bleiben. Muss Fallacara tatsächlich gehen, droht eine Massenabwanderung. „Wir werden nur weitermachen, wenn Giovanni weitermacht“, stellte Prümm klar.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare