So schlecht wie Darmstadt

Alarm bei der Eintracht: Plötzlich wieder absteigbar

Borussia Dortmund - Eintracht Frankfurt
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Die Eintracht verliert in Dortmund.

Frankfurt - Ob es jetzt endlich vorbei ist mit der Schönrederei und der Selbstbeweihräucherung? Ob sie bei der Frankfurter Eintracht nach dem zehnten Spiel ohne Sieg endlich gemerkt haben, dass sie sich mit Riesenschritten dem Abgrund nähern?

Ob ihnen endlich aufgefallen ist, dass die Ursachen der jüngsten 1:3-Niederlage bei Borussia Dortmund eben nicht in erster Linie bei Pech oder Zufalle zu suchen sind, sondern in mangelnder Qualität? Es wäre zu wünschen, dass Realität einkehrt, sonst könnte die Saison tatsächlich noch übel enden. "Wir müssen schnellstmöglich die Kurve kriegen", hat Trainer Niko Kovac nach dem Spiel in Dortmund gesagt. Solche oder ähnliche Aussagen gab es zuletzt öfter, Taten sind nicht gefolgt. Sportvorstand Fredi Bobic sprach nach Dortmund von "falschen Entscheidungen", die die Spieler getroffen hätten und "so gesehen ist es schade, wenn man dem Gegner wieder zum Sieg gratulieren muss."

Sein Rat an die Mannschaft: "Fleißig bleiben, dann werden wir es irgendwann drehen." Doch so einfach ist es nicht mehr. Und "irgendwann" ist eine hoch gefährliche Zeitangabe. Im Grunde muss die Eintracht die Wende am nächsten Samstag im Heimspiel gegen den FC Augsburg schaffen. Eine weitere Niederlage und es wird nicht nur die bislang scheinbar grenzenlose Geduld der eigenen Anhänger zu Ende gehen, sondern aus den Alarmglocken, die inzwischen läuten, würde eine Alarmsirene werden.

Den Spielplan nämlich sollte die Eintracht nicht vergessen: Sie trifft noch auf Augsburg, Mainz und Wolfsburg, die nur noch sechs bzw. fünf Punkte hinter ihr liegen. Weitere Niederlagen könnten da fatale Folgen haben. Und wer würde in diesen Tagen noch darauf wetten, dass die Eintracht noch ein Spiel gewinnt? Augsburg erscheint da in der Tat als die beste Möglichkeit, doch noch einmal für eine Befreiung zu sorgen und sich anderen Zielen zuzuwenden. Die Statistiken der letzten Wochen machen freilich wenig Hoffnung. Man stelle sich nur folgendes Detail vor: Nach dem 19.Spieltag hatte die Eintracht vor Werder Bremen 19 Punkte Vorsprung und war 25 Tore besser. Jetzt ist es ein Punkt und ein Tor Rückstand auf Werder. Was für ein Absturz!

Mit sieben Toren in der Rückrunde liegt die Eintracht mit Abstand auf dem letzten Platz, nach Punkten gleichauf mit dem designierten Absteiger aus Darmstadt. Das kann kein Zufall sein und ist es auch nicht. Mit Fleiß alleine, wie es Bobic hofft, wird es nicht getan sein. Die Lockerheit ist verloren gegangen, die Selbstverständlichkeit, die vom Selbstvertrauen gespeist wird, ebenso. Seit Wochen und Monaten werden Gründe gesucht. Mal war es Verletzungspech, dann waren es Sperren, dann die Schiedsrichterentscheidungen, dann die mangelnde Effektivität im Angriff, dann wieder die Blackouts in der Abwehr, wie jetzt in Dortmund. All das trifft zu, könnte aber auch zur Erkenntnis führen, dass es der Mannschaft an entscheidenden Stellen an Qualität fehlt. Und dass die Kaderplaner in der Winterpause dies nicht erkannt oder zumindest nicht reagiert haben.

Eintracht verliert gegen emotionale Dortmunder: Bilder

Eintracht verliert gegen emotionale Dortmunder: Bilder
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Eintracht verliert gegen emotionale Dortmunder: Bilder
Eintracht verliert gegen emotionale Dortmunder: Bilder

Trainer Kovac hat seine Mannschaft nach der tollen Vorrunde ganz offenbar überschätzt. Die Hoffnung, die Eintracht könnte in System und Personal ohne Leistungsabfall rotieren, hat sich als Irrtum herausgestellt. Die ständigen Wechsel, mal erzwungen, oft gewollt, helfen nicht mehr weiter. Beispiele: Mal spielt Haris Seferovic von Beginn an, dann ist er nicht einmal im Kader. Gleiches gilt auch für Michael Hector und Taleb Tawatha. In Dortmund musste Ante Rebic, zuletzt auch nicht immer gut, aber meistens besser als seine Kollegen, auf die Bank. Es stürmte Marius Wolf, der davor als Verteidiger ausgeholfen hatte. Plötzlich hat Andersson Ordonez gespielt, hat seine Sache ordentlich gemacht, wurde aber mit unangemessenem Lob überhäuft. Die Liste ließe sich fortführen.

Ausgeblendet wird, dass Leistungsträger wie Makoto Hasebe, Alex Meier, ja auch Szabolcs Huszti, nicht gleichwertig zu ersetzen sind. Und dass andere wie Branimir Hrgota oder Mijat Gacinovic dem Druck nicht gewachsen sind. Die Eintracht ist in schwächeren Phasen eben nicht in der Lage mehrere Systeme ohne Reibungsverluste zu spielen. Da wäre es wichtig, wenn der Trainer wieder "Leitplanken" ziehen würde, wie sie Sportvorstand Bobic zu Anfang der Saison in anderem Zusammenhang gefordert hatte. Zudem gibt es auch Hinweise, dass Teilen der Mannschaft die ewig gleichen Abläufe in der Trainingswoche ziemlich auf die Nerven gehen.

Dies ist freilich nicht eintrachtspezifisch und hat auch nichts mit der Qualität der Trainingsarbeit zu tun, es sind einfach Auswirkungen einer Negativserie, wie sie bei allen Vereinen vorkommen. Was die Antworten auf die drängenden Fragen zusätzlich erschwert: Jedes der letzten Spiele für sich alleine gesehen, war gar nicht so schlecht. Ja, die Eintracht hat gegen Mönchengladbach gut gespielt. Und auch eine Halbzeit in München. Und eine Halbzeit in Köln. Und eine halbe Stunde gegen Bremen und zwanzig Minuten in Dortmund. Das alles trifft zu und hilft dennoch nicht weiter. Aus einem Europacupanwärter ist ein Abstiegskandidat geworden. Der mit einem Sieg wieder nach oben blicken könnte. Verrückt!

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