Kickers Offenbach U19

OFC-Talent Tim Sausen: Höhenflieger aus dem Hunsrück

Mit großen Schritten auf dem Weg zum Fußball-Profi: Mittelstürmer Tim Sausen (rechts, in einer Partie der U19-Bundesliga gegen den 1.FC Kaiserslautern) traf diese Saison für Kickers Offenbach in vier Spielen bereits fünfmal.
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Mit großen Schritten auf dem Weg zum Fußball-Profi: Mittelstürmer Tim Sausen (rechts, in einer Partie der U19-Bundesliga gegen den 1.FC Kaiserslautern) traf diese Saison für Kickers Offenbach in vier Spielen bereits fünfmal.

Tim Sausen hat ein großes Ziel: Er will Profi werden. Dafür fährt der Stürmer täglich 150 Kilometer zum Training bei der U19-Fußballjugend von Kickers Offenbach. Dort ist man mit der Entwicklung des jungen Mannes aus dem Hunsrück sehr zufrieden. Kein Wunder, in den bisherigen vier Saisonspielen in der A-Junioren-Bundesliga traf er bereits fünfmal.

Offenbach – An den 15. Dezember 2019 erinnert sich Tim Sausen noch genau. Es war der Tag, an dem sich ihm unverhofft die Möglichkeit bot, seinem großen Traum einen Schritt näher zu kommen. Dem Traum, mal als Fußballer sein Geld zu verdienen. „Ich will Profi werden“, betont der 18-Jährige. „Den Wunsch beziehungsweise die Hoffnung hatte ich schon immer. Aber erst durch Kickers Offenbach hat sich die Chance ergeben, in ein Leistungszentrum zu wechseln.“

Der OFC absolvierte an jenem 15. Dezember mit seiner U19 ein Testspiel beim JFV Hunsrückhöhe Morbach. Die Kickers gewannen 5:3, aber Eindruck machte vor allem ein Spieler der gegnerischen Mannschaft: Tim Sausen, der zweimal traf. „Er war mir mal in Duisburg beim Länderturnier aufgefallen“, erinnert sich Alfred Kaminski, der Leiter des OFC-Leistungszentrums. „Im Test gegen uns traf er nach lediglich einer Minute zum 1:0. Damit ging es los.“

Nach dem Spiel sprach Kaminksi sofort den Mittelstürmer und dessen Eltern an und lud ihn zum Probetraining ein. „Das war ein schönes Gefühl. Alle haben sich für mich gefreut und die ganze Familie war sich direkt einig, dass ich das machen sollte“, erzählt Sausen. Kaminski stellt klar, dass das Probetraining nicht dem OFC dienen sollte („Ich musste von ihm nichts mehr sehen“), sondern dem Spieler: „Er sollte unter anderem ein Gefühl dafür bekommen, wie weit die Entfernung und wie groß der Aufwand ist.“ Immerhin liegen rund 150 Kilometer zwischen seinem Wohnort Longkamp und Offenbach. „Das war für mich nicht abschreckend“, so Sausen. „Wenn man die Chance hat, Profi zu werden, nimmt man so etwas auf sich.“ Zumal er mit Co-Trainer Tim Schwartz eine Fahrgemeinschaft bilden kann.

Der 33-Jährige war bereits Sausens Coach beim JFV Hunsrückhöhe Morbach und einst Kaminskis Spieler beim 1.FC Saarbrücken und dem FC Homburg. Auf diesem Wege kam das Testspiel im Dezember 2019 zustande. „Wir fahren meistens zusammen. Ohne ihn wäre das für mich kaum machbar. So kann ich im Auto ein bisschen was für die Schule machen“, sagt der Gymnasiast, für den im Januar die schriftlichen Abi-Prüfungen anstehen. Die schulischen Leistungen würden angesichts der Doppelbelastung nicht leiden, meint Sausen. „Man muss das halt etwas organisieren.“

Für Kaminski ist das alles dennoch äußerst bemerkenswert. „Er betreibt einen Riesenauswand. Das zeigt seinen Willen, im Fußball voranzukommen. Er hat eine gute Mentalität, ist schnell und hat Zug zum Tor“, lobt der Leiter des OFC-Leistungszentrums das Sturm-Talent.

Seit Januar spielt Sausen inzwischen für die Kickers - in der U19-Bundesliga. Doch im März wurde die Saison corona-bedingt erst unter- und schließlich abgebrochen. Die Spielzeit 2020/21 fing Mitte August an und ruht seit Ende Oktober. „Von den elf Monaten, die er nun bei uns ist, waren sechs ohne Wettkämpfe“, sagt Kaminski. „Dennoch hat er sich so entwickelt wie wir es erwartet hatten.“ Das belegen auch die Zahlen. In seiner ersten Saison hatte der rothaarige Schlaks (1,93 Meter) in sechs Spielen einmal getroffen. Fünf Tore stehen für ihn hingegen in der aktuellen Runde zu Buche - nach lediglich vier Partien.

„Ich gehöre nun zum älteren Jahrgang, habe körperlich zugelegt und profitiere immer mehr von der höheren Trainingsintensität. Dass ich gut aufgenommen wurde und von meiner Familie und meiner Freundin immer unterstützt werde, macht alles leichter“, erklärt Sausen. „Ich bin nun definitiv mittendrin und harmoniere zudem sehr gut mit meinem Sturmpartner Niklas Meyer.“ Der gebürtige Langener, der seit 2014 beim OFC spielt, traf immerhin schon zweimal.

Kaminski schätzt an Sausen unter anderem, „dass er sich mit Kritik auseinandersetzt und dann auch eine Reaktion zeigt. Das bringt ihn weiter“. Wie weit? Der OFC-Funktionär traut dem jungen Mann aus dem Hunsrück einiges zu. „Er ist flexibel einsetzbar, kann neben dem Sturmzentrum auch auf Außen oder im Mittelfeld spielen. Dass sich nie ein Leistungszentrum um ihn bemüht hat, ist etwas verwunderlich. Ich hoffe, dass er seine gute Leistung konservieren kann und uns noch ein paar Tore bringt.“ Und nach der Saison? „Es wird schwer, ihn bei uns zu halten. Ich weiß, dass andere Klubs aus Lizenzligen bereits bei ihm angeklopft haben.“ Der Profi-Fußball-Traum könnte also bald Realität werden.

Von Christian Düncher

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