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Zwei gute Fußball-Adressen

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Von: Christian Düncher

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Tor für die Kickers in der Fußball-Hessenliga. Stürmer Alexis Vassiliou aus der B-Jugend des OFC freut sich, die Abwehrspieler der SG Rosenhöhe hadern.
Tor für die Kickers in der Fußball-Hessenliga. Stürmer Alexis Vassiliou aus der B-Jugend des OFC freut sich, die Abwehrspieler der SG Rosenhöhe hadern. © scheiber

Offenbach – Die Offenbacher Kickers und die SG Rosenhöhe, die nach dem Zusammenschluss mit dem BSC Offenbach unter dem Namen OSC Rosenhöhe firmiert, haben zahlreiche Talente hervorgebracht, die den Sprung in den Profibereich schafften. Künftig werden beide Klubs im Jugendbereich kooperieren.

Im Interview sprechen Alfred Kaminski, Leiter des OFC-Leistungszentrums, und Patrick Ihlefeld, Abteilungsleiter des OSC Rosenhöhe, über die Gründe und erklären, warum das eine gute Sache für den Fußball in Stadt und Kreis ist.

Kickers Offenbach und der OSC Rosenhöhe arbeiten im Jugendbereich beide leistungsorientiert und sind im Fußballkreis Offenbach die Klubs, die die meisten Top-Talente hervorbringen. Das klingt nach Konkurrenz. Warum nun die Kooperation?

Ihlefeld: Es soll auch so bleiben, dass wir beide die beste Jugendarbeit in Offenbach machen. Vor ein paar Jahren waren wir noch auf Augenhöhe und von der C- bis zur A-Jugend in der gleichen Liga. Das ist aktuell nicht der Fall. Aber wir reden schon mindestens seit einem Jahr miteinander. Aus verschiedenen Gründen hat es etwas gedauert, bis wir die Kooperation publik machen konnten.

Was genau hat Sie zu der Kooperation bewogen?

Kaminski: Wir wollen den Fußballstandort Offenbach stärken und dafür sorgen, dass die Jugendlichen möglichst hier in der Region bleiben, in welchen Ligen auch immer.

Ihlefeld: Ich glaube, dass wir uns gegenseitig unterstützen können. Auch wir haben ein Interesse daran, dass die Kickers schnellstmöglich aufsteigen, am besten mit möglichst vielen Offenbacher Jungs. Bevor Talente zu anderen Leistungszentren gehen, sollen sie lieber zum OFC.

Und wie kann der OSC Rosenhöhe von den Kickers profitieren?

Ihlefeld: Das ist natürlich keine Einbahnstraße. Wir werden unseren Talenten, die höher spielen wollen und wechselwillig sind, ans Herz legen, es beim OFC zu versuchen. Der OFC wird die Chance haben, sich Spieler früher anzusehen. Es wird vielleicht auch welche geben, die es dort schwer haben und dann nach einem Jahr zu uns zurückkommen. Wer vom OFC nicht übernommen wird, ist für uns immer interessant. Und der Weg zurück zu uns ist immer offen. Ein Talent, das es andernorts nicht schafft, ist für uns eher verloren. Daher denke ich, dass alle profitieren werden.

Kaminski: Ich sehe den OSC Rosenhöhe als gleichwertigen Partner. Wir haben allerdings andere Ansätze, bei uns beginnt es zum Beispiel erst ab der U11. Durch die Kooperation bieten wir Kindern die Möglichkeit, bei einem dieser zwei Klubs zu spielen, ohne weite Fahrten auf sich nehmen zu müssen. Wir wollen auch Dinge optimieren - wie unsere Zusammenarbeit mit der Hermann-Hesse-Schule in Obertshausen, die zu den Eliteschulen des Fußballs gehört und für alle offen ist, also also auch für Spieler der Rosenhöhe. So stärken wir die Region. Wir sind seit zweieinhalb Jahren in Gesprächen und leben das ja gefühlt über ein Jahr. Wir sind Partner, aber auf dem Spielfeld Konkurrenten.

Wie muss man sich das in der Praxis vorstellen?

Ihlefeld: Wir werden uns auf dem Spielfeld nicht anblaffen, aber um unsere Jungs kämpfen. Der OFC hat in den letzten Jahren keine Spieler von uns geholt und uns sogar welche angeboten, die ambitioniert waren, aber nicht für den OFC in Frage kamen. Wir sind zwei gute Adressen.

Müssen andere Offenbacher Klubs, die im großen Umfang Nachwuchsarbeit betreiben, wie SG Wiking oder SKG Rumpenheim, nun befürchten, es noch schwerer zu haben?

Kaminski: Nein. Bei der SG Wiking hatten wir zum Beispiel auch angefragt, aber da war kein Interesse vorhanden.

Ihlefeld: Ich sehe es genauso, das ist alles andere als eine Kriegserklärung an die anderen Offenbacher Vereine.

Wird sich an der Anzahl der Teams etwas ändern?

Kaminski: Nein.

Ihlefeld: Bei uns ist die Sache etwas spezieller. Wir nutzen durch den Zusammenschluss mit dem BSC Offenbach nun auch den Sportplatz am Eichwaldweg mit. Wir starten den Versuch mit einer A2, die nicht zusammen trainieren, sondern samstags als Spielmannschaft geformt wird. Allerdings gibt es um den Eichwaldweg ja einige Gerüchte. Es heißt, dort sollen Häuser entstehen oder andere Vereine eine Heimat finden. Wir lassen es auf uns zukommen.

Ist die Kooperation auch eine Reaktion aufs Comeback der Reserve von Eintracht Frankfurt, die eventuell für Talente aus der Region interessant wird?

Kaminski: Aus unserer Sicht ist das nicht der Fall. Die Kooperation ist die nächste Stufe eines Prozesses. Vor allem im vergangenen halben Jahr haben wir die Zusammenarbeit ja schon intensiv gelebt. Und mit doppelter Kraft können wir Ziele besser verfolgen.

Ihlefeld: Wir haben schon das Gefühl, dass wir von der Eintracht, die im Jugendbereich mit der Spvgg. Oberrad und dem FC Erlensee kooperiert, etwas eingekesselt sind. Einige Talente gehen nach Oberrad und spielen dort tiefer als bei uns, weil sie denken, dass die Eintracht sie holt.

Das „Projekt Zukunft“ des DFB sieht unter anderem vor, die Leistungszentren in den Ligen unter sich spielen zu lassen. Wie wäre das mit der Kooperation vereinbar?

Kaminski: In diesem Fall wäre die Kooperation überragend, da wir dann alles abdecken würden. Wir haben kein Problem damit, Spielern, die bei uns rausfallen, dem OSC Rosenhöhe zu empfehlen.

Ihlefeld: Ich finde nicht alles richtig, was in den Leistungszentren gemacht wird. Je älter die Kinder werden, desto mehr geht es nur darum, wer den Sprung in den Profifußball schafft. Aber das ist nur ein minimaler Teil. Die Zahlen sind erschreckend. Und bei denen, die es nicht schaffen, ist der Frust groß. Wir müssen auch schauen, dass dieser Sport weiter für Kinder von Interesse bleibt. In Offenbach können wir das besser zu zweit schaffen.

Gibt es konkrete Anzeichen dafür, dass Kinder das Interesse am Fußballspielen verlieren?

Ihlefeld: Überhaupt nicht. Wir haben unzählige Anfragen. Aber man soll ja die Weichen stellen, so lange es einem noch gut geht. Unser Problem ist eher, dass wir keine Trainer finden. Da fehlt es an Bereitschaft und Qualität. Wir versprechen uns einiges von der gemeinsamen Trainerfortbildung mit dem OFC.

Kaminski: Auch bei uns ist die Größe der Kader begrenzt. Das macht auch Sinn. Wichtig ist, dass die Jungs spielen.

Das Gespräch führte

Christian Düncher

Alfred Kaminski
Alfred Kaminski © -
leitet das OFC-Leistungszentrum
leitet das OFC-Leistungszentrum © -

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