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Schiedsrichter Adil Challioui: Pfiffig, wissbegierig und auf dem Weg nach oben

Adil Challioui
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Adil Challioui

Einen Verein, der in der Verbandsliga spielt, stellt die Stadt Offenbach derzeit nicht, aber einen Schiedsrichter, der dort pfeift: Adil Challioui von der SKG Rumpenheim. Bisher gab es für ihn viel Lob. Die Tür nach ganz oben ist aber wohl zu - wegen Corona.

Offenbach – Der Frust war groß bei Adil Challioui damals vor etwa zehn Jahren, in einer Partie seiner B-Jugend der DJK Sparta Bürgel. Der Schiedsrichter hatte ihn „völlig zu Unrecht vom Platz gestellt“, wie er noch heute versichert, wirkte zudem arrogant, überheblich. „Das ging alles so gar nicht für mich. Da dachte ich mir, das kann ich besser“, sagt Challioui - und meldete sich zum Lehrgang der Offenbacher Schiedsrichtervereinigung an.

Die aktive Fußballerkarriere hat er längst aufgegeben, arbeitet als organisatorischer Leiter im Kreislehrstab unter Lehrwart Terlan Tavasolli mit und ist als Unparteiischer bis in die Verbandsliga und als Assistent in die Hessenliga vorgedrungen. In der aktuellen Saison bekam er als Unparteiischer nach dem Aufstieg aus der Gruppenliga von den Beobachtern gute Bewertungen in seinen fünf Landesliga-Partien. „Adil ist zuletzt deutlich reifer, ruhiger und überlegter geworden in seinen Aktionen“, sagt Michael Grieben, Vorstandsmitglied im Freundeskreis der Offenbacher Schiedsrichter. Er bezeichnet Challioui als „pfiffigen und wissbegierigen Typen“, wähnt ihn als Spielleiter und Assistent auf einem guten Weg.

Als „sehr solide“ bezeichnet Challioui selbst vier seiner fünf Auftritte in den Verbandsliga-Spielen SG Walluf gegen FV Breitenbach, FC Cleeberg gegen FC Gießen II (Mitte), SV Unter-Flockenbach gegen VfB Ginsheim II (Süd) und SG Bad Soden gegen Lichtenauer FV (Nord). Die Partie in Walluf endete 4:5, war „spektakulär und ein schöner Auftakt in der Verbandsliga“. Bad Soden mit den ehemaligen Offenbachern Kevin Pezzoni und Daniele Fiorentino gegen Lichtenau (1:1) war „vom fußballerischen Niveau her die beste Partie, die ich jemals leiten durfte“, sagt Challioui.

Vergangenen Sonntag kam er wieder eine Etage tiefer zum Einsatz. Gruppenliga Darmstadt, SG Langstadt/Babenhausen gegen VfR Fehlheim (1:0), Zweiter gegen Erster. „Auch diese Partie auf dem engen Rasen war richtig gut. Da waren viele intensive Zweikämpfe dabei, dennoch war sie nie unfair. Solche Spiele machen mir am meisten Spaß“, berichtet er.

Über seine Leitung der Verbandsliga-Partie Spvgg. Eltville gegen SG Kinzenbach (Mitte) sagt Challioui: „Da hatte ich das Glück, dass die Partie auf Video aufgenommen wurde. Da habe ich gesehen, dass ich die eine oder andere Situation besser und noch souveräner hätte lösen können. Ich habe versucht, herauszufiltern, was ich künftig noch besser machen kann“, berichtet er und gibt zu: „Ich bin manchmal aber auch zu selbstkritisch, mache mir zu viele Gedanken. Wenn ich nach einem Spiel mal früher abschalten könnte, wäre das schon cool.“

Und wohin kann ihn der Weg noch führen? „Mein Ziel als Schiedsrichter ist es zunächst, mich in der Verbandsliga zu etablieren. Die Hessenliga und als Assistent die Regionalliga sind künftige Ziele. Um noch eine Chance nach ganz oben zu bekommen, müsste ich im Alter von 27 Jahren in der 3. Liga angekommen sein. Das ist nicht mehr zu schaffen. Corona hat mir wie vielen Kollegen und auch Fußballern leider etwas Zeit gestohlen“, sagt Challioui vor seinen nächsten Auftritten in den Partien FC Dorndorf - SG Oberliederbach (Gruppenliga Wiesbaden) und FV Biebrich - VfB Marburg (Verbandsliga Mitte).

Von Holger Appel

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