Ex-OFC-Keeper Volz mittendrin

Vor 55 Jahren: 4000 Zuschauer sehen 1:1 der 03er gegen Kassel

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Schlussmann Peter Banz (links) hält 1963 beim 1:1 gegen Hessen Kassel den Punkt für die 03er fest.

Neu-Isenburg -  Wenn am Samstag (16 Uhr) die Spielvereinigung 03 Neu-Isenburg in der Fußball-Hessenliga auf Hessen Kassel trifft, schwingt Nostalgie mit. An zwei besondere Punktspiele beider Teams vor 55 Jahren erinnert sich auch der ehemalige OFC-Torwart Karlheinz Volz. Von Patrick Eickhoff 

Neu-Isenburg gegen Kassel. Was an diesem Wochenende eine Partie am dritten Spieltag der Hessenliga ist, war vor 55 Jahren noch ein Kampf um Regionalligapunkte. Die 03er spielten 1963/64 in der damals zweithöchsten deutschen Spielklasse. Am heimischen Buchenbusch gastierten große Namen wie Kickers Offenbach, die Stuttgarter Kickers oder auch der FC Bayern München. Damals im Aufgebot des heutigen Rekordmeisters: Sepp Maier und der 18-jährige Franz Beckenbauer.

Der ehemalige Stammtorwart des OFC, Karlheinz Volz, hat alle Jugendmannschaften der Spielvereinigung zu dieser Zeit durchlaufen und erinnert sich: „Ich war bei jedem Heimspiel dabei. Das war ja für die ganze Stadt sensationell, solche Teams im Stadion zu sehen.“

Rund 4000 Zuschauer fanden sich am 8. Dezember 1963 ein, als die 03er in Neu-Isenburg dem späteren Meister aus Kassel ein 1:1 abtrotzten. „Da war ganz schön was los“, sagt Volz. „Die kleine Holztribüne war voll, aber auch der Rest des Stadions gut gefüllt. Menschenmassen sind damals die Frankfurter Straße hochgelaufen. Das sind Bilder, die vergisst man nicht.“

Die Kasseler reisten als Tabellenführer an den Buchenbusch. „Die Umkleide dort für Gäste war gefühlt so groß wie heutzutage ein Spind eines einzelnen Spielers“, erklärt Volz. Doch das schien den Nordhessen wenig auszumachen. Die Führung von Klaus-Peter Jendrosch währte bis zur 70. Minute, ehe Lutz Schäfer egalisierte. Danach drückte der Gastgeber weiter aufs Tempo. Das war der Offenbach-Post die Überschrift „Nicht alles Gold, was glänzt: Hessen-Stars dem Zusammenbruch nahe“ wert.

Einer der gefeierten Akteure war Torhüter Peter Banz, der „den Tabellenführer mit prächtigen Paraden überraschte.“ Auch Volz erinnert sich noch gut an die Mannschaft: „Wir haben öfter nach dem Training mal miteinander gesprochen. Meistens ging das eine Team vom Feld und die anderen haben angefangen.“ Aber auch nach den Spielen sei es üblich gewesen, zu plaudern. „Die haben mit den Zuschauern öfter noch einen Kasten Bier auf dem Platz getrunken – das ist heute ja undenkbar“, sagt Volz und lacht.

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Die Regionalliga-Zeit sei für den Verein, aber auch für die Stadt, eine ganz besondere gewesen. „Ein Großteil der Mannschaft kam aus dem eigenen Nachwuchs, das war für uns als Jugendfußballer natürlich ein Ansporn.“

Sicherheitsbedenken wie vor dem Spiel am kommenden Samstag hat es damals nicht gegeben. „Es war zwar ordentlich Betrieb auf den Straßen, doch das war weniger bedenklich“, schildert Volz. „Aber das ist auch schwer vergleichbar.“

Nach dem Erfolg im Hinspiel gegen die Nordhessen, gab es im Rückspiel für die Neu-Isenburger wenig zu holen. Am 19. April 1964 setzte es für die 03er eine deftige 3:6-Niederlage in Kassel. Trotz eines 3:3 beim FC Bayern München am letzten Spieltag stiegen die Neu-Isenburger am Ende als Tabellen-17. von 20 Teams in die Amateurliga Hessen ab.

03 Neu-Isenburg: Banz; Heberer, Nagy, Stein, Dietrich, Metzger, H. Schneider, Kranz, Reuter, Schäfer, V. Schneider

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