Teil II der Saisonbilanz: Ausgaben durch Abstieg in Grenzen

Darmstädter „Lilien“ so reich wie nie zuvor

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Durch einen stark leistungsbezogenen Vertrag fiel die Nachverpflichtung von Hamit Altintop (links, hier im Duell mit Mahmoud Dahoud von Borussia Mönchengladbach) nicht sonderlich ins Gewicht für den SV Darmstadt 98.

Darmstadt - Nach zwei Jahren in der Fußball-Bundesliga kehrt der SV Darmstadt 98 in die 2. Liga zurück. In Teil zwei der dreiteiligen Saisonückblick-Serie geht es nach der sportlichen Entwicklung nun um die finanzielle und infrastrukturelle Situation. Von Jens Dörr 

„Kleinster Fisch im Teich“, aber auch „reicher als je zuvor“: Beides traf zu auf den SV Darmstadt 98 in den beiden Erstliga-Jahren. Während nach drei Super-Jahren die abgelaufene Saison sportlich etwas ernüchterte, gelang den „Lilien“ in wirtschaftlicher Sicht die Fortsetzung des großen Sprungs, den insbesondere der Aufstieg von der 2. in die 1. Liga mit sich gebracht hatte.

Die offiziellen Zahlen zur Saison 2016/17 liegen noch nicht vor. Es wird aber erwartet, dass sich die Vermögensverhältnisse der Darmstädter trotz des Abstiegs ein weiteres Mal verbessert haben. Oder, kurzfristig gesehen, auch gerade wegen des Abstiegs: Im Gegensatz zur vorangegangenen Saison muss der SV 98 in diesem Frühjahr etwa keine Prämie für den Klassenerhalt auszahlen. Auch an Punktprämien musste deutlich weniger ausgeschüttet werden. Da die „Lilien“-Spieler insgesamt sehr leistungsbezogen bezahlt werden und gerade die Winterzugänge wie Sidney Sam und Hamit Altintop bei der Vergütung besonders von Einsätzen und Erfolgen abhingen (die Erfolge blieben weitgehend aus, bei Sam gegen Ende auch die Einsätze), halten sich die Ausgaben hierbei in Grenzen.

Unter dem Strich werden sich die Ausgaben für Personalaufwand in Spielbetrieb und Verwaltung in dieser Saison dennoch auf voraussichtlich etwa 25 Millionen Euro erhöhen (nach 19,2 Millionen 2015/16), was aber nicht nur mit dem spielenden Personal zusammenhängt. Auch auf der Geschäftsstelle, im Scouting und im Nachwuchs-Leistungszentrum (NLZ) begaben sich die Südhessen in den vergangenen Monaten weiter auf Wachstumskurs. Chef-Scout Alexander Klitzpera oder die optimierten Trainings- und Betreuungsbedingungen im NLZ sind zwei Zeugnisse dessen. Etwas mehr kalkulieren muss der Verein mittlerweile auch für die Entlohnung seines Präsidiums, dessen geschäftsführende Mitglieder nach einer Satzungsänderung monatlich zumindest wenige tausend Euro pro Person erhalten dürfen.

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Dennoch dürfte es den „Lilien“ nicht nur gelingen, ihr seit Jahren erstmals positives Eigenkapital (nach der Vorsaison 6,75 Millionen Euro) weiter zu erhöhen. Auch bei Umsatz (Vorsaison: 41,5 Millionen Euro) und Nachsteuer-Gewinn (Vorsaison: 6,9 Millionen Euro) sind Steigerungen zu erwarten. Offen ist noch, mit wie viel Geld etwa der jüngste Verkauf von Torwart Michael Esser zu Hannover 96 und weitere Verkäufe, die noch in diesem Geschäftsjahr zu Buche schlagen würden, in die Bilanz einfließen. Bei den leichter plan- und beeinflussbaren Einnahmequellen hat der SV 98 seine Hausaufgaben indes gemacht: Die Zahl der Sponsoren ist inzwischen auf 480 gestiegen, die Marke von 500 wird als Ziel ausgegeben. Der Sponsoring-Erlös strebt in dieser Saison den zehn Millionen Euro entgegen. Auch vom Fernsehen gab es etwas mehr Geld als in der vorigen Saison.

All das führt nicht nur dazu, dass es den „Lilien“ finanziell so gut wie noch nie in ihrer Vereinsgeschichte geht. 100 Menschen, das Profiteam inklusive, stehen aktuell auf der Gehaltsliste des Vereins; Präsident Rüdiger Fritsch rechnete kürzlich vor, dass man inzwischen binnen einer Saison 15 Millionen Euro an Steuern zahle. Dies erhöht den Druck auf die Öffentliche Hand. Vor allem die Stadt, gegenüber der der SV 98 jahrelang eher als Bittsteller auftrat, muss den nun auf Augenhöhe verhandelnden „Lilien“ in der Stadionfrage entgegenzukommen.

Was konkret heißt: (Mit-)Finanzierung eines Neubaus an anderer Stelle oder Umbau des jetzigen Stadions am Böllenfalltor. Aktuell kristallisiert sich kein echter Favorit für einen Neubau-Standort heraus, so dass ein Umbau am jetzigen Standort - etwa mit einer teuren Dachkonstruktion über der alten Gegengerade oder deren Abriss und Neubau - noch als am wahrscheinlichsten gilt.

Mehr Klarheit wird hier aber erst eine Präsentation des Planungsstands durch die Stadt Mitte Juni bringen. (jd)

Quelle: DA-imNetz.de

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