Erfolgsrezept des Fußball-Gruppenligisten / Sonntag in Bad Orb

Germania Klein-Krotzenburg ist in der Breite stark besetzt und hat einen ehrgeizigen Trainer

Stemmen sich auch gegen scheinbar übermächtige Gegner: Peter Doschek von Germania Klein-Krotzenburg (links) im Duell mit Sebastian Wagner vom Hessenligisten 1. FC Erlensee.
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Stemmen sich auch gegen scheinbar übermächtige Gegner: Peter Doschek von Germania Klein-Krotzenburg (links) im Duell mit Sebastian Wagner vom Hessenligisten 1. FC Erlensee.

Es ist eine Entwicklung, die nur die kühnsten Optimisten für möglich gehalten hatten. Ralf Walter zählt zu ihnen. Er sei „nicht überrascht“, sagt der Mann, der bei Fußball-Gruppenligist SG Germania Klein-Krotzenburg für den Spielbetrieb zuständig ist, mit Blick auf die Zwischenbilanz des Hainburger Ortsteil-Vereins. 24 Punkte hat das Team von Trainer Mustafa Fil nach zwölf Partien auf dem Konto und belegt damit Platz vier.

Offenbach - Zum Vergleich: In den vergangenen beiden (abgebrochenen) Spielzeiten holte die Germania zusammengerechnet 19 Punkte aus 32 Partien - bei 46:100 Toren. „Wir hatten uns dennoch ausgerechnet, dass wir in dieser Saison nichts mit dem Abstieg zu tun haben würden“, sagt Walter: „Das haben wir aber nicht kundgetan, zumal wir in den vergangenen beiden Spielzeiten sportlich eigentlich abgestiegen wären.“ Die Germania profitierte jeweils davon, dass die Runde nicht beendet werden konnte und der Abstieg daher ausgesetzt wurde. Gleichwohl habe die Leistungskurve bereits in der Spielzeit 2020/21 nach oben gezeigt. „Man hat letzte Saison schon gemerkt, dass wir in der Liga durchaus hätten bestehen können, wenn alle fit gewesen wären“, sagt Walter.

Die Germania besteht allerdings in der Liga nicht nur, sie zählt sogar zur (erweiterten) Spitzengruppe. Daran ändert auch das jüngste 1:3 gegen Germania Dörnigheim nichts. Zuvor hatten die Klein-Krotzenburger mit sechs Siegen in Folge für Aufsehen gesorgt. Walter führt diese Entwicklung unter anderem auf die gelungene Personalpolitik zurück: „Wir haben uns mit einigen Leuten verstärkt.“ Der Mix aus jungen und erfahrenen Zugängen habe dazu beigetragen, dass man „in der Breite gut aufgestellt“ und auch „viel stabiler“ sei. Die Germania blieb zudem bisher weitestgehend vom Verletzungspech verschont.

„Es sind nur einmal in dieser Saison richtig viele Leute ausgefallen“, sagt Walter und meint damit das Spiel beim FC Gelnhausen, als Stammkräfte wie Sebastian Schuschkleb, Filippo Serra, Mirko Zakarija oder Gianpiero Iantorno fehlten. Klein-Krotzenburg behielt dennoch mit 4:0 klar die Oberhand.

„Die Zugänge haben eingeschlagen“, freut sich der Funktionär der Germania. In Vuk Toskovic (RW Frankfurt, Türk Gücü Friedberg, zuletzt FV Bad Vilbel) wurde kurz vor Rundenstart „über Vitamin B“ ein ehemaliger Hessenliga-Spieler verpflichtet. Ilias Naouassi (SVG Steinheim) und Dennis Protzel (kehrte von der SSG Langen zurück) lassen ebenfalls ein gewisses Maß an Erfahrung auf diesem Niveau einfließen. Und dann sind da ja auch noch die aufgerückten Eigengewächse Niklas Kaufmann (darf sogar noch A-Jugend spielen), Luis Brodbeck und Noel Bauer. „Sie haben alle bewiesen, dass sie Leistung bringen, wenn sie reingeschmissen werden“, lobt Walter: „Wichtig ist für mich, dass es in der Breite gut funktioniert.“ Das tut es. Und wie.

„Uns als Vorstand freut diese Entwicklung“, sagt Walter. „Die Spieler sind auch happy. Sie hatten ja schon ein bisschen selbst an sich gezweifelt.“ Bei der Germania bleibt man dennoch auf dem Boden: „Ich will nicht tiefstapeln, aber unser Ziel ist weiterhin der Klassenerhalt. Alles andere wäre derzeit vermessen. Wenn wir bis Jahresende immer noch so gut dastehen, können wir uns eventuell anders orientieren. Die Runde ist ja noch lang. Aber ich sehe uns gut aufgestellt.“

Das alles habe man auch Mustafa Fil zu verdanken, betont Walter: „Der Trainer ist sehr ehrgeizig. Er puscht die Mannschaft und hat großen Anteil an dieser Entwicklung. Er hatte vorher bei uns das Pech, dass er nie eine ganze Saison lang mit dem Team arbeiten konnte.“ 2019/20 war Fil in der Winterpause gekommen, 2020/21 wurde die Runde nach zehn Spielen abgebrochen. Seine Arbeit lässt sich daher schwer beurteilen. Der Vorstand ist dennoch voll des Lobes: „Er macht viel, ist auch im Umfeld sehr rührig, zum Beispiel in Bezug auf die Spieler, die er geholt hat.“

Am Sonntag (15.30 Uhr) ist Fil mit seiner Elf beim Tabellen-15. FSV Bad Orb zu Gast, der aus neun Spielen elf Zähler holte mit nur 10:13 Toren. Walter ist optimistisch: „Bad Orb liegt uns ein bisschen. Wir rechnen uns durchaus etwas aus und sollten dort auch etwas holen. Ich möchte nicht in ein Fahrwasser kommen, das uns wieder in die untere Tabellenhälfte bringt.“ Davon ist die Germania derzeit allerdings weit entfernt.

Am Samstag, 16 Uhr, spielen:

SG Bruchköbel - K. Obertshausen

SF Oberau - Viktoria Nidda

SVG Steinheim - SF Seligenstadt

Am Sonntag, 15.30 Uhr, spielen:

VfB Oberndorf - SG Nieder-Roden

SG Marköbel - FC 03 Gelnhausen

FCA Gedern - 1. FC Langen

SG Rosenhöhe - B. Alzenau II

G. Dörnigheim - VfB Offenbach

FSV Bad Orb - G. Klein-Krotzenburg

Von Christian Düncher

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