„An jedem klebt ein Preisschild“ / Silva kaum zu halten / Neuer Trainer in sieben bis zehn Tagen

Viele offene Fragen bei Eintracht Frankfurt

Abschiedsstimmung nach dem letzten Saisonspiel bei den Frankfurtern (von links) Fredi Bobic, Filip Kostic, Adi Hütter und Stefan Ilsanker.
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„Und was machst du dann nächste Saison?“ Abschiedsstimmung nach dem letzten Saisonspiel bei den Frankfurtern (von links) Fredi Bobic, Filip Kostic, Adi Hütter und Stefan Ilsanker.

Nach den Abschieden von Adi Hütter, Fredi Bobic und Bruno Hübner blickt Eintracht Frankfurt in eine ungewisse Zukunft. Die Europa League soll allerdings mehr als ein Trostpreis werden.

Frankfurt – Einen Tag nach dem letzten Saisonspiel richteten Axel Hellmann und Oliver Frankenbach, Vorstandssprecher und Finanzvorstand der Frankfurter Eintracht, den Blick nach vorne. Die drängendste und wichtigste Frage, die nach dem neuen Trainer, werde in den „nächsten sieben bis zehn Tagen“ beantwortet, glaubt Frankenbach, „in der Ruhe liegt die Kraft.“

„Dem einen oder anderen mag es zu lange dauern“, konnte sich Frankenbach eine kleine Spitze an den scheidenden Trainer nicht verkneifen, „es gibt Kandidaten, die ihre Gespräche erst nach der Saison führen wollen oder wenn sie ihre Ziele erreicht haben.“ Darum sei bislang noch kein „weißer Rauch“ aufgestiegen.

Namen wie Oliver Glasner (VfL Wolfsburg), Philippe Clement (FC Brügge), Domenico Tedesco (Spartak Moskau), Sandro Schwarz (Dynamo Moskau) oder Raul (Real Madrid II) wollte Frankenbach nicht kommentieren. Die letzte Entscheidung wird der neue sportvorstand Markus Krösche fällen. Das Anforderungsprofil aber wurde klar und deutlich umschrieben. Der Nachfolger von Adi Hütter soll die jetzige Spielphilosophie fortführen, „denn dafür ist ja der Kader zusammengestellt“. Er soll eine „hohe fachliche Qualität“ haben und „Teamplayer“ sein. Er soll „wünschenswerterweise“ Deutsch sprechen. Freilich sei dies nicht das entscheidende Argument, „wenn ich unseren Kader so anschaue.“ Und, so Frankenbach, „es darf durchaus ein bisschen menscheln“.

Dem neuen Trainer werde in der neuen Saison eine gute Mannschaft zur Verfügung stehen. Über einen möglichen Ausverkauf könne er nur den „Kopf schütteln“. Viele hätten offenbar vergessen, dass durch die Corona-Pandemie viel weniger Geld im Kreislauf sei als in normalen Zeiten und viele Vereine sich teure Spieler gar nicht leisten könnten. Frankenbach: „Bislang gab es kein Angebot und kein einziger Berater hat angefragt wegen eines Wechsels.“ Axel Hellmann sprang dem Kollegen bei: „Klar ist auch, dass an jedem unserer Spieler ein Preisschild klebt.“ Und von Schnäppchenpreisen könne da keine Rede sein. „Wir müssen keinen Spieler verkaufen“, sagt Frankenbach. Das gelte für André Silva genauso wie für Filip Kostic, Evan Ndicka oder Daichi Kamada.

Nun sind sie in Frankfurt nicht so blauäugig, dass sie glauben, alle Stars halten zu können. Bei Torjäger Silva (28 Saisontore) dürfte das unmöglich werden. „Er ist eine der heißesten Aktien auf dem internationalen Markt“, räumt Hellmann ein. 40 Millionen Euro will die Eintracht für den Portugiesen erlösen. Und würde dann einen Teil davon in einen neuen Mittelstürmer investieren. Dies könnte sogar Luka Jovic sein, der nach gutem Start zuletzt eher enttäuschende Leistungen gezeigt hatte. „Er kehrt erstmal zu Real zurück“, sagt Frankenbach, „aber wir werden uns sicher auch mit Jovic beschäftigen.“

Völlig unangebracht sei die Aufregung um Amin Younes, der angeblich mit einem Wechsel in die Vereinigten Arabischen Emirate liebäugele. Der Nationalspieler steht per Leihvertrag bis 2022 bei der Eintracht unter Vertrag und kann bis dahin jederzeit per Option vom SSC Neapel fest verpflichtet werden. Zudem fühle sich Younes in Frankfurt nach eigener Aussage „sehr wohl“.

In Bezug auf die personelle Ausstattung für die neue Saison befindet sich die Eintracht in einer guten Position. Mit Ausnahme von Jovic stehen alle Spieler weiter unter Vertrag, mit Danny da Costa und Dominik Kohr (beide Mainz), Frederik Rönnow und Goncalo Paciencia (beide Schalke 04) Rodrigo Zalazar (FC St. Pauli) und Dejan Joveljic (Wolfsberger AC) kehrt ein halbes Dutzend Leihspieler zurück. Zudem wurden mit Torwart Diant Ramaij (FC Heidenheim), Christopher Lenz (Union Berlin), Ali Akman (Bursaspor) und Fabio Blanco (FC Valencia Jugend) schon vier Neue verpflichtet. „Wir sind finanziell sehr stabil durch die erste Saison ohne Zuschauer seit dem Zweiten Weltkrieg gekommen“, sagt Hellmann zu den Möglichkeiten des Klubs auf allen Ebenen, „wir werden neben den Bayern zu den ganz, ganz wenigen Klubs gehören, die alles verkauft haben, was wir an Werbeinventar haben.“ Er erwartet ziemlich schnell auch eine große Begeisterung für die Europa League.

Voraussetzung sei freilich die Rückkehr der Zuschauer. „Davon lebt hier alles, eine Europa League ohne Zuschauer kann ich mir nicht vorstellen“, sagt Hellmann. Er hofft, dass die sinkenden Inzidenzwerte und die Fortschritte bei der Impfkampagne dazu führen werden. „Es wird mutmaßlich Zuschauer geben und nicht nur in homöopathischen Dosen von 2000 oder 5000 Zuschauern“, glaubt er, „ich denke, dass es plus oder minus im 15000-er Bereich liegen wird, volle Stadien aber können wir vergessen“.

Von Peppi Schmitt

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