Ziel nach zweiter Meisterschaft: Klassenerhalt in Regionalliga

SC Hessen krönt eine „Riesensaison“

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Die Spieler des SC Hessen Dreieich bejubeln den Titelgewinn in der Hessenliga und den Aufstieg in die Regionalliga (von links): Tino Lagator, Denis Talijan, Zubayr Amiri, Andre Fliess, Daniel Henrich, Nikolai Mladenovic, Pierre Kleinheider und Danny Klein. 

Dreieich - Hochkommen ist oft deutlich einfacher, als oben zu bleiben. Das haben auch schon viele Sportler erfahren müssen. Und so gingen auch die Fußballer des SC Hessen Dreieich mit etwas gemischten Gefühlen in ihre dritte Hessenliga-Saison. Am Ende nun stehen der Titel und der Aufstieg in die Regionalliga. Von Patrick Leonhardt

Nach der Meisterschaft 2017 und dem Aufstiegsverzicht hatten die Dreieicher gleich zwei Ziele ins Auge gefasst: Titelverteidigung und Aufstieg. Wohl wissend, „dass wir von Beginn an die Gejagten sein würden“, sagte Trainer Rudi Bommer.

Und der Start verlief mit nur einem Punkt aus den ersten beiden Partien in der Tat holprig. Beim 0:0 gegen den FC Ederbergland spielten die Dreieicher zwar überlegen, trafen aber das Tor nicht. Eine Woche später folgte beim TSV Lehnerz eine 1:2-Niederlage.

Auch die beiden spielfreien Wochenenden in den ersten vier Wochen der Saison schmeckten Bommer überhaupt nicht. Und so rannte der SC Hessen wochenlang der Spitzengruppe hinterher – trotz einer Serie von neun Siegen in Folge, die erst im Oktober in der letzten Minute der Partie bei RW Hadamar (1:1) riss.

Gegen Bayern Alzenau (1:1) kassierte Dreieich eine Woche später erst kurz vor Spielende den Ausgleich – und verpasste erneut den Sprung auf Platz eins. Nach dem 1:2 gegen Teutonia Watzenborn-Steinberg Ende Oktober startete der SC Hessen eine neue Serie. Mit fünf Siegen in Folge stürmte der SC Hessen nicht nur an die Spitze, sondern auch zur Wintermeisterschaft – auch wenn der Spitzenreiter das letzte Spiel des Jahres in Watzenborn-Steinberg 0:2 verlor.

Bereits Ende November hatte SC-Hessen-Initiator und Macher Hans Nolte nach dem 4:0-Sieg im Gipfeltreffen in Lehnerz einen Umzug der Dreieicher an den Bornheimer Hang nach Frankfurt ins Gespräch gebracht. „Das war ein sehr positives Zeichen“, meinte Bommer – dem Aufstieg in die Regionalliga stand damit nichts mehr im Wege.

Nach der Winterpause ließen die Dreieicher Sieg auf Sieg folgen, behaupteten mit neun Dreiern in Folge die Tabellenführung. Und machten bereits am drittletzten Spieltag den erneuten Titelgewinn perfekt – mit einer 2:4-Niederlage in Alzenau, weil Verfolger Lehnerz gleichzeitig in Watzenborn-Steinberg nur 3:3 spielte und die Dreieicher bei sieben Punkten Rückstand nicht mehr einholen konnte.

Der SC Hessen verlor danach auch die zwei letzten Saisonspiele (2:5 gegen RW Frankfurt, 1:4 beim VfB Ginsheim), doch das wollte Bommer nicht überbewerten. „Wir haben eine Riesensaison gespielt“, lobte der ehemalige Nationalspieler seine Mannen. Vor allem waren die Dreieicher deutlich weniger anfällig für Konter als noch in der Vorsaison.

88 Tore erzielte Dreieich in der abgelaufenen Runde, stellte damit hinter Teutonia Watzenborn-Steinberg (96) und Bayern Alzenau (89) den drittbesten Angriff der Liga sowie mit 29 Gegentoren vor Watzenborn-Steinberg (37) die mit Abstand beste Defensive der Liga. Zieht man die 13 Gegentore aus den letzten drei Partien ab, kassierte SC-Torhüter Pierre Kleinheider in 29 Begegnungen ganze 16 Tore – herausragend. Stellten die Dreieicher 2017 noch die fairste Mannschaft der Hessenliga, reichte es 2018 nur zu Platz elf. Gerade die beiden überflüssigen Roten Karten im letzten Heimspiel gegen Frankfurt für Daniel Henrich und Alban Lekaj ärgerten Bommer mächtig.

Bester Torjäger der Dreieicher war Tino Lagator, der mit 20 Treffern in der Torjägerliste Platz zwei belegte. Die Nummer eins Can Özer (23/Bayern Alzenau) spielt kommende Saison mit Lagator beim SC Hessen. Loris Weiss brachte es auf 14 Tore, André Fließ auf 13. Yves Böttler, in der ersten Saisonhälfte für Viktoria Griesheim 15 Mal erfolgreich, kam nach seinem Wechsel in der Winterpause nach Dreieich nur noch zu Kurzeinsätzen, fügte seinem Torkonto aber noch vier Treffer hinzu.

Auch wenn die Spieler der Meistermannschaft erster Ansprechpartner in Sachen Vertragsverlängerung waren, gibt es doch einige Veränderungen. Ersatztorhüter Mike Wroblewski (TSV Schott Mainz), Alban Lekaj (FC Gießen), Tim Fließ, Khaibar Amani (beide FC Hanau 93), Carlos McCrary (Spvgg. 03 Neu-Isenburg) und Jörn Kohl (unbekannt) verlassen den Hessenmeister.

Neu sind Denis Streker (TSV Schott Mainz), Alexandros Theodosiadis (Kickers Offenbach), Eduardo Landu (VfB Ginsheim), Keanu Hagley, Can Özer (beide Bayern Alzenau), Henok Teklab (Rot-Weiss Frankfurt), Marcel Czirbus und Fidan Salii (beide Viktoria Griesheim).

Nachdem Loris Weiss auch für kommende Saison zugesagt hat, weist der SC Hessen mit Weiss (21), Czirbus (19), Hagley (20), Teklab (19) und Salii (20) fünf Spieler im Kader auf, die unter 23 Jahre alt sind. Vier U23-Spieler müssen pro Spieltag im Kader eines Regionalligisten stehen. Sollte auch Marc Fäth (20) bleiben, wären es sogar sechs.

Ziel ist ganz klar der Klassenerhalt. Und vielleicht kommt dem SC Hessen in der Regionalliga ja erneut eine alte Fußballweisheit zu Gute: Dass die Etablierten die Aufsteiger nicht immer ganz so ernst nehmen.

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