„Schön, dass wir uns bei EM beweisen dürfen“

Schiedsrichter Stieler (SG Rosenhöhe) pfeift bei U21-EM in Polen

Offenbach - Er hat das Bundesliga-Spitzenspiel Borussia Dortmund gegen den FC Bayern (1:0) vor 80 000 Zuschauern geleitet, ebenso die spektakuläre Partie der Münchner bei RB Leipzig (5:4). Von Holger Appel

Schiedsrichter Tobias Stieler von der SG Rosenhöhe mit Welt- und Europameister Xabi Alonso (Bayern München).

Dennoch ist die anstehende U21-Europameisterschaft in Polen für Schiedsrichter Tobias Stieler (SG Rosenhöhe) ein Höhepunkt in seiner Karriere. „Natürlich direkt nach dem Bestehen der Schiedsrichterprüfung im Kreis Offenbach im Jahr 1995“, wie der mittlerweile in Hamburg lebende Stieler witzelt.
Seit 2012 leitet der 35-Jährige Spiele in der Fußball-Bundesliga, mittlerweile stehen 75 Einsätze in der Bundesliga, 61 in der 2. Liga und 34 in der 3. Liga in seiner Vita. 2014 rückte er auf in die FIFA-Liste, 2016 hat er unter anderem das Testspiel Belgien gegen Norwegen (3:2) und in der WM-Qualifikation Schottland gegen Litauen (1:1) geleitet. Beim Testspiel Frankreich gegen Spanien (0:2) im März in Paris feierte er im Team von Schiedsrichter Felix Zwayer seine Premiere als Videoassistent, griff zweimal spielentscheidend ein.

Der Videoassistent kommt in der nächsten Saison auch in der Bundesliga zu Einsatz, „eine klasse Idee. Sie wird sich durchsetzen, weil sie den Fußball gerechneter macht“, wie Stieler findet.

Jetzt steht für den Juristen, der mittlerweile Psychologie studiert, sein erstes großes internationales Turnier mit zwölf Mannschaften und neun Schiedsrichtergespannen in Polen (16. bis 30. Juni) an. Stieler ist mit seinen Assistenten Rafael Foltyn (Mainz) und Jan Seidel (Berlin) sowie den Torrichtern Daniel Siebert (Berlin) und Benjamin Brand (Unterspiesheim) dabei. „Die Chancen, für so ein Turnier nominiert zu werden, immerhin das zweitwichtigste des Europäischen Verbandes, sind schon relativ gering. Umso schöner, dass wir uns da jetzt beweisen dürfen“, sagt Stieler, der auf nationaler Ebene noch ein großes Ziel nennt: Er würde gern einmal das DFB-Pokalfinale in Berlin leiten. In diesem Jahr war er als im hessischen Verband gemeldeter Schiedsrichter chancenlos, da die Frankfurter Eintracht das Endspiel am 27. Mai (1:2 gegen Borussia Dortmund) erreicht hatte.

Bilder: OFC-A-Junioren besiegen Rosenhöhe 4:1

Stieler stand stattdessen am 29. Mai beim Relegationsspiel zur Bundesliga zwischen Eintracht Braunschweig und dem VfL Wolfsburg (0:1) auf dem Platz. Danach startete Stieler sein persönliches Trainingslager. „Ich habe eineinhalb Wochen richtig Gas gegeben und zweimal täglich trainiert, auch längere Laufeinheiten. Ich hatte ja genug Zeit bis zur EM.“ Gestern hat er am Schiedsrichter-Standort Krakau den Fitnesstest absolviert und ist bereit für seinen ersten EM-Einsatz. Welche Partie er zum Auftakt bekommt, ist noch offen.

„Ich will mit meinen Assistenten eine schöne Zeit haben und vor allem überzeugen. Alles andere liegt nicht in unserer Hand“, sagt Stieler. Was er meint: Kommt die von Stefan Kuntz betreute DFB-Auswahl, die in der Vorrundengruppe C auf Dänemark, Italien und Tschechien trifft, ins Halbfinale, sind die deutschen Schiedsrichter außen vor. Verpasst Deutschland das Halbfinale und Stieler und sein Team bieten überzeugende Leistungen, dürfen sie sich Hoffnungen machen auf einen Einsatz im Halbfinale oder sogar im Endspiel von Krakau.

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