Bei Fußballspiel in Münster niedergeschlagen  

Schiedsrichter nach Gewalttat: „Kann es mir bis heute nicht erklären“ 

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Das Sportgericht in Reinheim (Darmstadt-Dieburg) hat das Urteil zu dem Vorfall in Münster gesprochen, bei dem ein Fußball-Schiedsrichter brutal niedergeschlagen wurde. 

In Reinheim (Darmstadt-Dieburg) begegnet Fußball-Schiedsrichter Nils Czekala bei der Verhandlung des Sportgerichts Spieler Hayri G., der ihn im Oktober in Münster brutal niedergeschlagen hat. Das Gericht ahndet den Vorfall "auf´s Allerschärfste". 

Reinheim – Der Spieler der FSV Münster, der am 27. Oktober in der Partie gegen den TV Semd den Schiedsrichter brutal niederschlagen hatte, wurde vom Kreissportgericht für drei Jahre gesperrt. Die FSV, die ihre Mannschaft abgemeldet hat, belegte das Gericht mit einer sechsmonatigen Spielsperre und einer Geldstrafe in Höhe von 500 Euro.

Die Geschehnisse in der Partie der Fußball-Kreisliga C Dieburg hatten vor knapp vier Wochen bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Unter anderem in den Hauptnachrichtensendungen sahen Millionen Fernsehzuschauer das Handyvideo, auf dem deutlich erkennbar ist, wie FSV Münster-Spieler Hayri G. Schiedsrichter Nils Czekala (GSV Breitenbrunn) bewusstlos schlägt, nachdem dieser ihm die Gelb-Rote Karte gezeigt hat. Vom bundesweiten Interesse blieb am Mittwoch bei der Verhandlung des Kreissportgerichts im Sitzungssaal der Mehrzweckhalle von Spachbrücken (Landkreis Darmstadt-Dieburg) noch ein „Spiegel“-Reporter und dessen Fotograf übrig. 

Ansonsten waren die Vereinsvertreter und Entscheidungsträger des Dieburger Fußballkreises, von denen sich einige nach den Vorfall einem großen Medieninteresse ausgesetzt sahen, weitgehend unter sich. Das Handyvideo der Tat wurde zu Beginn der Verhandlung noch einmal gezeigt. „Das Video sagt eigentlich alles“, meinte Helmut Biegi (KSG Georgenhausen), der Vorsitzende des Kreissportgerichts, knapp 90 Minuten später in seiner Urteilsbegründung. 

Angriff auf Fußball-Schiedsrichter in Münster: Gericht spricht Urteil 

„Wir gehen davon aus, dass die Tätlichkeit bewusst und gewollt ausgeführt wurde“, sagte Biegi zu Hayri G., der wie sein Opfer zur Verhandlung erschienen war. „Sie haben den Schlag so ausgeführt, dass sie abgesprungen sind und dann tänzelnd weggelaufen sind. Das passt eher in den Boxring, aber nicht auf den Fußballplatz.“ Die Tätlichkeit gegen den Fußball-Schiedsrichter in Münster sei als besonders schwerer Fall nach Paragraf 25, Absatz 3 der Strafordnung des Hessischen Fußballverbandes zu ahnden. Mit der dreijährigen Sperre schöpfte das Kreissportgericht den Strafrahmen voll aus. 

Die Vorfälle vom 27. Oktober müssten, so Biegi, insbesondere da es gegen den „Schiedsrichter als neutrale Person unseres Fußballspiels“ gegangen sei, „aufs allerschärfste“ geahndet werden. Hayri G., der sich auch noch in einem Strafprozess verantworten muss, machte zum Ablauf der Geschehnisse auf dem Platz keine Angaben. Er drückte aber sein Bedauern aus: „Ich habe einen Fehler gemacht, ich entschuldige mich dafür. Ich bereue die Tat. Es ist passiert, leider kann ich die Zeit nicht mehr zurückdrehen“, meinte G., der von der FSV Münster (Darmstadt-Dieburg) aus dem Verein ausgeschlossen wurde. Er werde „auf jeden Fall“ noch auf Schiedsrichter Nils Czekala zugehen, um sich persönlich bei ihm entschuldigen. 

Das Sportgericht verhandelt in Reinheim (Darmstadt-Dieburg) über den Angriff auf einen Schiedsrichter in Münster. Ganz rechts: Spieler Hayri G., der jetzt für drei Jahre gesperrt wurde. Foto: Eyssen 

Czekala, der nach dem Faustschlag bewusstlos war und mit dem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus gebracht werden musste, geht es wieder besser. Das berichtete er am Beginn seiner Zeugenaussage. Er sei nur noch in dieser Woche krankgeschrieben. An die Tat selbst kann sich der 22-Jährige nicht mehr erinnern, der Spielverlauf bis zur folgenschweren 85. Spielminute ist ihm aber präsent. Die erste Hälfte sei „ziemlich unspektakulär“ verlaufen. Diskussionen habe es lediglich gegeben, als er einem Tor der FSV Münster wegen einer Abseitsstellung die Anerkennung verweigerte. 

bewusstlos geschlagener Schiedsrichter: „Kann es mir bis heute nicht erklären“ 

„Ich bin aber mit keinem schlechten Gefühl in die Pause gegangen“, so Czekala. In der zweiten Hälfte wurde Hayri G. eingewechselt. Im weiteren Spielverlauf habe ihn, so der Fußball-Schiedsrichter, ein Semder Spieler darauf aufmerksam gemacht, dass dieser von G. bedroht worden sei. Helmut Biegi stellte zu Beginn der Verhandlung in den Raum, dass die Formulierung „Ich bring dich um“ gefallen sein könnte. Eine Bedrohung konnten die anwesenden Zeugen nicht bestätigen, da sie davon nichts mitbekommen hätten. Der Semder Spieler, der sich von G. bedroht fühlte und ebenfalls als Zeuge geladen war, fehlte bei der Verhandlung aus beruflichen Gründen. 

G. wurde zudem vorgeworfen, im Laufe der zweiten Hälfte hinter dem Rücken des Schiedsrichters in Münster eine Tätlichkeit gegen den Semder Spieler begangen zu haben. Da er die Aktion nicht gesehen hatte, habe er sie auch nicht ahnden können, so Czekala. Jedenfalls sei die zweite Hälfte deutlicher hektischer und von vielen Foulspielen geprägt gewesen. 

Nach einer Stunde hatte bereits Münsters Spielertrainer die Gelb-Rote Karte gesehen. In der 85. Minute zeigte Czekala nach einem weiteren „ziemlich unnötigen“ Foulspiel G., der bereits verwarnt war, die Gelb-Rote Karte. Kurz darauf folgte der brutale Schlag. Für Czekala nach wie vor völlig unverständlich. „Ich kann es mir bis heute nicht erklären.“ 

Schiedsrichter hätte sich mehr Unterstützung von FSV Münster gewünscht 

Von der FSV Münster hätte sich der Schiedsrichter gewünscht, dass in der zweiten Hälfte „mal ein Vereinsverantwortlicher auf die Mannschaft einwirkt“. Die Semder Spieler hätten sich vor dem Hintergrund, dass in der zweiten Hälfte einer ihrer Spieler wahrscheinlich Opfer einer Tätlichkeit geworden war, „sehr professionell und ruhig“ verhalten. Die Entschuldigung der Verantwortlichen der FSV Münster (Südhessen) im Nachgang sei „sehr ehrlich und respektvoll“ gewesen, so Nils Czekala „Es tut mir auch leid, dass nun der ganze Verein darunter leidet, dass sich die Fußballmannschaft daneben benommen hat.“ 

Auch die Familie des Täters habe sich über seine Eltern bei ihm entschuldigt und wollte auch den Kontakt zu Czekala herstellen. Dazu sei es aber bislang nicht gekommen. „Ich habe erst einmal abgeblockt, da ich von der Situation überfordert war“, so Czekala.    Von Sascha Eyssen

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