Heute fährt die 18 bis nach Isenburg

Spvgg. 03 Neu-Isenburg feiert Aufstieg in Hessenliga

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Während das Trainerteam und die Fans den Aufstieg in die Hessenliga auf dem eigenen Sportgelände begossen, fuhren die Spieler um Kapitän Marco Betz (von links), Henrik Nedwied und Mario Rhein feiernd mit einer Bimmelbahn durch Neu-Isenburg.

Neu-Isenburg - Die Fußballer der Spvgg. 03 Neu-Isenburg haben es geschafft. Nach 40 Jahren gelingt den Hugenottenstädtern wieder der Sprung in die Hessenliga. Von Daniel Schmitt

Donnerstagabend, kurz nach 21.15 Uhr, die Blicke der Anwesenden richten sich auf Peter Hoffmann. Der Trainer der Spvgg. 03 Neu-Isenburg steht mit einem Handy am Ohr in der Vereinskneipe. „Noch ein Eckball“, sagt Hoffmann mit nervöser Stimme, ehe es plötzlich aus ihm herausplatzt. „Jaaa“, schreit er und reißt beide Arme nach oben: „Hessenliga, Hessenliga, hey, hey“. Der Coach ist nicht mehr zu halten, immer wieder schnellen die Arme nach oben, immer wieder schreit er seine Freude heraus. Die Spielvereinigung hat es geschafft, nach 40 Jahren steigen die Neu-Isenburger wieder in die Hessenliga auf – und das an diesem Abend ohne eigenes Zutun.

Weil im nordhessischen Sand der heimische SSV gegen den SV Zeilsheim nur mit 1:3 verlor, reichte es für die 03er zum Aufstieg in Hessens höchste Amateurfußballklasse. Sie hatten zuvor in der Aufstiegsrunde bereits 0:0 gegen Zeilsheim und 5:1 gegen Sand gespielt. Letztlich machten also zwei späte Neu-Isenburger Tore im Spiel gegen Sand (88. und 90.+4) den Unterschied aus. „Es ist ein Wechselbad der Gefühle, wenn man selbst keinen Einfluss hat“, sagt Hoffmann, der die Partie gemeinsam mit seiner Mannschaft und Fans im eigenen Sportpark verfolgte. Aus Sand war ein Arbeitskollege des Trainers per Handy zugeschaltet. „Nach dem Abpfiff ist eine riesige Last abgefallen“, sagt Hoffmann. Die Mannschaft fuhr grölend in einer extra organisierten Bimmelbahn – passend zum bekannten Partylied „Heute fährt die 18 bis nach Istanbul“ – durch Neu-Isenburg. Das Trainerteam und die Fans begossen den Erfolg kaum weniger ruhig auf dem Sportplatz. „Ich war um 2 Uhr im Bett und hoffe, dass die Jungs es auch irgendwann sicher nach Hause geschafft haben“, scherzt Hoffmann.

Bilder: 03er gewinnen gegen Sand

Die Anspannung einer anstrengenden Saison war von einem auf den anderen Moment verschwunden. „Wir hatten viele Höhen, aber auch einige Tiefen“, sagt Hoffmann. Nach einer starken Hinrunde schwächelten die 03er im zweiten Halbjahr. Punktverluste gegen Schlusslicht Großkrotzenburg (2:2) oder Absteiger Fehlheim (0:3) waren kaum zu erklären. Zwar hatten die Neu-Isenburger mit Verletzungen zu kämpfen – so fielen etwa die Torjäger Aljoscha Atzberger und Marc Züge sowie Kapitän Marco Betz zeitweise aus –, letztlich spielte aber auch der Kopf eine Rolle. „Wir haben es uns selbst schwergemacht“, sagt Hoffmann. Als in der Schlussphase der Saison die Verletzten wieder zurückkamen und Hoffmann die zwischenzeitlich eingeführte Dreierkette wieder ad acta legte, klappte es besser. In den letzten Wochen der regulären Saison und in der Aufstiegsrunde zeigten die 03er gute Leistungen. „Die Formkurve kam zum richtigen Zeitpunkt wieder“, sagt auch der Trainer, dem in seinem 14. Jahr bei der Spielvereinigung bereits der vierte Aufstieg gelang. Angefangen in der A-Liga geht es nun in der Hessenliga weiter. Für Hoffmann eine unbekannte Klasse. „Da lerne ich nach neun Jahren in der Verbandsliga neue Sportplätze kennen. Die Hessenliga wird eine tolle Erfahrung für den Verein. Wir wollen uns möglichst teuer verkaufen und schauen dann, ob es reicht.“

Unabhängig vom ungewissen Ausgang der Aufstiegsrunde hatten die 03er die personellen Planungen vorher fast abgeschlossen. Sieben Neuen stehen sieben Abgänge gegenüber. Einzig ein Außenverteidiger könnte noch kommen. „Wir wollten einen Umbruch einleiten, weil wir eine relativ alte Mannschaft hatten“, sagt Hoffmann. Man habe darauf geachtet, hungrige Spieler zu holen, „die etwas erreichen wollen.“ Am besten den Klassenerhalt in der Hessenliga.

Bilder: 03er bleibt gegen Zeilsheim torlos

Zugänge: Jan Gebhardt (Eintracht Wald-Michelbach), Lucien Scheurich (RW Darmstadt), Ernad Dananovic (SG Bad Soden), Kevin Arnold (Germania Klein-Krotzenburg), Julian Cichutek (RW Walldorf), Clemens Freitag (Kickers Offenbach U19), Kazuki Kamikawa (Spvgg. Ingelheim)

Abgänge: Mario Marx (SG Bornheim), Fabian Büttner (JSK Rodgau), Yannik Seith, Manuel Profumo, Julius Reitbauer, Simon Horn, Luca Lippert (alle unbekannt)

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