Strenge Lizenzauflagen wegen Stadion am Böllenfalltor

Spielen die Lilien bald in Offenbach?

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Spielen die Lilien bald nicht mehr am Böllenfalltor, sondern im Stadion der Kickers?

Darmstadt - Bundesliga-Schlusslicht SV Darmstadt 98 hat die Lizenz für die kommende Saison nur unter strengen Auflagen erhalten: Entweder das alte Stadion wird weiter überdacht - oder der Verein muss in eine andere Arena ausweichen. Von Sebastian Stiekel und Stephan Köhnlein

Nach dem Spiel beim Hamburger SV an diesem Samstag könnte der SV Darmstadt 98 als erster Absteiger der laufenden Bundesliga-Saison feststehen. Jetzt droht den "Lilien" aber noch ein anderes Schreckensszenario: Zweitliga-Heimspiele in den Stadien der Erzrivalen Eintracht Frankfurt oder Kickers Offenbach. Die Darmstädter müssen entweder bis zum 31. Januar 2018 die Gegentribüne des Böllenfalltor-Stadions überdachen oder ihre Heimspiele ab der Rückrunde der nächsten Saison in einer anderen Arena austragen. Diese Auflage hat die Deutsche Fußball Liga dem Verein im Lizenzierungsverfahren für die kommende Spielzeit gemacht.

"Wegen der Stadionsituation droht nun das einzutreten, wovor wir bereits seit Jahren warnen. Heimspiele in Frankfurt oder Offenbach wären eine Katastrophe für den Fußball in Darmstadt und existenzbedrohend für den Verein", sagte Präsident Rüdiger Fritsch. Die Stadt Darmstadt kündigte am Donnerstagnachmittag an, dem Verein "auch in der kommenden Saison das Jonathan-Heimes-Stadion am Böllenfalltor als Spielstätte sichern zu wollen".

Auf die Auflagen der DFL sei man "vorbereitet". "Nach ersten Erkenntnissen kann die Überdachung der Gegentribüne wie gefordert ermöglicht werden, allerdings in einem bautechnisch sehr aufwendigen und teuren Verfahren", heißt es in einer Pressemitteilung. "Dies würde den Abbruch der derzeitigen Gegengeraden und den Neubau dieser Zuschauerplätze erfordern - mit allen Konsequenzen: finanziellen, baurechtlichen sowie strategischen, was die Standortfrage angeht." Das Stadionthema schwelt seit Jahren in Darmstadt. Die DFL hat in dieser Frage nun noch einmal den Druck erhöht. Bereits seit ihrer Zweitliga-Rückkehr im Jahr 2014 spielen die "Lilien" nur dank einer Ausnahmegenehmigung an ihrem alten, teils baufälligen Böllenfalltor. Diese Genehmigung wurde nur deshalb immer wieder verlängert, weil vieles in die Infrastruktur des maroden Stadions investiert wurde und vor allem: Weil eine neue Arena gebaut werden soll.

Dass diese Pläne ins Stocken geraten sind, ist das Hauptproblem des Clubs. Der Grund für die strengen Auflagen sei "der fehlende konkrete Zeitplan für die Errichtung einer den Anforderungen des Profifußballs genügenden neuen Spielstätte", teilte die DFL den Darmstädtern mit. Dem Verein sind Hände gebunden. Er soll nur der Mieter des neuen Stadions sein, Eigentümer wird die Stadt. Und die kommt bei diesem Thema nicht voran. Bereits 2013 stellte sie eine Machbarkeitsstudie vor, wonach ein Umbau des alten "Bölle" für rund 30 Millionen Euro die sinnvollste Variante war. Doch 2016 wurde dieses Vorhaben vor allem wegen Lärmschutz-Auflagen gestoppt.

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Aktuell prüft ein Frankfurter Architektenbüro im Auftrag der Stadt vier mögliche Standorte für einen Neubau. Ergebnisse sollen nach Angaben der Stadt "Ende Mai/Anfang Juni" vorgelegt werden. Für Fritsch ist ein neues Stadion die Grundvoraussetzung dafür, dass Darmstadt 98 überhaupt eine Zukunft im Profifußball hat. Deshalb nutzt der Verein die Auflagen der DFL, um den Druck auf die Stadt zu erhöhen. "Selbstverständlich würden wir da gerne mehr Fortschritt sehen", sagte Fritsch in einem "FAZ"-Interview (Donnerstag). "Wir haben alle gemeinsam die Fußball-Identität nach Darmstadt zurückgebracht. Es wäre bitter, wenn Darmstadt wieder von der Fußball-Landkarte verschwinden würde."

Auch für Trainer Torsten Frings wäre es eine "absolute Katastrophe", wenn sein Verein demnächst den Spielort wechseln müsste. Er sagte aber auch: "Ein Spieler kommt sicher nicht nur hierher, um in diesem Stadion zu spielen, sondern um für diesen Verein zu spielen." (dpa)

Quelle: DA-imNetz.de

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