Paukenschlag beim Verbandsligisten

Freiwilliger Abstieg: Viktoria Urberach spielt in der kommenden Saison in der Kreisoberliga

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Dieses Derby wird es vorerst nicht mehr geben. Viktoria Urberach mit Mehmet Yildirim (links) und Sinisa Alempic gegen den JSK Rodgau mit Marijo Dejanovic.

Paukenschlag beim Fußball-Verbandsligisten Viktoria Urberach: Die Rödermarker ziehen ihre erste Mannschaft aufgrund von Veränderungen in den finanziellen und infrastrukturellen Rahmenbedingungen aus der Sechsten Liga zurück. 

Rödermark – Der Verein wagt in der Spielzeit 2020/2021 in der Kreisoberliga Dieburg/Odenwald einen sportlichen Neuanfang. „Der Fortbestand des Vereins steht an erster Stelle und mehr als jemals zuvor über dem sportlichen Erfolg“, erklärt Thomas Weiland, Präsidiumsmitglied Marketing & Sponsoring des FC Viktoria.

In welcher Liga der Unterbau als U23 (aktuell A-Liga) antritt, ist noch offen. Ob eine dritte Herrenmannschaft (aktuell D-Liga) zum Spielbetrieb gemeldet werden kann, ist derzeit ebenfalls unklar. Trainer des KOL-Teams und damit Nachfolger von Jens Wöll (wechselt als Co-Trainer zur Bundesliga-U17 des SV Darmstadt 98) wird der bisherige U23-Trainer und B-Lizenz-Inhaber Kayhan Özen. Die U23 übernimmt der seit-herige U21-Trainer und C-Lizenz-Inhaber Maximilian Steiger.

„Da spielt vieles zusammen“, sagt Weiland zur Entscheidung des Viktoria-Präsidiums. Zum einen natürlich die Coronakrise. „Nachdem uns mehrere Sponsoren über die Reduzierung ihres finanziellen Engagements informiert haben, sehen wir aktuell keine Basis für höherklassigen Amateurfußball in Urberach“, erklärt Thomas Neumann, Präsidiumsmitglied Finanzen. Zudem fehlen den Rödermarkern durch den Wegfall einiger Veranstaltungen (Maiforelle, Kerb, voraussichtlich auch das Oktoberfest) wichtige Einnahmen. Weiterhin stehen „in der nächsten Zeit wichtige infrastrukturelle Projekte an, in die wir unsere finanziellen Mittel investieren werden“, sagt Neumann. So müssen im Kabinentrakt unter der Tribüne die Wasserrohre in Wänden und Böden neu verlegt werden. Die im hohen fünfstelligen Bereich liegenden Kosten der Folgeschäden nach einem Wasserschaden werden weitgehend von der Versicherung übernommen, doch die Erneuerung der Rohre – rund 30 000 Euro – muss der Verein selbst tragen. Auch an der Flutlichtanlage stehen Reparaturen an.

Sportlich kämpfte der FC Viktoria in der Saison 2019/2020 23 Spieltage lang gegen den Abstieg. Die Urberacher beendeten die Saison als 15. auf einem Abstiegsplatz, da aber die Saison wohl abgebrochen wird und keine Mannschaften absteigen, dürfte der FCV auch in der Spielzeit 2020/2021 in der Verbandsliga antreten. „Wir mussten die Empfehlung des HFV abwarten. Sie war das beste, was uns passieren konnte“, so Weiland. Denn wäre die Viktoria sportlich abgestiegen, hätte sie in der kommenden Runde in der Gruppenliga gespielt - oder hätte bis in die A-Liga absteigen müssen. „Die Kreisoberliga ist uns deutlich lieber als die Gruppenliga“, sagt Weiland.

Denn der FC Viktoria will zukünftig verstärkt auf Spieler aus den eigenen Reihen setzen. „Ein zentraler Punkt wird die zukünftige Konzentration auf den Jugendfußball sein. Von diesem Konzept aus soll dann auch der Seniorenbereich profitieren. Die aktuelle Situation sehen wir als große Chance, den Spielern, die beim FC Viktoria ausgebildet wurden, die Perspektive zu bieten, in der ersten Seniorenmannschaft zu spielen“, erklärt Michael Krause, Präsidiumsmitglied Sport/Sportliche Leitung. Thomas Weiland ergänzt: „90 Prozent der Spieler, die aktuell in unserer zweiten und dritten Mannschaft spielen, wurden beim FC Viktoria ausgebildet oder wohnen in Urberach.“ Denn dass viele Spieler aus dem Verbandsliga-Kader in Urberach bleiben – mit ihnen wird in den kommenden Tagen und Wochen gesprochen –, ist eher unwahrscheinlich. So hatten bereits 2013 nach dem Abstieg aus der Hessenliga bis auf Nils Wolf und Sinan Özgün alle Spieler aus dem Kader der ersten Mannschaft den Verein verlassen. Dennoch verhinderte die Viktoria in der Folgesaison den Abstieg aus der Verbandsliga und stieg zwei Jahre später sogar wieder in die Hessenliga auf – allerdings nur für ein Jahr.

Nun backen die Urberacher erst mal deutlich kleinere Brötchen. „Vielleicht sind wir so etwas wie ein Vorreiter und machen anderen Vereinen Mut, die diesen Weg vielleicht auch gehen wollen oder müssen“, sagt Thomas Weiland mit Blick auf die Coronakrise.

VON PATRICK LEONHARDT

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