Teil I der Saisonbilanz vom SV Darmstadt 98: Zu viele Mängel in der Defensive und Offensive

Schuster-Abgang der Anfang vom Ende

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Einer der wenigen überzeugenden Neuzugänge: Michael Esser. Der Torwart wechselt zu Hannover 96. 

Darmstadt - Nach zwei Jahren in der 1. Fußball-Bundesliga kehrt der SV Darmstadt 98 wieder ins Unterhaus zurück – was gegenüber einer 21-jährigen Durststrecke in Liga drei und vier zwischen 1993 und 2014 freilich immer noch eine klare Verbesserung darstellt. Von Jens Dörr

In einer dreiteiligen Saisonbilanz beleuchtet unsere Zeitung verschiedene Aspekte rund um die „Lilien“. Teil eins befasst sich mit dem sportlichen Abschneiden. Die Chancenlosigkeit des SV 98 in der Spielzeit 2016/17 (zwölf Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz) lässt sich wie folgt zusammenfassen: Unter dem Strich war es einfach zu wenig, um sich nach dem sensationellen Klassenerhalt in der Saison zuvor ein weiteres Mal den Verbleib im Oberhaus zu sichern. Spielerisch präsentierten sich die Darmstädter wie in der Vorsaison zu schwach, diesmal aber auch kämpferisch. Und der Zusammenhalt zwischen Trainer und Mannschaft war teils brüchig. Was seinen Anfang schon vor der Verpflichtung des unbeliebten und erfolglosen Trainers Norbert Meier im Juni nahm.

Erfolgscoach Dirk Schuster hatte mit den „Lilien“ den Klassenerhalt perfekt gemacht, da begann der FC Augsburg, Schuster und seinen Co-Trainer Sascha Franz heftig zu umwerben. Die „Lilien“ ließen ihn wie Torwart Christian Mathenia, Luca Caldirola, Slobodan Rajkovic, Tobias Kempe und Konstantin Rausch sowie vor allem Stürmer Sandro Wagner ziehen.

Zusammen mit dem als Scout verpflichteten und dann zum Sportdirektor ernannten Holger Fach schaffte es Meier nicht, trotz der üppigsten finanziellen Mittel in der Vereinsgeschichte personell für adäquaten Ersatz zu sorgen. Einzig die Torhüter Michael Esser und Daniel Heuer Fernandes schlugen ein. Ansonsten gelang es keinem einzigen der neu geholten Feldspieler, die „Lilien“ zu verstärken. Bei Stürmer Roman Bezjak versenkte man zwei Millionen in den teuersten Einkauf der „Lilien“-Historie – nicht mit einem einzigen Treffer zahlte der derzeit ausgeliehene Slowene das zurück. Hinzu kamen unsägliche Geschichten wie jene von Änis Ben-Hatira, der sich finanziell zwar für eine gute Sache einsetzte, dabei aber wohl an die falschen, als verfassungsfeindlich eingestuften Leute geriet.

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Fußballerisch mündete dies in eine Hinrunde mit nur zwei Siegen und dem peinlichen Pokalaus bei Viertligist Walldorf. Mit Interimscoach Ramon Berndroth kippte die Stimmung trotz dreier Niederlagen wieder ins Positive.

Dies galt erst recht in der Rückserie, als der neue Coach Torsten Frings die für Darmstadt richtige Einstellung und Umgangsart an den Tag legte und insbesondere mit Winterzugang Hamit Altintop für mehr spielerische Linie sorgte. Auch körperlich und konditionell legten die Südhessen sichtbar zu, feierten Prestigesiege gegen Dortmund, Schalke, Mainz, Freiburg und in Hamburg. 17 Punkte aus 18 Spielen (unter Meier waren es acht Punkte in 13 Spielen) brachten zwar keine Wende mehr, ließen die „Lilien“ aber zumindest fröhlich die Abschiedstournee bestreiten. Die echte Bewährungsprobe steht Frings beim Neuaufbau des Kaders und als Zweitligist ohne die Chance auf andauernde Tiefstapelei unterdessen noch bevor.

Quelle: DA-imNetz.de

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