Ein Jahr nach Auftritt als Trainer von Darmstadt 98

Ramon Berndroth: Erfülltes Leben auch ohne Glitzerwelt

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Ein Moment, den Ramon Berndroth (rechts) nie vergessen wird: im Alter von 64 Jahren absolvierte er mit dem SV Darmstadt 98 sein erstes und einziges Bundesliga-Heimspiel als Trainer gegen den FC Bayern München um deren damaligen Coach Carlo Ancelotti.

Darmstadt - Am 6. Dezember 2016 wird Ramon Berndroth für drei Spiele zum Bundesliga-Trainer des SV Darmstadt 98 befördert. Er verliert sie alle und ist dennoch ein Gewinner. Ein knappes Jahr später sind die Aufgaben des 65-Jährigen bei den „Lilien“ weitaus weniger spektakulär, bereiten Berndroth aber umso mehr Freude. Von Daniel Schmitt

Eine unglückliche 0:1-Niederlage beim SC Freiburg, ein 0:1 gegen den großen FC Bayern München und eine 0:2-Pleite bei Hertha BSC: Die reinen Ergebnisse des Kurz-Auftritts von Ramon Berndroth als Trainer des damaligen Erstligisten SV Darmstadt 98 stellten wohl niemanden zufrieden. „Sportlich ein echter Misserfolg“, wie es Berndroth ein knappes Jahr später selbst freimütig formuliert, „zu meinem Glück wurde es in der breiten Öffentlichkeit deutlich anders wahrgenommen.“ Was der 65-Jährige meint, ist schnell erklärt: Nachdem die „Lilien“ Anfang Dezember den bei den Fans äußerst unbeliebten, weil meist ziemlich verschlossenen Trainer Norbert Meier gefeuert hatten, sammelte Berndroth mit seinem authentischen Auftreten viele Sympathien. Nach dem Heimspiel gegen den FC Bayern, das die Darmstädter gerade nach großem Kampf mit 0:1 verloren hatten, drehte er sogar eine Ehrenrunde im Stadion. „Ich hatte Riesenglück, dass ich trotz drei Niederlagen gefeiert wurde“, sagt er, „daran sieht man, dass nicht immer der Erfolg entscheidend ist.“

Berndroth hatte es in gerade einmal drei Wochen geschafft, trotz der Niederlagen eine positive Stimmung, ein Wir-Gefühl innerhalb der Mannschaft und im Umfeld der Darmstädter zu erzeugen. Sein Nachfolger Torsten Frings, noch heute Trainer des Zweitligisten, baute darauf auf, holte überraschende Siege, konnte den Abstieg der 98er aber nicht mehr verhindern. „Die reine Trainertätigkeit war Alltag“, erzählt Berndroth, der vorher bei Klubs wie den Offenbacher Kickers, dem FSV Frankfurt, Eschborn oder Lübeck auf rund 30 Jahre Erfahrung an der Seitenlinie zurückblicken konnte. „In der täglichen Arbeit mit der Mannschaft gibt es zwischen der Bundesliga und niedrigeren Klassen kaum Unterschiede“, so Berndroth. Einzig der Umgang mit den Medien sei „neu und interessant“ gewesen. Ein Beispiel: Nach Berndroths letztem Auftritt in Berlin absolvierte er den üblichen Interview-Marathon nach dem Abpfiff.

Fünf Minuten vor den TV-Kameras, fünf Minuten bei den Radioanstalten, danach die Pressekonferenz für die schreibenden Journalisten. Doch damit nicht genug. „Ganz am Ende stand noch ein internationaler TV-Sender auf der Liste“, erzählt Berndroth, „ich dachte erst: Was soll das denn jetzt?“ Dann habe ihn sein Pressesprecher aufgeklärt, dass diese Aussagen Millionen Menschen weltweit zu sehen bekämen. „Da habe ich schon verdutzt geschaut“, meint der 65-Jährige. Spätestens dann, als Berndroths Sohn Nino, der als Teammanager bei den Offenbacher Kickers arbeitet, aus seinem Bali-Urlaub davon berichtete, jedes Wort seines Vater im Fernsehen gehört zu haben. „Das waren Welten, in denen ich mich vorher einfach nicht bewegt habe“, meint Berndroth, der in Mainz geboren wurde und schon seit knapp 40 Jahren in Neu-Isenburg wohnt.

Doch was macht der 65-Jährige ein Jahr nach seinem Auftritt in der Glitzerwelt Bundesliga? Er geht weiter seiner Arbeit bei den 98ern nach. Die ist weitaus weniger spektakulär, bereitet ihm aber umso mehr Freude: Zum einen ist Berndroth seit vier Jahren Leiter des Darmstädter Nachwuchsleistungszentrums. Gemeinsam mit etwa 25 Mitarbeitern („Das ist wie meine eigene Mannschaft“) kümmert er sich um die Talente von morgen. Zum anderen ist Berndroth viel unterwegs. Anfang Oktober etwa fuhr er als Scout bis nach Dänemark, um sich die gastgebende U17 gegen die deutsche Auswahl anzusehen und einen Tag darauf auch noch das U21-Länderspiel zwischen Dänemark und Georgien zu beobachten.

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Mitte November scoutete Berndroth dann in Frankreich. Freitagabend die Zweitligapartie zwischen Stade Reims und Paris FC, Samstag das Erstligaspiel zwischen Racing Straßburg und Stade Rennes. „Mir macht das großen Spaß“, sagt Berndroth trotz der Tausenden von Kilometern, die er bereits auf dem Tacho haben dürfte, „so lerne ich immer wieder neue Orte kennen.“ Selbst auf den Sportplätzen der Region, ob nun in Neu-Isenburg, Offenbach oder Frankfurt, ist der 65-Jährige immer wieder als Zuschauer zu sehen.

„Ich habe mir als Motto gesetzt, junge Menschen voranzubringen. Und im Fußball hat man immer mit Menschen zu tun, mit deren Geschichten und den vielen verschiedenen Charakteren. Ich habe erfüllende Aufgaben“, sagt Berndroth. So erfüllend, dass der 65-Jährige, der sich selbst als „aktiver Rentner“ bezeichnet, noch nicht ans Aufhören denkt. Gerade erst verlängerte er den Vertrag in Darmstadt um weitere zwei Jahre.

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Quelle: DA-imNetz.de

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