Rumpenheimer Vorsitzender schockiert

Schiedsrichter-Attacke: „Wie ein Vulkanausbruch“

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Rudelbildung, Diskussionen mit dem Schiedsrichter: Was im Profifußball unsäglicher Usus geworden ist, hat längst auch den Amateurfußball erreicht. Zuweilen mit krassen Folgen, wie der jüngste Fall in Rumpenheim (Kreis Offenbach) zeigt.  

Die brutalen Attacken gegen einen Schiedsrichter im C-Liga-Spiel zwischen der SKG Rumpenheim II und der DJK Sparta Bürgel II haben Joachim Schiebel tief betroffen gemacht. VON JÖRG MOLL

Offenbach - Der 70-Jährige, seit 35 Jahren im Vorstand der Sport- und Kulturgemeinschaft Rumpenheim, seit 30 Jahren Vorsitzender, erlebte die Szenen am Sonntag aus relativer Nähe mit. Schiebel hatte, wie so häufig während seiner Funktionärszeit, den Eintritt kassiert, als die Situation nach einem Elfmeterpfiff völlig eskalierte. 

 „80 Minuten lang war es ein normale Derby“, berichtet er. Ein Duell zwischen Spielern, die sich zum Großteil kennen, sich vor dem Anpfiff die Hand geben. Die Nickligkeiten auf dem Platz hat er natürlich registriert, auch die ständigen Beschimpfungen untereinander. „Ich kann gar nicht sagen, wie oft das Wort Hurensohn gefallen ist“, sagt er und zeigt sich zutiefst irritiert über einen Sittenverfall, der dann in den Attacken auf den Schiedsrichter gipfelte. „In Sekundenschnelle eskalierte die Situation, das war wie ein Vulkanausbruch“, meint er: „Diese Aggressivität kenne ich so aus der Vergangenheit nicht. “.

Angriff auf Schiedsrichter in Rumpenheim (Fußball C-Liga Offenbach) 

Genauso irritiert zeigt sich Schiebel über die Kommentare in Sozialen Netzwerken und Medien über den Vorfall. Dass etwa gefordert wurde, dass beide Klubs ihr Team zurückziehen, weist er vehement zurück. „Wir werden das Geschehen intern bei einer Vorstandssitzung aufarbeiten“, kündigte er an: „Aber ich sehe keine Veranlassung, unsere Mannschaft zurückzuziehen. Sie hat sich nichts zuschulden kommen lassen.“ 

Stattdessen macht er sich Vorwürfe, „dass es uns nicht gelungen ist, früher einzuschreiten“. Sechs Ordner hatte die SKG für die Partie eingeteilt, er selbst habe zunächst ebenfalls wie paralysiert dem Geschehen zugesehen. Schiebel war sich nicht mal sicher, ob ein resolutes Eingreifen der Spieler aus Rumpenheim (Fußball C-Liga Offenbach) nicht noch zu einer größeren Eskalation geführt hätte.

Keine weiteren Aussagen wollte dagegen Mike Edwards, Trainer der zweiten Mannschaft der DJK Sparta Bürgel II, machen, der laut Schiedsrichter und Schiebel vergeblich versucht hatte, die Situation zu beruhigen. „Wir werden das erst intern besprechen“, erklärte Edwards. Sein Klub habe sich auch anwaltlichen Beistand genommen. Vier Spieler und den Co-Trainer der Bürgeler hatte der attackierte Schiedsrichter aufgezählt, die ihn beleidigt, bespuckt oder tätlich angegangen hatten.

Schiedsrichter angegangen: Bürgel (Offenbach) will zunächst keine Aussage machen 

Wenige Wochen nach dem brutalen Angriff auf einen Schiedsrichter in Münster (Kreis Offenbach) beschäftigt nun der Fall in Rumpenheim den Hessischen Fußball-Verband (HFV). „Wir sind sehr bestürzt darüber, dass es bei einem Fußballspiel in Hessen einen neuerlichen Vorfall von Gewalthandlungen gegen den Schiedsrichter gab. Wir werden diesen Fall genau prüfen und sportgerichtlich entsprechend sanktionieren. Gewalt hat auf unseren Fußballfeldern keinen Platz“, sagt HFV-Präsident Stefan Reuß. Des weiteren plane der HFV weitere Maßnahmen, um solchen Vorkommnissen künftig besser vorbeugen zu können. 

„Ich kann den Vereinen nur immer wieder verdeutlichen, dass sie ihre Spieler dafür sensibilisieren, sportlich fair mit den Schiedsrichtern umzugehen und es nicht als Selbstverständlichkeit ansehen, dass jedes Spiel von einem Unparteiischen geleitet wird“, sagt Reuß.

Kreis Offenbach: Fußballwart kündigt „Null-Toleranz-Politik“ an

Jörg Wagner, Fußballwart des Kreises Offenbach, kündigte eine „Null-Toleranz-Politik“ und eine Aufarbeitung der Entwicklungen durch den Kreisfußballausschuss an. „Aber wir werden das Gewaltproblem auf Fußballplätzen, das ein Spiegelbild der gesellschaftlichen Entwicklungen ist, nicht alleine lösen können“, stellte er klar: „Wir werden das nur gemeinsam schaffen.“ 

Gemeinsam müsse es gelingen, einen neuen Geist zu entwickeln. „Wir dürfen vor allem nicht Täter zu Opfern machen“, kündigte er an. Und schon gar nicht werde es helfen, wenn mit dem Finger auf andere gezeigt werde. „Jeder muss mithelfen“, fordert Wagner: „Nur dann schaffen wir es.“  Von Jörg Moll

Hässliche Szenen mit unglaublicher Gewalt gab es auch bei einem Fußball-Hallenturnier in Nidda. Die Polizei musste wegen einer Massenschlägerei ausrücken. 

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