Trainer rettet Spieler das Leben

Max Martin wird instinktiv zum Held

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Talmiz Butt in Aktion: Der für Viktoria Urberach spielende Eppertshausener fährt Kristijan Bejic von der TS Ober-Roden in die Parade. Nils Wolf (rechts) schaut zu. Am Samstag im Spiel gegen den FV Bad Vilbel fiel Butt nach einem Schlag gegen den Kopf bewusstlos zu Boden, seine Zunge fiel in den Rachen. Mit geistesgegenwärtiger Reaktion rettete Trainer Max Martin seinem Spieler das Leben.

Urberach - Schlimme Momente erlebten Zuschauer, Spieler und Trainer am Samstag beim Verbandsliga-Fußballspiel in Urberach: Viktoria-Spieler Talmiz Butt fiel nach einem Zusammenstoß bewusstlos zu Boden und verschluckte seine Zunge. Sein Leben war in Gefahr, Trainer Max Martin wurde zum Retter.

Die gute Nachricht vorweg: Talmiz Butt, Mittelfeldspieler von Viktoria Urberach, geht es besser. Der 22-Jährige ist mit einem blauen Auge davongekommen.

Das war passiert: Am Samstag im Heimspiel der Viktoria gegen den FV Bad Vilbel bekam Butt in der zweiten Hälfte einen Schlag gegen den Kopf und fiel scheinbar leblos zu Boden. Seine Zunge war nach hinten in den Rachen gerutscht, er bekam keine Luft mehr. Trainer Max Martin eilte sofort zur Hilfe und versuchte, den verkrampften, starren Mund zu öffnen. Ein erster Versuch misslang, der bewusstlose Butt biss Martin in die Hand. Instinktiv schnappte sich der Trainer eine Schiedsrichter-Fahne, steckte den Griff zwischen die Zähne und holte die Zunge zurück – es waren schlimme Minuten für alle Zuschauer, Spieler und Trainer.

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„Ich kann mich nicht mehr daran erinnern“, sagt Butt, „aber mittlerweile haben mir viele Leute von der Situation erzählt.“ Auch davon, dass er nach dem beherzten Eingreifen seines Trainers wieder wach geworden sei und völlig neben sich gestanden habe. „Ich wusste nicht mehr, wo ich war“, sagt Butt, „und habe auf Nachfrage wohl Eppertshausen geantwortet. Dort wohne ich“, erzählt Butt und fügt an: „Ich habe sogar angefangen, laut zu lachen“. Lustig war die Situation freilich nicht. Ähnlich wie Mönchengladbachs Bundesligaprofi Christoph Kramer im WM-Finale gegen Argentinien drängte Butt trotz des heftigen Zusammenstoßes darauf, auf dem Feld zu bleiben. „Ich wollte halt gewinnen, war aber wohl nicht ganz klar im Kopf“, sagt Butt. Seine Teamkollegen und Trainer Martin hielten ihn glücklicherweise von seinem Vorhaben ab, Butt wurde vom Krankenwagen abgeholt.

Vergleichsweise harmlose Diagnose

Erst nach zwei Nächten in der Offenbacher Klinik und einer genauen Untersuchung bei einer Computertomografie wurde der 22-Jährige am Montag mit einer verhältnismäßig harmlosen Diagnose entlassen: Er trug eine Gehirnerschütterung davon und darf in den nächsten zwei bis drei Wochen keinen Sport treiben. Dennoch stand er gestern schon wieder auf dem Urberacher Trainingsgelände. Zwar nur als Zuschauer neben dem Platz, aber immerhin. „Die Jungs haben sich sehr gefreut, dass es mir wieder besser geht. Es haben mich viele umarmt“, erzählt Butt, der sich während der Mannschaftssitzung bei seinem Trainer für die Erste Hilfe und bei den Mitspielern für das große Mitgefühl bedankt hat. „Ich habe schon am Samstag im Krankenhaus viele Nachrichten bekommen, das hat mir sehr geholfen“, sagt Butt.

Max Martin

Lebensretter Martin ist die Anspannung auch Tage danach noch anzumerken. „Das hat mich schon mitgenommen, es war alles ein bisschen viel“, sagt der 32-Jährige, der von vielen Seiten Anerkennung für seine Erste-Hilfe-Maßnahme erhielt: Unzählige Anrufe und Nachrichten habe er bekommen. Auch auf op-online.de und dem Facebook-Auftritt unserer Zeitung wurde Martins Einsatz mit entsprechend lobenden Worten von Lesern gewürdigt. Und selbst bundesweit berichtete das Internetportal „fussball.de“ über den Urberacher Lebensretter. „Es ist natürlich schön, wenn mein Eingreifen Anerkennung findet. In dieser Situation habe ich aber einfach instinktiv gehandelt und das zum Glück richtig“, meint Martin.

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Dass der Trainer überhaupt zum Lebensretter wurde, hat einen Hintergrund. Zwar arbeitet die Viktoria mit zwei Physiotherapeutinnen zusammen, diese sind aber nur unter der Woche im Einsatz. Bei den Spielen betreut in der Regel Mannschaftsarzt und Trikotsponsor Dr. Ulrich Krämer das Team – so auch vor zwei Wochen, als Dennis Weiland spektakulär der Oberschenkel mit einem Stollen aufgeschlitzt wurde. Krämer legte sofort einen Druckverband an. Am Samstag aber war Krämer ausnahmsweise verhindert und Martin der Schnellste beim Sprint auf den Platz. Er habe sich in dieser Extremsituation an einen Erste-Hilfe-Kurs erinnert, den er für seine Trainer-C-Lizenz im Kindergarten seines Sohnes absolviert hatte, erzählt der Coach.

Martin ist es zu verdanken, dass Butt noch lebt oder zumindest keine bleibenden Schäden davontragen wird: Einzig ein blaues Auge vom Schlag erinnert Talmiz Butt noch an die schlimmen Minuten auf dem Urberacher Platz. „Damit kann ich leben“, sagt er.

dani

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