Beschimpfungen, Beleidigungen und Bedrohungen

Hallenturnier VfB Großauheim: Strafe für Schiedsrichter

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Das Sportgericht mit dem Vorsitzenden Günter Klein-Alstädde (Mitte), Beisitzer Thomas Kaden (rechts) und Claudia Vanheiden, Mitglied des Schiedsrichterausschusses.

Bruchköbel - Zwei Fußball-Schiedsrichter haben vor vier Wochen hessenweit für Aufsehen gesorgt, als sie, nachdem sie beim Hallenturnier des VfB Großauheim permanent beschimpft, beleidigt und bedroht worden waren, während eines laufenden Halbfinalspiels einfach aufgehört und die Halle verlassen haben. Das Hanauer Kreissportgericht hat jetzt geurteilt, dass sich die Schiedsrichter falsch verhalten hätten. Von Stefan Moritz

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Schon nach dem ersten Spiel, das er bei diesem Turnier geleitet hatte, wurde Schiedsrichter Timo Euler (FC Mittelbuchen) auf dem Weg durch den Zuschauerbereich, um für sich und seinen Kollegen Getränke zu holen, vom Zuschauer Jens S., dem Vater eines Spielers der U19 des FC Erlensee, kritisiert und schließlich beschimpft.
Nach einem Viertelfinale wurden dem zweiten Schiedsrichter, Holger Freese vom SV Oberdorfelden, aus einer Gruppe von Spielern des VfB Großauheim die Worte „Hoyzer, verpiss Dich“ an den Kopf geworfen, die in Anspielung an den Bundesligaschiedsrichter Robert Hoyzer, der absichtlich Spiele verpfiffen hat, um Wettgewinne zu erzielen, den Tatbestand der Beleidigung erfüllen.

Nach ihrem verlorenen ersten Halbfinale bedrohten Spieler des TSV 1860 Hanau Schiedsrichter Euler mit den Worten: „Wir warten auf Dich vor der Halle.“

Im zweiten Halbfinale ist die Situation dann eskaliert: Schiedsrichter Freese hatte einem Erlenseer Tor die Anerkennung verweigert. Als im Gegenzug ein Tor für Rot-Weiß Großauheim gefallen war, nahm dies Zuschauer S. zum Anlass, nun auch Schiedsrichter Freese lautstark zu beschimpfen und zu beleidigen.

Die beiden Schiedsrichter Holger Freese (links) und Timo Euler, Opfer und Angeklagte.

„Ich habe mir nicht jedes Wort gemerkt, das der von sich gegeben hat. Es rotierte in meinem Kopf. Ich fühlte mich stark unter Druck gesetzt und nicht mehr sicher in der Halle. Da bin ich vom Feld und dann aus der Halle gegangen“, sagte Freese, der genau wie sein Kollege Euler, der aus Solidarität mitging, seit mehr als 20 Jahren Fußballspiele pfeift. Darauf mussten sich die beiden seitens der Turnierleitung auch noch über Lautsprecher den Kommentar anhören: „Die Schiedsrichter haben keine Lust mehr, das Sportstudio ruft.“

Während Zuschauer S., weil er kein Mitglied eines der am Turnier teilnehmenden Vereine war, vom Sportgericht unter der Leitung von Günter Klein-Alstädde (Eintracht Oberissigheim) nicht belangt werden konnte, bestrafte das Gericht Fehlverhalten der Schiedsrichter.

„Das Spiel wurde nicht korrekt abgebrochen. Der Schiedsrichter hätte beide Spielführer zu sich kommen lassen und ihnen erklären müssen, dass das Spiel abgebrochen ist. Und zuvor hätte er alle Möglichkeiten ausschöpfen müssen, um einen Abbruch zu verhindern“, erklärte Klein-Alstädde. In einer ersten Ansprache an den Erlenseer Spielführer hätte dieser veranlasst werden müssen, beruhigend auf den Zuschauer einzuwirken. Anschließend hätte gegebenenfalls in einer zweiten Ansprache auf einen drohenden Spielabbruch hingewiesen werden müssen und erst danach hätte abgebrochen werden dürfen.

Auf eine Strafe für Schiedsrichter Freese wurde zwar verzichtet, aber nur, weil das Gericht eine besondere emotionale Verfassung mildernd wertete. Gegen seinen Kollegen Euler aber, der aus Solidarität mitgegangen war, wurde wegen Nichtantretens zu einer Spielleitung eine Geldstrafe in Höhe von 30 Euro verhängt. „Solidarität war hier fehl am Platz“, befand Klein-Alstädde.

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„Nach drei Stunden Psychoterror haben wir eher emotional als rational entschieden“, sagte Euler, „wenn man jetzt vom Opfer zum Täter wird, stellen wir uns schon die Frage, warum tun wir uns das noch an.“

Mit 75 Euro Geldstrafe für unsportliches Verhalten seiner Spieler wurde der TSV 1860 Hanau belegt, 100 Euro Strafe für das unsportliche Verhalten seiner Spieler und der Turnierleitung soll der VfB Großauheim zahlen und 125 Euro wegen fortgesetztem unsportlichen Verhalten seiner Anhänger der 1. FC Erlensee.

Dass bei diesem Turnier eine außergewöhnlich aggressive Atmosphäre herrschte, zeigt auch, dass der FC Hochstadt erwägt, im nächsten Jahr auf eine Teilnahme zu verzichten. „Der Respekt gegenüber uns Schiedsrichtern wird immer geringer“, sagte Freese in seinem Schlusswort: „Schade, dass der Fußball so geworden ist.“

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