Amaterufußball

„Zur Not ziehe ich das taktische Foul“

„Gelb-Rote Karten fallen künftig deutlich mehr ins Gewicht“: Seligenstadts Außenverteidiger Tim Schüssler (links) ist kein Freund der Regeländerung.
+
„Gelb-Rote Karten fallen künftig deutlich mehr ins Gewicht“: Seligenstadts Außenverteidiger Tim Schüssler (links) ist kein Freund der Regeländerung.

In der Fußball-Gruppenliga zieht eine Gelb-Rote Karte künftig eine Sperre nach sich. Tim Schüssler von den Sportfreunden Seligenstadt findet es „blöd“.

Offenbach – Für Lars Schmidt, Trainer der Sportfreunde Seligenstadt, ist es eine lange gelebte Erfahrung in höheren Spielklassen. Für viele seiner Spieler aber bedeutet eine Regeländerung in der Fußball-Gruppenliga Frankfurt Ost doch eine Umstellung. Ab der kommenden Saison ziehen Gelb-Rote Karten eine Sperre von einem Spiel nach sich. Gerade die „emotionalen Leader“, aber auch die traditionell in jeder Mannschaft vorkommenden Hitzköpfe müssen nun mit einer Zwangspause rechnen. Bislang hatten die „Ampelkarten“, anders als in den Spielklassen ab Verbandsliga aufwärts, keine Konsequenzen.

Schmidt, früher selbst Profi und auch als Trainer in höheren Ligen mit der Thematik lange vertraut, wird seine Spieler auf die Regeländerung vorbereiten. Zumal er mit einem quantitativ überschaubarem Personal in die Mammutsaison in der Gruppenliga Frankfurt Ost gehen wird. „Für Klubs mit kleinem Kader ist die Sperre natürlich blöd“, sagt der frühere Offenbacher Profi und Trainer. Verständnis hat er dennoch. Für Hitzköpfe habe das eben die Konsequenz, dass sie ein Spiel lang über ihr Verhalten nachdenken können. Vorbeugen ist für ihn zwar erste Trainerpflicht: „Ganz in den Griff bekommst du das aber nie.“

Einer jener Kandidaten, die auf dem Platz immer mal wieder auf schmalem Grat wandeln, ist Seligenstadts Außenverteidiger Tim Schüssler. „Für mich ist diese Regeländerung blöd. Meine Stärken sind nicht das Technische, sondern die Ausdauer und die Zweikampfführung“, sagt er: „Ich lebe eben von einer gewissen gesunden Härte.“ War es in der Vergangenheit so, dass er gerade gegen Ende, wenn es Spitz auf Knopf steht, mal gelbvorbelastet das taktische Foul für den Erfolg der Mannschaft zog, müsse er nun die Konsequenzen verinnerlichen. „Die Gelb-Roten Karten fallen künftig deutlich mehr ins Gewicht“, weiß der 30-jährige Stockstädter, der seit 2013 für die „Roten“ spielt und damit dienstältester Akteur ist.

Wird diese Regeländerung aber nun zu einer Verhaltensänderung oder sogar einem Umdenke führen? „Eher nicht“, glaubt Schüssler: „Es geht um das Spiel, um das Gewinnen. Wenn das taktische Foul nötig ist, würde ich es trotzdem ziehen.“ Eines hat Schüssler allerdings verinnerlicht. Verwarnungen wegen Meckerns sind tabu. „Ich bringe meine Emotionalität ein, aber gegenüber Schiedsrichtern bleibe ich sachlich. Es bringt ja ohnehin nichts“, betont er. (Von Jörg Moll)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare