Perspektive überzeugt

Yves Böttler wechselt zu Hessen Dreieich

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Groß, wuchtig und torgefährlich: Yves Böttler ist ein echter Knipser.

Dreieich - Mit 15 Treffern führt Yves Böttler die Torschützenliste der Fußball-Hessenliga an. Von Daniel Schmitt 

 In der Winterpause wechselte der 25-Jährige, der lange bei der TS Ober-Roden und später für die Sportfreunde Seligenstadt spielte, vom Abstiegskandidaten Viktoria Griesheim zum Spitzenreiter SC Hessen Dreieich. Im Interview spricht der Stürmer über den großen Konkurrenzkampf auf seiner Position, über die Bedeutung eines Seitfallzieher-Tores und das Ziel Regionalliga.

Yves Böttler, wieso der Wechsel nach Dreieich?

Entscheidend war die sportliche Perspektive. Die ist beim SC Hessen wesentlich größer als in Griesheim. Ich bin immerhin schon 25 Jahre und sehe mit Dreieich die Chance, noch einmal in der Regionalliga zu spielen. Vielleicht vierte Liga, große Stadien, bekannte Gegner – da musste ich nicht lange überlegen, als die Anfrage kam.

Dafür hätte aber auch ein Wechsel im Sommer gereicht. Warum schon jetzt?

Präsident Charly Körbel hat mich angerufen, dann haben sich Trainer Rudi Bommer und Körbel mit mir getroffen. Da war noch gar nicht klar, wann der Wechsel möglich ist. Erst im Gespräch hat sich herauskristallisiert, dass beide Seiten schon für den Winter Interesse haben. Ich bin dankbar, dass Griesheim mir keine Steine in den Weg gelegt und es jetzt geklappt hat.

Mit Nikola Mladenovic, Carlos McCrary und Mike Wroblewski spielen auch drei Ex-Mitspieler aus Seligenstadt für Dreieich. Hatten Sie vorher Kontakt?

Nein, zumindest nicht, nachdem ich das Angebot bekommen habe. Aber natürlich tauscht man sich auch während der Saison immer mal wieder aus. Ich wusste, wo ich hinkomme.

Und wo kommen Sie hin?

Es läuft alles sehr professionell ab, obwohl es kein Profiverein ist. Zum Beispiel arbeite ich bei einer Versicherung im Kautionsgeschäft, 38 Stunden die Woche. Das wäre beim FSV Frankfurt oder den Offenbacher Kickers nicht möglich. In Dreieich geht das. Da trainieren wir abends, zurzeit viermal die Woche. Das ist anstregend, aber machbar. Ich wohne in Offenbach, das sind relativ kurze Wege.

Wie sind Sie aufgenommen worden?

Ich fühle mich richtig wohl in der Mannschaft, da gibt es gar nichts auszusetzen – als wäre ich schon von Anfang an dabei gewesen. Neben den drei ehemaligen Seligenstädtern habe ich ja auch noch mit André Fliess in der U19-Hessenauswahl zusammengespielt. In der Kabine wird viel Spaß gemacht.

Nun spielt Ihr Trainer meist nur mit einem Stürmer. In Tino Lagator (11 Tore) und Khaibar Amani (4) stehen aber zwei weitere starke Torjäger im Kader. Haben Sie Angst, auf der Bank zu landen?

Klar ist, dass wir nicht alle spielen können und immer mal jemand auf der Bank sitzen wird. Wer mich kennt, der weiß, dass ich am liebsten jede Minute spielen will – dafür arbeite ich hart. Um den Klub in die Regionalliga zu führen, müssen wir aber alle an einem Strang ziehen und das Ego hinten anstellen.

Sie kommen mit der Empfehlung von 15 Treffern, darunter ein herrlicher Seitfallzieher gegen den SC Hessen. Selbstvertrauen dürften Sie besitzen?

Ich weiß, was ich kann. Wenn ich fit war, habe ich bisher in jeder Mannschaft getroffen. Der Seitfallzieher gegen Dreieich war sicher ein schönes Tor, das dürfte aber nicht der alleinige Grund für das Interesse des Vereins gewesen sein.

Die Trainer Rudi Bommer und Ralf Weber, Vizepräsident Karl-Heinz Körbel – bekannte Namen bei einem Fünftligisten. Hat das für Sie eine Rolle gespielt?

Von solch erfahrenen Profis kann man nur lernen. Unter ihnen zu trainieren, ist für mich eine Ehre. Sie haben einfach richtig Ahnung vom Fußball.

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Der mögliche Aufstieg in die Regionalliga war ein Grund für den Wechsel. Vor drei Jahren haben Sie statt Fußballspielen lieber eine Weltreise gemacht. Wie passt das zusammen?

Ich hatte die Regionalliga fast aufgegeben, damals habe ich ja in der Verbandsliga in Ober-Roden gespielt. Vergangene Saison in Seligenstadt war ich leider oft verletzt. Daher hatte ich mir vor dieser Runde das Ziel gesetzt, mich in der Hessenliga zu behaupten. Das hat bisher mit 15 Toren gut funktioniert.

Gibt es den Traum vom Profi Yves Böttler?

Das ist weit weg, jetzt will ich erst einmal in der Hessenliga Leistung bringen. Sollte ich einmal 25 Tore in der Regionalliga schießen, dann bin ich natürlich für alles offen.

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