Stadt will 780.000 Euro vom SV Darmstadt 98

Darmstadt - Der Fußball-Drittligist SV Darmstadt 98 steht mit 780.000 Euro bei der Stadt Darmstadt in der Kreide. Benötigt wurde das Geld vor einigen Jahren für den Bau von zwei Kunstrasenplätze für die Jugend sowie nach dem Aufstieg in die 3. Liga für die neue Flutlichtanlage. Von Jens Dörr

Die Stadt hatte den Kredit für die Kunstrasenplätze, den der Klub nicht zahlen konnte, übernommen. Mit großer parlamentarischer Mehrheit wurde vor vier Monaten von der Stadt beschlossen, man werde den Vermögensverlust hinnehmen - denn gezahlt ist das Geld längst.

Doch nun bekommt der SV Darmstadt 98 doch nicht alle Schulden von der Stadt erlassen. „Eine komplette Befreiung von der Rückzahlung wird es nicht geben“, erklärte Kämmerer André Schellenberg (CDU). Hans Kessler, Präsident der „Lilien“, der in Ober-Roden wohnt, meinte: „Wir stehen in Gesprächen mit der Stadt. Ein Ergebnis ist mir aber noch nicht bekannt.“ Mit Kämmerer Schellenberg strebe man nun eine gemeinsame Stellungnahme gegenüber dem Regierungspräsidium (RP) an.

Hoch verschuldete Stadt muss alle finanziellen Vorhaben genehmigen lassen

Das RP Darmstadt kommt ins Spiel, weil die hoch verschuldete Stadt alle finanziellen Vorhaben genehmigen lassen muss. Und während die Fraktionen trotz einiger kritischen Stimmen in Bevölkerung und kleineren Vereinen letztlich dafür votierten, den SV 98 durch den Erlass nachhaltig wirtschaftlich zu stabilisieren, erhob das RP Einwände. Es sieht vor allem eine Förderung des Profi-Fußballs als nicht akzeptabel und angesichts der städtischen Haushaltslage als nicht zustimmungsfähig an.

Schien es zunächst so, als wollten Stadt und Verein weiter zusammen für eine Position gegenüber dem RP streiten, will der Darmstädter Magistrat nun wohl einen Rückzieher machen. „Mit dem laufenden Wirtschaftsgang hat das nichts zu tun“, kann Kessler in dieser Hinsicht Entwarnung geben.

Bleiben die Schulden aber bestehen, würde die Bilanz des SV Darmstadt 98 weiterhin ein negatives Eigenkapital aufweisen. Dies ist beim Gros der Drittligisten der Fall. Kessler betont aber, dass der Verein ein positives Eigenkapital anstrebe. Auch im Hinblick auf das Lizenzierungsverfahren beim DFB.

Bis 2013 noch zins- und tilgungsfrei

Bis Juni 2013 steht das Darlehen noch zins- und tilgungsfrei. Ab dann müssten die „Lilien“ das Darlehen bedienen und die Summe vom Budget abzwacken. Kessler ärgert sich ein wenig darüber, dass eine Förderung des Profi-Fußballs in Darmstadt in die Diskussion geworfen werde, obwohl am stärksten Kinder und Jugendliche von den mit dem Darlehen finanzierten Sportplätzen profitieren. „Man kann zwei Meinungen haben, die ganze Diskussion schadet aber dem Verein“, ist sich Kessler sicher.

Etwas irritiert ist er auch, weil etwa Kickers Offenbach reichlich von öffentlichen Zuschüsse für das neue Stadion profitierte. Die Stadt Offenbach erhielt über zehn Millionen Euro vom Land Hessen für den Stadionneubau. „Es wird bei der öffentlichen Hand schon mit ungleichem Maß gemessen“, moniert Kessler. „Wir fühlen uns benachteiligt, im Vergleich mit dem OFC ist so etwas schon wettbewerbsverzerrend.“

Quelle: DA-imNetz.de

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