FC Germania im Soll, TS und SV Münster richten Blick nach unten

Hinrunde in der Fußball-Verbandsliga „sehr speziell“ und „grenzwertig“

Führungsspieler der Germania. Damien Letellier (rechts) blüht in der Dreierkette auf. Links: Max Daniel von der SG Mosbach/Radheim.
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Führungsspieler der Germania. Damien Letellier (rechts) blüht in der Dreierkette auf. Links: Max Daniel von der SG Mosbach/Radheim.

Dieburg – Mit drei Vereinen ist der Fußballkreis Dieburg in der Verbandsliga Süd vertreten. Während Germania Ober-Roden als Sechster im Soll liegt, müssen die TS Ober-Roden und der SV Münster den Blick nach unten richten. Wobei sich der Vorsprung auf einen Abstiegsplatz nach dem Sechs-Punkte-Abzug für die SG VfR/Dersim Rüsselsheim auf sieben, beziehungsweise sechs Punkte erhöht hat.

Die Bilanz der ersten Saisonhälfte:

GERMANIA OBER-RODEN

Die erste Saisonhälfte „war sehr speziell“, sagt Germania- Trainer Fabian Bäcker mit Blick auf eine Halbserie, die von einer unglaublich hohen personellen Ausfallquote geprägt war. Nach elf Spieltagen hatten die Schwarz-Blauen bereits 28 Spieler eingesetzt. Dabei hatte die Saison gar nicht schlecht begonnen. Die Germanen verteidigten mit einem 4:2-Sieg gegen den Kreisoberligisten SG Mosbach/Radheim den Dieburger Kreispokal, „das war uns sehr wichtig“, erklärt Bäcker. Doch eine Woche vor dem Rundenstart in der Verbandsliga brach dann alles zusammen. Urlauber – das war abgestimmt – aber auch viele verletzungs- und krankheitsbedingte Ausfälle, von Beginn an griff Bäcker nicht nur auf Spieler der zweiten Mannschaft zurück, sondern gab im ersten Saisonspiel in Oberrad (1:2) sein Comeback als Spieler. Im August/September hangelten sich die Ober-Rodener in der Regel mit elf gesunden Feldspielern durch die Begegnungen.

„Aber die Mannschaft ist an diesen Herausforderungen gewachsen. Wir haben dennoch viele Punkte geholt, sportlich bin ich sehr zufrieden“, sagt der Germania-Trainer. „Die Spieler aus der zweiten Mannschaft haben sich toll eingebracht. Dabei haben sie oftmals zuvor noch 45 bis 60 Minuten in der Kreisoberliga gespielt. Das war eine krasse Belastung für die Jungs.“ Großer Vorteil der Germania war in dieser Phase der stabile Kern der Mannschaft, die sich im Stamm im Vergleich zur Vorsaison kaum verändert hat. „Da war es für die jungen Spieler einfach, reinzukommen“, erklärt Bäcker, der sich begeistert von seinen etablierten Spielern zeigt, die trotz aller Personalsorgen nie resignierten und mit ihrer Einstellung die jungen Spieler mitrissen. Zudem entwickeln sich Jonas Dapp und Mervan Emir immer mehr zu Führungsspielern. Und Routinier Damien Letellier (35) blühte in neuer Rolle – er wechselte aus dem Mittelfeld zurück in die Dreierkette – förmlich auf. „Sensationell“, schwärmt Bäcker von den Leistungen des Führungsspielers.

Die erste Saisonhälfte beendete die Germania mit 46:43 Toren. „Das sind zu viele Gegentore. Aber wir haben die meisten Gegentreffer auf ein paar Spiele verteilt“, sagt Bäcker. Zwölf auf die drei Partien in Unterflockenbach (0:5), bei der SG Bornheim/Grün-Weiß (0:4) und gegen 1960 Hanau (1:3) – alle drei Mannschaften stehen in der Tabelle vor Ober-Roden. Dazu kommt ein 1:5 gegen Rot-Weiß Darmstadt. Und drei Begegnungen mit jeweils vier Gegentoren, die die Germania aber allesamt gewann: jeweils 7:4 in Ginsheim und gegen Großkrotzenburg sowie 5:4 gegen Eintracht Wald-Michelbach.

Tore für die Germania, dafür war in der Vergangenheit vor allem Marco Christophori-Como zuständig. Auch in der aktuellen Spielzeit ist er mit elf Treffern der erfolgreichste Torschütze. Entlasten sollte den Torjäger Rückkehrer Mohammed Hakimi (RW Walldorf), der aus verschiedenen Gründen aber nur zweimal für die Germania auflief. Dennoch ist Ober-Roden deutlich schwerer als in der Vergangenheit auszurechnen, die 46 Treffer verteilen sich auf 15 Torschützen. „Und auch unsere Torquote hat sich spürbar verbessert“, freut sich Bäcker, dass die Germanen nicht mehr so viele Chancen verballern wie in den vergangenen Jahren.

Hakimi gilt für die zweite Saisonhälfte als einziger „Neuzugang“. „Er ist nach Ober-Roden zurückgekommen, wollte vorangehen, konnte das aber nie umsetzen“, sagt Bäcker. Verlassen wird den Tabellenfünften kein Spieler. „Alle fühlen sich wohl“, sagt Bäcker. Und die „sehr spezielle“ Hinrunde hat die Mannschaft weiter zusammengeschweißt.

TS OBER-RODEN

Ähnlich wie Ortsnachbar Germania wurde auch bei der Turnerschaft die Liste der Ausfälle von Woche zu Woche länger. „Es war leider vorhersehbar, dass alle Mannschaften mit personellen Problemen zu kämpfen haben, die man so bisher noch nicht kannte“, sagt TSO-Trainer Bastian Neumann mit Blick auf die lange Pause von November 2020 bis Juni 2021. Das Fatale für die TSO war, dass sich die Personalsorgen bis in den November hineinzogen. „Die Kadersituation war schon grenzwertig“, meint Neumann. Die komplette Hinrunde füllten Spieler aus der zweiten Mannschaft (A-Liga) und der A-Jugend den Kader nicht nur auf, sondern spielten teilweise von Beginn an. „Wir haben zum Glück einen großen Pool an Spielern, der uns weiterhilft“, ist Neumann mit dem Unterbau des Verbandsligisten zufrieden.

Erst im Jahresendspurt verließ die TS die Abstiegsplätze, „das 5:1 in Hanau hat alles gelöst“, meint Neumann, „damit wuchs das Vertrauen in sich selbst und in die Mannschaft.“ Mit sieben Punkten aus den letzten drei Partien kletterte die Turnerschaft noch auf Platz elf. „Sportlich müssen wir zufrieden sein, sind es aber nicht“, erklärt Neumann mit Blick auf neun Hinausstellungen und sieben Partien, die die Ober-Rodener in Unterzahl beendeten. „Mit elf gegen elf hätten wir ein paar Punkte mehr. Es gab nur wenige Spiele, in denen wir verdient Punkte haben liegen lassen“, sagt der TSO-Trainer. Das wollen die Rödermarker in der zweiten Saisonhälfte natürlich besser machen.

Als einen der Gewinner der ersten Saisonhälfte nennt Neumann Patrick Bleibdrey, der im Sommer 2020 vom Ligarivalen JSK Rodgau nach Ober-Roden gewechselt war. „In der ersten Saison kam er in sieben Spielen gerade einmal auf 30 Minuten. Nun war er in allen Spielen dabei“, erklärt Neumann. Meist als Sechser, zuletzt auch dreimal hinter den Spitzen. „Er ist auf dem Weg zum Führungsspieler“, lobt Neumann. Damit erhält die Achse um Benedikt Strauß, Florian Henkel und Sevket Yildirim weiteren Zuwachs, zu dem auch Manuel Profumo zählt. „Wenn die Stützen dabei sind, haben wir ein gutes Fundament“, weiß Neumann, für den es elementar wichtig ist, dass sich die Mannschaft so gut kennt. Schließlich kamen im Sommer als Neuzugänge nur Kewin Siwek (Großkrotzenburg) und Spieler aus der Jugend dazu. „Sind die Führungsspieler auf dem Platz, sind wir defensiv sehr stabil“, sagt Neumann und zählt dazu auch die Torhüter Niklas Schwaar und Erik Gorzawski, die sich „gegenseitig pushen und eine sehr gute Entwicklung hingelegt haben“, so der TSO-Trainer.

Nachdem Offensivspieler Dennis Profumo bereits im November den Verein verlassen hat, sind im Kader keine weiteren Veränderungen geplant. „Wir wollen unsere Führungsspieler so lange wie möglich halten, planen weiter und auf lange Sicht hin mit jungen Leuten“, sagt Neumann. Trainingsauftakt in Ober-Roden ist am Samstag, 22. Januar. „Wir stehen ganz gut da, sind aber noch nicht aus dem Gröbsten raus“, sagt Neumann.

SV MÜNSTER

Mit „gemischten Gefühlen“ schaut Münsters Trainer Naser Selmanaj auf die erste Saisonhälfte zurück. „Am Anfang war ich sehr zufrieden, wir sind gut in die Saison gekommen. Am Ende war ich dann nicht mehr so zufrieden. Spielerisch war das oft gut, aber wir haben einige Punkte liegen lassen. Uns fehlen sicher sechs Punkte“, sagt er. Gerade auswärts ließ der SVM wertvolle Punkte liegen: beim 2:2 in Ginsheim, als die Münsterer eine Hälfte in Überzahl spielten, oder beim 1:2 bei den Speuzern in Frankfurt, als der SVM in der Schlussminute den zweiten Gegentreffer kassierte sowie beim 0:1 bei der Spvgg. 03 Neu-Isenburg (Gegentreffer in der 83. Minute). Aber auch zu Hause gegen den SV Pars Neu-Isenburg (1:1) und sogar gegen Spitzenreiter SV Unter-Flockenbach, den Münster beim 2:2 phasenweise an die Wand spielte, blieben wertvolle Punkte liegen. Je länger Selmanaj die Spiele aufzählt, desto mehr ärgert er sich über die verlorenen Zähler.

Alles in allem führten diese Ergebnisse nach dem guten Start – mit einem 7:2-Sieg gegen den SC 1960 Hanau als Höhepunkt – zu einer Phase mit neun sieglosen Partien (vier Zähler), so dass die Selmanaj-Elf am 18. Spieltag auf einen Abstiegsplatz abrutschte. Im letzten Spiel gelang dann ein wichtiger 3:1-Sieg gegen die Spvgg. 05 Oberrad. „Mit dem Sieg am Ende war die Runde okay. Wichtig ist, dass wir über dem Strich stehen“, sagt der SVM-Trainer.

Zufrieden mit seiner Mannschaft ist der langjährige Hessenliga-Spieler dennoch: „Wir haben sieben, acht Spieler, die das Gesicht dieser Mannschaft prägen“, sagt er. Fünf Spieler aus dem Kader, darunter Kapitän Jonas Seib, stiegen 2016 mit dem SVM aus der Kreisoberliga in die Gruppenliga auf, zwölf Spieler feierten 2020 mit dem SVM den Titelgewinn in der Gruppenliga Darmstadt. Über Hessenliga-Erfahrung verfügen nur Routinier Nils Wolf und der neue Torhüter Lazar Kacarevic. „Alle anderen“, lobt Selmanaj, „haben sich sehr gut entwickelt und einen großen Schritt nach vorne gemacht. Und die Entwicklung ist noch nicht abgeschlossen.“ Hervorzuheben ist Torjäger Adrian Postall, der auch in der 6. Liga seine Buden macht (bisher zwölf). Aber auch Arian Sahitolli (9) und Julian Huther (7) zeigen sich treffsicher. „Wir sind eine große, homogene Familie. Auf dem Platz, aber auch außerhalb“, sagt Selmanaj, „alle haben Bock, etwas zu erreichen.“

Veränderungen im Kader sind im Winter keine geplant, eventuell könnte aber noch ein neuer Spieler hinzukommen. „Neu“ wäre dann auch Damian Leonhard Köllhofer, der aufgrund eines Kreuzbandrisses nur achtmal zum Einsatz kam. „Er hat uns in der Phase, in der wir wenig gepunktet haben, spürbar gefehlt“, stellt Selmanaj fest.

Anfang des Jahres steht für die Münsterer zunächst ein wenig „Home-Office“ an: Zehn bis zwölf Tage Laufen, der Trainer kontrolliert’s per App. Am 21./22. Januar ist Trainingsstart, bereits am 19. Februar steht das Kreispokal-Spiel gegen den Ligarivalen Germania Ober-Roden an.

Von Patrick Leonhardt

Derbyzeit. Jonas Dapp (Germania) und Arian Sahitolli (rechts), neunfacher Torschütze des SV Münster.
Diskussionsbedarf. Patrick Bleibdrey entwickelt sich bei der TS zum Leistungsträger.

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