„Sind ein multi-kultureller Club“

Türkischer SC distanziert sich von Facebook-Einträgen

Offenbach - Der Frust sitzt tief beim Türkischen Sportclub Offenbach. Der Verein spielt als Tabellenzehnter der Fußball-Kreisliga A Ost zwar eine solide Runde, ist jetzt aber abseits des Platzes in negative Schlagzeilen gerutscht. Von Holger Appel 

Wie HR-online gestern berichtete, waren auf der Facebook-Seite des Clubs antisemitische Sprüche in türkischer Sprache zu finden. Mittlerweile sind sie verschwunden. Matthias Müller, Leiter des Amtes für Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Offenbach, findet die im Internet entdeckten und übersetzten Äußerungen „unerträglich“. Aufforderungen wie „kauft nicht bei jüdischen Firmen“ seien mit Werten unserer Gesellschaft nicht vereinbar. „Eine Stadt wie Offenbach ist darauf angewiesen, dass 150 Nationen friedlich zusammenleben. Und jeder Einzelne trägt seinen Teil dazu bei. Das gilt insbesondere für unsere Vereine, die den Menschen Heimat bieten. Für Ausgrenzung ist kein Platz“, sagt er. Oberbürgermeister Horst Schneider hat den Vorstand des Türk. SC gestern angeschrieben und ihn aufgefordert, sich von den Äußerungen öffentlich zu distanzieren.

TSC-Vorstandsmitglied Birol Zabah ist selbst fassungslos. „Das hat ein junger Spieler aus der Reservemannschaft verfasst, der nur unregelmäßig im Einsatz war. Wir wollen mit ihm nichts mehr zu tun haben und werden seinen Spielerpass an den Hessischen Fußball-Verband zurückschicken. Er hat diese Einträge von seiner Internetseite aus gemacht und sie ohne unsere Erlaubnis mit der Vereinsseite verbunden.“ Zabah, früher beim VfB Groß-auheim aktiv und seit 2010 beim Türkischen Sportclub, berichtet, er sei zwar bei Facebook vertreten, kontrolliere aber nicht jeden Tag, was da so passiere.

Äußerungen widersprechen Vereinsauffassung

Der 36 Jahre alte Diplom-Bau-Ingenieur türkischer Abstammung, der selbst in Hessen zur Welt gekommen ist, ergänzt: „Was da verbreitet wurde, steht im Gegensatz zu unserer Vereinsauffassung und ist entsetzlich. Wir laufen zwar als Türkischer Sportclub auf, haben aber auch Spieler aus anderen Nationen in unseren Reihen. Die Abstammung der Spieler hat uns nie interessiert. Wir sind ein multi-kultureller Club, wollen das auch bleiben und fühlen uns hier wohl.“

Trotz dieser beschwichtigenden Aussagen drohen dem Verein nun einige Probleme. Der Hessische Fußball-Verband hat gestern zügig reagiert, wie HFV-Vizepräsident Torsten Becker (Hanau) berichtet. Er sagt: „Wir organisieren zwar den Amateurbereich mit mehr als 500 000 Fußballern aus allen Kulturen, unsere Strafordnung regelt aber nur Dinge, die direkt mit dem Spielbetrieb zu tun haben. Ein sportrechtliches Verfahren einzuleiten, ist in diesem Fall somit problematisch. Da wir so etwas aber nicht laufen lassen können und wollen, geht der Vorgang an die Offenbacher Staatsanwaltschaft. Da gehört das hin.“

Becker nimmt zumindest erfreut zur Kenntnis, dass sich Vorstandsmitglied Zabah für den Verein so deutlich von den antisemitischen Tendenzen distanziert, der TSC den auffälligen Spieler ausschließt. „Das ist genau der richtige Schritt, der Türk. SC verhält sich in dieser schwierigen Lage angemessen“, sagt er und kündigt an, den Vorstand des Vereins im Rahmen der HFV-Kampagne „Nein zu Diskriminierung und Gewalt“ (geplant am 15. Juni in Hainhausen) zu einem Gespräch zu bitten.

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Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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