SG Nieder-Roden

Jugendfußballer trainieren wieder: „Die Schuhe sind zu klein“

Nach rechts spielen, nach links laufen. Trainer Christian Patzelt erklärt dem SGN-Nachwuchs die nächste Torschussübung.
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Nach rechts spielen, nach links laufen. Trainer Christian Patzelt erklärt dem SGN-Nachwuchs die nächste Torschussübung.

Jugendfußballer unter 15 Jahren dürfen wieder trainieren. Die Freunde ist entsprechend groß. Aber es gibt auch unerwartete Probleme, wie unser Mitarbeiter Patrick Leonhardt festgestellt hat. Er war als Zuschauer bei der ersten Übungseinheit der D1-Junioren der SG Nieder-Roden.

Nieder-Roden – Bereits eine halbe Stunde vor dem offiziellen Trainingsbeginn läuft bei den D1-Junioren-Fußballern der SG Nieder-Roden das Bällchen. Vier Spieler schieben sich auf dem Parkplatz vor dem Sportgelände – mit reichlich Abstand und Maske – die Lederkugel zu, die Vorfreude auf die erste Übungseinheit seit rund fünf Monaten ist riesig: „Endlich können wir wieder richtig kicken“, stimmen Ali, Tom, Maxim und Izzetin überein.

In den vergangenen Monaten war das nur auf der Wiese mit Freunden möglich – wenn überhaupt. Dagegen hat sich die Zeit an der Spielkonsole „in etwa verdoppelt“, sagt Ali. „Allerdings vor allem mit Fußball, wir haben FIFA 21 gezockt“, ergänzt Maxim. Dem Fußball sind die Jungs – die komplette Mannschaft besteht aus Spielern des 2008er Jahrgangs, nur einer ist noch ein Jahr jünger – immerhin treu geblieben.

Kurz darauf fährt Trainer Christian Patzelt vor. „Laufschuhe dabei“, fragt er kaum ausgestiegen in die Runde. Erschrecktes Erstaunen bei den vier Kickern. „Habt ihr denn die Mail nicht gelesen?“ Das Quartett schüttelt den Kopf. „War nur ein Spaß“, lacht der Trainer. Erleichtertes Aufatmen bei den Jungs.

Patzelt öffnet das Tor zum Sportgelände – und in den nächsten zehn Minuten sind die Jungs erst einmal damit beschäftigt, sich per Handy und App zu registrieren, am Kassenhäuschen ist der dafür notwendige QR-Code aufgehängt. Nach und nach kommen die übrigen Spieler. Geduldig erklärt Patzelt immer wieder das Prozedere – und die Notwendigkeit der Registrierung. Ein Schritt, der zumindest in den kommenden Monaten ein fester Bestandteil des Trainings sein wird.

Auf dem Platz bilden die Jungs zunächst ein Eckchen und lassen den Ball – wenn auch zu Beginn ein wenig holprig – laufen. Später wird ein zweites Eckcken gebildet. Insgesamt 14 Spieler nehmen am ersten Training teil – lediglich Co-Trainerin Jacqueline Haag fehlt aus gesundheitlichen Gründen.

„Viel machen wir heute nicht“, meint Trainer Patzelt. Nach einer lockeren Runde um den Kunstrasen machen sich die Jungs begeistert an das Torschusstraining, aufgeteilt in zwei Gruppen auf zwei Tore. Den Torhütern Alexander und Moritz fliegen die Bälle nur so um die Ohren. Tom, der einzige Linksfuß im Team, hat ein Problem: „Meine Schuhe sind zu klein“, stellt er fest. „Zieh‘ halt die anderen an“, meint der Trainer, der gleichzeitig Vater des Spielers ist. „Die passen auch nicht mehr.“ Im vergangenen fußballlosen halben Jahr haben einige der pubertierenden Jungs einen ordentlichen Schuss gemacht – Tom ist mittlerweile bei Schuhgröße 41 angelangt. Da müssen bis zur nächsten Einheit wohl ein paar neue Treter her.

Absolute Notwendigkeit: Das An- und Abmelden vor und nach dem Training.

Im Anschluss folgt eine kurze Trinkpause, dann steht endlich das langersehnte Spielchen an. Gelb gegen Bunt. Auf beiden Seiten fallen reichlich Tore, die Gelben liegen aber immer in Führung. Zweikämpfe, Dribblings, Torschüsse – die Jungs sind begeistert. In der zweiten Hälfte schwinden allerdings die Kräfte, die Stürmer bleiben nach Ballverlusten immer häufiger vorne stehen, mancher Spieler lässt sich nach einem verlorenen Zweikampf auf den Platz fallen. Dennoch ist Christian Patzelt zufrieden: „Ich hatte es mir schlimmer vorgestellt“, gibt der Trainer zu. „Die Jungs sind doch noch sehr beweglich. Das war 60 Minuten lang ein richtig gutes Training.“ Er ruft: „Das letzte Tor entscheidet.“ Keine 30 Sekunden später liegt der Ball erneut im Tor der Bunten.

Beim anschließenden Elfmeterkönig geben die jungen Nieder-Rodener nochmals alles. Am Ende sind noch vier Spieler im Rennen – und alle vier verschießen. Die SGN startet in die zweite Runde – Eren Eygi darf sich schließlich als erster Elfmeterkönig des Jahres feiern lassen. Und die Bunten wollen die Gelben gleich heute zur Revanche fordern.

„Ich bezeichne uns ja gerne als Chaotentruppe der SG“, schmunzelt Christian Patzelt, „aber die Jungs haben einen tollen Teamgeist.“ Gerne hätte er sich in dieser Saison mit seiner Mannschaft für die Kreisliga qualifiziert. Möglicherweise wird die Qualifikation nach Ostern fortgesetzt. Doch in der Kreisliga werden die Nieder-Rodener mit dieser Mannschaft nicht spielen – die Jungs wechseln im Sommer zu den C-Junioren. „Und ich denke nicht, dass wir der aktuellen D2-Jugend mit der Qualifikation für die Kreisliga einen Gefallen tun“, meint Patzelt, der gerne noch einen dritten Trainingstag pro Woche dazunehmen würde, „solange die Großen noch nicht trainieren“, sagt er.

Vorerst aber ist mit dem Training Schluss. Nach der Abmeldung per App machen sich die Jungs ziemlich platt, aber zufrieden auf den Heimweg. (Von Patrick Leonhardt)

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