288 Unparteiische, 96 davon sind unter 18

100 Jahre Offenbacher Schiedsrichtervereinigung 

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Kreisschiedsrichterobmann Volker Geupel (rechts) und Günter Schmidt, Vorsitzender des Freundeskreises.

Offenbach - Für Offenbachs Schiedsrichterobmann Volker Geupel werden immer Fragen offen bleiben.

„Ich verstehe nach wie vor nicht, wie man damals, in diesem Chaos nach dem ersten Weltkrieg, auf die Idee kommen konnte, eine Schiedsrichtervereinigung zu gründen. Jeder musste um seine Existenz und die seiner Familie kämpfen - und trotzdem haben diese Fußballverrückten das gemacht. Faszinierend“, sagt er im Jahr des 100-jährigen Bestehens der Offenbacher Schiedsrichtervereinigung. „Was die Gründer von damals wohl heute denken würden, wenn sie unsere freie und multikulturelle Gesellschaft sehen könnten - und den Ist-Zustand unserer Schiedsrichtervereinigung?“.

288 Aktive stellt die Offenbacher Schiedsrichtervereinigung, das sind 70 weniger als beim Spitzenwert im Jahr 2000, sie zählt aber nach wie vor zu den Top 3 in Hessen. Die Zahlen bewegen sich auf konstantem Niveau. 40 Prozent der Unparteiischen haben einen Migrationshintergrund. Immerhin 96 aktive Schiedsrichter sind noch keine 18 Jahre alt. „Das ist eine beeindruckende Zahl“, meint Geupel, wohl wissend, dass sie für „ihre Leistungen auf dem Platz mit kleinem Geld bezahlt werden“.

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Der 60 Jahre alte Geupel weiß natürlich, dass die Schiedsrichter auch in Stadt und Kreis Offenbach viel Kritik einstecken und manchmal sogar Drohungen aushalten müssen. Attacken gegen die Unparteiischen, wie zuletzt beim Kreisoberligaspiel zwischen Croatia Obertshausen gegen Mainflingen, seien krasse Ausnahmen. Trotzdem sagt er: „Wenn ich mich in den anderen Kreisen umschaue, weiß ich, dass bei uns fast alles im Rahmen ist. Wir haben einen guten Draht zu den Verantwortlichen der meisten Vereine, und sie wirken auf ihre speziellen Kandidaten ein. Ich bin trotz des letzten Vorfalls in Obertshausen nicht unzufrieden.“

Günter Schmidt, Vorsitzender im Freundeskreis Schiedsrichtervereinigung Offenbach (FSVO), schließt sich dieser Einschätzung an. Der 58-Jährige war selbst viele Jahre Schiedsrichter bis in der Hessenliga. Zu seinen aktiven Zeiten mussten die Offenbacher Unparteiischen neben „manchmal recht langweiligen Vorträgen und langen schriftlichen Prüfungen“ einen Lauftest über 1300 Meter absolvieren. Heute müssen sie beim Fitnesstest von Strafraum zu Strafraum sprinten, dazwischen locker laufen - und das insgesamt 20 Mal. „Das ist alles intensiver geworden“, meint Schmidt und berichtet in der theoretischen Schulung und Ausbildung von Power-Point-Präsentationen und Videosequenzen aus Bundesligaspielen. „Die Ausbildung ist interessanter geworden“, sagt Schmidt, der sie mit seinem 262 Personen starken Freundeskreis finanziell unterstützt.

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Er macht das gern, ist noch immer begeistert vom Schiedsrichterwesen. „Man muss permanent Entscheidungen treffen, sich Respekt bei anderen Menschen erarbeiten. Das stärkt die Persönlichkeit. Es gibt nichts Besseres.“ Vielleicht haben das die Gründer in diesen schwierigen Zeiten vor 100 Jahren auch schon gedacht. (app)

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