Verbandstag

Saisonende in Hessens Fuballklassen

Nächste Saison spielen sie nicht mehr in einer Klasse. Meister SV Pars (rechts: Gökhan Öztas), steigt auf, die Sportfreunde Seligenstadt (links: Muhammed Kayaroglu) bleiben in der Gruppenliga.
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Nächste Saison spielen sie nicht mehr in einer Klasse. Meister SV Pars (rechts: Gökhan Öztas), steigt auf, die Sportfreunde Seligenstadt (links: Muhammed Kayaroglu) bleiben in der Gruppenliga.

SC Hanau 1960 und Sportfreunde Seligenstadt schauen in die Röhre.

Grünberg – Der Hessische Fußball-Verband bricht die wegen der Corona-Pandemie unterbrochene Saison 2019/20 zum 30. Juni ab. Während eines außerordentlichen virtuellen Verbandstages folgten die 287 Delegierten weitgehend den Empfehlungen des HFV-Präsidiums.  Die Wertung der Tabelle wird mit Hilfe der Quotienten-Regelung vorgenommen. Es gibt die vor der Saison festgelegten Direktaufsteiger, aber keine Absteiger. Der Aufstieg der Teilnehmer von Relegationsspielen erfolgt ebenfalls nach der Quotienten-Regel.

Die Frage, was mit den Teams auf den Relegationsplätzen passiert, war zuletzt heiß debattiert worden. Mit der jetzt getroffenen Entscheidung gibt es zusätzliche Aufsteiger, doch viele Zweitplatzierte wie der SC 1960 Hanau in der Verbandsliga Süd oder die Sportfreunde Seligenstadt in der Gruppenliga Frankfurt Ost schauen wegen schlechterer Quotienten in die Röhre. Einer von vier hieß das Motto der virtuellen Aufstiegsrunde zur Gruppenliga Frankfurt Ost. Jubeln durfte Alemannia Gedern (Kreis Büdingen), Kreisoberligisten bleiben dagegen Offenbachs Vizemeister Teutonia Hausen, Ayyildizspor Wächtersbach (Kreis Gelnhausen) und der FSV Bischofsheim (Kreis Hanau). Bis zuletzt hatten rund 50 in einer WhatApp-Gruppe organisierte Vereine den Aufstieg aller Relegationsteilnehmer gefordert, die Quotienten-Regelung wegen Quervergleichen aus unterschiedlichen Ligen kritisiert. Schlussendlich berief sich das HFV-Präsidium bei seiner Empfehlung auf ein eingeholtes Rechtsgutachten. Ein offizieller Antrag, nach dem alle Tabellenzweiten aufsteigen sollen, war zudem nicht eingebracht worden. Anders im Jugendbereich: Dort kippte die Quotienten-Regelung durch Zustimmung für einen von vier Fußballkreisen eingereichten Änderungsantrag, sodass nun alle Meister ihr Aufstiegsrecht ausüben dürfen.

Im Seniorenbereich fanden die zusätzlichen Aufsteiger nicht bei allen Delegierten Gefallen. Aufgeblähte Ligen mit zu erwarteten verschärften Abstiegsregelungen werden befürchtet. Im Vorfeld des Verbandstags sprachen sich die Kreisfußballwarte der Region Frankfurt im Verbandsvorstand gegen zusätzliche Aufsteiger aus, was einem Stimmenanteil von 13 Prozent entsprach. Die Abstimmung der Verbandstagdelegierten brachte ein knapperes Ergebnis. Rund 59 Prozent (175 Stimmen) votierten für die vom Präsidium favorisierte Variante C mit den Relegationsaufsteigern, 101 Stimmen entfielen auf eine Saisonwertung nur mit direkten Aufsteigern (Variante B) und 19 Delegierten wollten gar die Saison normal mit direkten Auf- und Absteigern werten. In den Varianten B und C war der Abstieg ausgesetzt. „Nach vielen Überlegungen und zahlreichen Diskussionen wurde die weitreichende Entscheidung des vorzeitigen Saisonendes getroffen. Das Ergebnis zeigt, dass die überwiegende Zahl der Mitglieder unserer Fußballfamilie diesen Schritt begrüßt. Unzählige Stunden der Vorbereitung, Abwägung und Diskussion sind darin eingeflossen und haben sich ausgezahlt, um die bestmögliche Variante zum Wohle unserer Vereine zu erreichen“, so HFV-Vizepräsident Torsten Becker. HFV-Präsident Stefan Reuß sprach ebenso von einem breiten Konsens und von einer großen Herausforderung, was die Planung der neuen Spielzeit betrifft. Noch immer ist es ungewiss, wann der Ball wieder rollen wird. Optimistische Prognosen sehen einen Saisonstart Anfang September vor. „Wir wollen auf die Plätze zurück“, sagte Reuß. Allerdings wies er wiederholt darauf hin, dass der Verband anhängig von den behördlichen Entscheidungen und dem Verlauf der Corona-Pandemie sei. Der HFV-Präsident unterstrich am Tagungsort in der Sportschule Grünberg die historische Bedeutung des außerordentlichen Verbandstages und war mit dessen Verlauf hochzufrieden. Auch dank der professionellen Umsetzung der Veranstaltung durch die Geschäftsstellen-Mitarbeiter um Moderator Andreas Kattenberg und einer hohen Diskussionsdisziplin der Delegierten waren die zu behandelnden Punkte in exakt zwei Stunden abgearbeitet. Per Videokonferenz verfolgten die Delegierten das Geschehen und hatten die Möglichkeit, sich entsprechend zu äußern. Die Abstimmung fand über ein davon unabhängiges Abstimmungstool statt. Alle Delegierten bekamen die für die Nutzung erforderlichen Kenntnisse im Vorfeld durch ein Benutzerhandbuch übermittelt und konnten diese im Laufe der Vorwoche testen.

„Bis auf die Sache mit den Relegationsteilnehmern bin ich mit dem Verlauf des Verbandstages zufrieden. Durch die zusätzlichen Aufsteiger werden beispielsweise die Gruppenliga Frankfurt Ost, aber auch viele Kreisoberligen anwachsen. Die Verlierer werden die zusätzlichen Absteiger in den nächsten Jahren sein“, meinte Hanaus Fußballwart Dirk Vereeken.

VON FRANK SCHNEIDER

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