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Hinteregger geht durch die Hintertür

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Von: Peppi Schmitt

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Das war’s: Nach drei Jahren und 138 Pflichtspielen für die Eintracht hat Martin Hinteregger seine Karriere beendet. F: dpa
Das war’s: Nach drei Jahren und 138 Pflichtspielen für die Eintracht hat Martin Hinteregger seine Karriere beendet. F: dpa © Arne Dedert

Auf dem Rasen wurde Martin Hinteregger für die Eintracht-Fans zum Held und Liebling. Daneben leistete er sich Fehltritte. Nun hat er seinen noch zwei Jahre gültigen Vertrag auflösen lassen und überraschend einen Schlussstrich gezogen.

Frankfurt – Paukenschlag bei der Frankfurter Eintracht: Martin Hinteregger hat in einem Gespräch den Vorstand des Klubs gebeten, ihn „umgehend vorzeitig von den Verpflichtungen seines bis zum 30. Juni 2024 gültigen Arbeitsvertrags zu entbinden“. Der Vorstand hat „nach intensiven Gesprächen mit dem Spieler und Berater Christian Sand sowie nach Rücksprache mit Cheftrainer Oliver Glasner dem Wunsch entsprochen und den Vertrag des Österreichers ausgesetzt.“ Der erst 29 Jahre alte Hinteregger wird damit seine Karriere vorzeitig beenden.

„Diese Entwicklung ist für uns völlig unerwartet gekommen“, so Sportchef Krösche. „Ich hatte im vergangenen Herbst erste Gedanken, nach der Saison aufzuhören, meine Leistungen waren schwankend, Siege haben sich nicht mehr so gut angefühlt, dafür tat jede Niederlage doppelt so weh“, wird Hinteregger zitiert, „zunächst gilt es für mich, etwas Abstand zu gewinnen und mein Leben neu auszurichten. Ich bin dankbar, dass mir die Eintracht die Möglichkeit gibt, diesen Schritt jetzt zu gehen.“

Laut der Pressemitteilung ist der Vertrag nicht aufgelöst, sondern „ausgesetzt“. Heißt: Hinteregger muss nicht mehr arbeiten, die Eintracht nicht mehr bezahlen. Zu einem anderen Klub kann er ohne Einverständnis der Eintracht nicht wechseln. Und will das wohl auch nicht. Somit gibt es im Dauerkrach zwischen der Eintracht und dem einstigen Publikumsliebling nur Verlierer. Die Eintracht muss auf einen wichtigen Spieler verzichten, der in den vergangenen drei Jahren nicht nur 138 Pflichtspiele bestritten hat, sondern auch zu einem Gesicht dieses Klubs geworden war. Beide Seiten verlieren viel Geld, die Eintracht, die eine Millionenablöse hätte erzielen können, Hinteregger, der sicher noch einige Jahre professionell hätte Fußball spielen können.

Schon nach dem Europacupsieg sei ihm klar gewesen, dass er aufhören wolle, sagte Hinteregger. „Den Sieg habe ich deswegen so ausgiebig genossen, weil ich da schon wusste, dass es meine letzte große Siegesfeier mit den fantastischen Fans in dieser Stadt sein würde, die meine zweite Heimat geworden ist.“

Das Fass zum Überlaufen aber hatten die Vorkommnisse rund um den „Hinti-Cup“ gebracht. Die Tragweite sei ihm erst im „Nachhinein klar geworden“, bedeutet der Verteidiger. Mit Aussagen in Interviews hatte er zudem für mächtig Ärger bei der Eintracht-Führung gesorgt. „Emotionale, vielleicht unbedachte Worte von mir haben zu Irritationen geführt und dafür möchte ich mich entschuldigen“, sagte Hinteregger, „um es nochmal ganz klar zu sagen: rechtes, intolerantes und menschenverachtendes Gedankengut verurteile ich aufs Schärfste.“

Mit Martin Hinteregger verliert die Eintracht einen wichtigen sportlichen Baustein, das ist bei all dem medialen Getöse untergegangen. Dazu einen Publikumsliebling. Im Rückblick würdigt das nun auch der Sportvorstand. „Martin Hinteregger hat in den vergangenen Jahren für Eintracht Frankfurt Großartiges geleistet und maßgeblich dazu beigetragen, dass der Klub diese tolle Entwicklung nehmen konnte“, sagte Krösche. Hintereggers Schritt verdiene „Respekt und Anerkennung“.

Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Grundsätzlich ist die Trennung von Hinteregger im Sinne der Eintracht. Dass es jetzt so auseinandergeht, ist ein trauriges Kapitel der jüngeren Vereinsgeschichte. Das gegenseitige Vertrauen war aufgebraucht. Die Eintracht hatte keinen Zugang mehr zu ihm gefunden. Hinteregger geht nun quasi durch die Hintertür.

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