Unparteiischer niedergeschlagen

Eklat bei Fußballspiel: FSV Münster zieht nach Schiri-Attacke Team zurück

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Spielertrainer Sabri Dogru (hier rechts mit Blick auf Asad Ürügen - nicht der Schläger) steht mit der FSV Münster nach der brutalen Attacke gegen einen Schiedsrichter vor einem Scherbenhaufen.

Nach der Attacke auf den Unparteiischen bei einem Spiel des FSV Münster hat der Verein beschlossen, die Mannschaft vom Spielbetrieb auszuschließen. 

Offenbach – Nach dem brutalen Faustschlag eines Fußballspielers gegen den Schiedsrichter wird die FSV Münster die Mannschaft vom Spielbetrieb in der C-Liga Dieburg abmelden. Der Schläger wurde umgehend suspendiert und wird aus dem Verein ausgeschlossen. „Wir sind schockiert über diesen neuerlichen Vorfall körperlicher Gewalt gegen unsere Schiedsrichter“, zeigte sich Stefan Reuß, der Präsident des Hessischen Fußball-Verbandes, erschüttert und kündigte Konsequenzen an: „Wir werden diese Auswüchse an Gewalt nicht tolerieren, sondern mit aller Härte und allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln sportgerichtlich dagegen vorgehen.“

Der 28-jährige Spieler der FSV Münster hatte den 22-jährigen Schiedsrichter im C-Liga-Spiel gegen den TV Semd niedergeschlagen. Unmittelbar vor der Attacke hatte der Unparteiische den Spieler des Feldes verwiesen. Der Schiedsrichter wurde wie berichtet mit einem Rettungshubschrauber in eine Klinik geflogen. Die Partie wurde abgebrochen.

Nach Schiri-Attacke bei Fußballspiel des FSV Münster: Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung eingeleitet

„Er wird noch ein paar Tage im Krankenhaus bleiben müssen“, sagte Thorsten Schenk, der Obmann der Schiedsrichter im Odenwaldkreis, gestern über den verletzten Spielleiter: „Wir hoffen, dass er keine Folgeschäden davonträgt und die Geschehnisse irgendwann hinter sich lassen kann.“

Die Polizei hat gegen den Schläger Ermittlungen wegen Körperverletzung aufgenommen. In einem vergleichbaren Fall waren zwei Spieler des FC Maroc Offenbach im September 2018 für Tätlichkeiten auf dem Fußballplatz wegen gefährlicher Körperverletzung mit Geldstrafe (1050 Euro), beziehungsweise einem Jahr Gefängnis auf Bewährung bestraft worden.

Vor dem Sportgericht droht dem Übeltäter für eine Tätlichkeit gegen einen Schiedsrichter in einem besonders schweren Fall eine Sperre von bis zu drei Jahren.

FSV-Vorsitzender Peter Samoschkoff

Auch der Offenbacher Michael Grieben, Schiedsrichterreferent im Hessischen Fußball-Verband, hat sich das im Internet kursierende Video der Tat in Münster angesehen. Sein Urteil: „Das war ein richtiger Faustschlag mitten ins Gesicht des Schiedsrichters. Bisher gab es meist nur Geschubse gegen den Unparteiischen, das ist eine andere Dimension, ist extrem krass.“

Eklat bei Fußballspiel in der Kreisliga: FSV Münster meldet Mannschaft ab 

Der GSV Breitenbrunn, Heimverein des verletzten Schiedsrichters, kommentierte auf seiner Internetseite: „Wer es nicht ertragen kann, dass man sich im Sport an Regeln halten muss, der soll zu Hause bleiben.“

Gestern Abend beschloss die FSV Münster in einer Dringlichkeitssitzung des erweiterten Präsidiums, die gesamte Mannschaft vom Spielbetrieb aus der C-Liga Dieburg abzumelden. „Ein solches Verhalten tolerieren wir in keinster Weise“, erklärte der Erste Vorsitzende Peter Samoschkoff. Die FSV rutscht damit von Rang elf auf den letzten Tabellenplatz und kann frühestens nächste Saison in der D-Liga einen Neuanfang starten. Die bisher absolvierten Spiele bleiben für die Gegner in der Wertung, die verbleibenden Partien werden jeweils mit 3:0 für den Gegner gewertet.

Der Schläger selbst werde umgehend aus dem Verein ausgeschlossen, erklärte Samoschkoff: „Mit Hausverbot und allem drum und dran. Und wenn wir als Verein eine Geldstrafe bekommen, werden wir uns das von diesem Spieler zurückholen.“

Zuvor hatte der Schiedsrichterausschuss des Kreises Dieburg bereits beschlossen, für sämtliche Spiele der Männermannschaft der FSV Münster aus Sicherheitsgründen keinen Unparteiischen mehr zu stellen. Den Statuten nach wäre es der FSV aber gestattet gewesen, selbst einen neutralen Spielleiter zu stellen. Das Aus hat der Verein nun selbst beschlossen.

FSV Münster: Erst vor drei Wochen ein Spiel gegen Kickers Hergershausen II abgebrochen

Bereits vor drei Wochen war eine Partie der FSV Münster bei Kickers Hergershausen II abgebrochen worden. Die Vorkommnisse dort aber waren mit dem Eklat am Sonntag nicht vergleichbar. „Damals hatte ein Spieler der FSV einem Gegenspieler an den Hals gegriffen. Ein Ordner war eingeschritten und Zuschauer waren auf den Platz gerannt, weshalb es zum Abbruch kam“, berichtete Kreisrechtswart Helmut Biegi (KSG Georgenhausen). Der Übeltäter wurde für sechs Spiele gesperrt, die FSV zu einer vergleichsweise geringen Geldstrafe von 100 Euro verurteilt.

HFV-Präsident Reuß appellierte gestern noch einmal an alle Vereine, sich bewusst zu machen, „dass wir in eine zunehmend dramatischere Situation kommen und immer weniger Sportfreunde zukünftig bereit sein werden, sich als Schiedsrichter einzubringen. Lassen Sie es nicht soweit kommen und setzen Sie gegen Spieler und Mitglieder, die sich nicht an Spielregeln und fairen Umgang halten, ein deutliches Zeichen.“ Er verwies dazu auf Prävention, Dialog und Sensibilisierung von Spielern, Vereinen und Schiedsrichtern im Zuge von „Fairplay Hessen“.

Von Holger Appel und Stefan Moritz

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