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Das „Aus“ für Stendera: „Sehr enttäuschend“

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Marc Stendera

Gais - Nach gut drei Wochen im Amt hat Adi Hütter erste Entscheidungen getroffen. Der neue Trainer der Frankfurter Eintracht hat 29 Spieler, 25 Feldspieler und vier Torhüter mit ins Trainingslager nach Gais in Südtirol mitgenommen, aber vier Profis aussortiert. Von Peppi Schmitt

Es sind durchaus schmerzhafte Einschnitte, die Marc Stendera, Daichi Kamada, Nelson Mandela und Branimir Hrgota hinnehmen mussten. Denn mit der Streichung fürs Trainingslager verbunden ist für die Spieler auch die Gewissheit, nicht mehr gebraucht zu werden bei der Eintracht. Es seien jene 25 Feldspieler dabei, „die am Weitesten sind“, ließ Hütter ausrichten, mit mehr Spielern wäre die Trainingsarbeit „nicht zielführend“.

Im Fall des 22 Jahre alten Stendera ist es auch eine brisante Entscheidung im Sinne der Vereinspolitik. Denn Stendera ist eines der ganz wenigen Eigengewächse im Aufgebot, der seine Bundesligatauglichkeit mit 71 Spielen auch schon nachgewiesen, im letzten Jahr unter Hütters Vorgänger Niko Kovac aber nach und nach den Anschluss verloren hat. „Das ist sehr enttäuschend“, fand Stenderas Berater Sascha Bürger deutliche Worte. Nach Spielern wie Marc-Oliver Kempf, Sonny Kittel und Luca Waldschmidt, die in den letzten Jahren gehen mussten oder wollten, würde die Eintracht wieder einen Spieler aus „dem eigenen Talentschuppen“ verlieren. Stendera hat acht Jahre für die Eintracht gespielt.

Bürger ist sicher, dass das „Aus“ fürs Trainingslager, dem ja schon ein „Aus“ beim letzten Test gegen Fürth (0:0) vorangegangen war, nun auch gleichbedeutend mit dem „Aus“ bei der Eintracht sein wird. „Prinzipiell ist damit alles gesagt“, räumt er ein, „wir werden uns nun natürlich nach einem neuen Klub umschauen“. Anfragen und Interessenten gebe es genug. Das ist gut für den Spieler und dem Verein dürfte das auch in die Karten spielen.

Freilich endet damit wohl die Einigkeit, denn die Eintracht will Stendera, dessen Vertrag noch bis zum Juni 2020 läuft, eher ausleihen, der Spieler tendiert dazu, ganz zu gehen. „Wir würden gerne Nägel mit Köpfen machen“, sagt Bürger „sonst geht es im Februar, März wieder los.“ Verleihen oder Verkaufen wird also Teil der Verhandlungsmasse sein. Dass mit Stendera ein weiterer der von der DFL geforderten zwölf deutschen Spieler gehen könnte, ist nur ein Randaspekt.

Der zudem noch aus den eigenen Reihen und derselben Familie ausgeglichen werden kann. Marc Stenderas Bruder Nils, der am 30.September 18 Jahre alt wird, spielt in der U19 und könnte einen Vertrag bekommen. Freilich braucht die Eintracht schon zu Saisonbeginn zwölf Deutsche. Es wird also noch Bewegung in den Kader kommen (müssen). Ob die Ausbootung Stenderas sich qualitativ als richtig herausstellen wird, ob also Spieler wie die Neuzugänge Allan Sousa oder Chico Geraldes besser sind, wird die Zeit zeigen.

Eintracht Frankfurt im Trainingslager in Südtirol: Bilder

Zumindest quantitativ ist sie nachvollziehbar, denn im Kader stehen auch so noch weitere acht, neun Mittelfeldspieler. „Zu viele“ wie der Trainer zu Recht festgestellt hat. Deshalb ist es wegen der Zusammensetzung des Aufgebotes nur logisch, dass auch Kamada und Mandela, die ebenfalls eher Mittefeldspieler als Außenstürmer sind, nicht mehr zur ersten Wahl gehören. Das Signal an Angreifer Hrgota lässt ebenfalls an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Hütter sieht Luka Jovic und Sébastien Haller in der internen Rangfolge deutlich vorne und auch Goncalo Paciencia wäre nicht geholt worden, würde man ihm nicht zutrauen, eine Verstärkung für die Eintracht zu sein. Zudem ist davon auszugehen, dass die Eintracht zumindest noch einen weiteren Stürmer holen wird. Dies hatte Sportvorstand Fredi Bobic schon einige Male angedeutet.

Für Hrgota, der in zwei Jahren (34 Spiele, fünf Tore) nach seinem Wechsel aus Mönchengladbach den Durchbruch nicht geschafft hat, ist also kein Platz mehr, er soll gehen. Bis das Quartett neue Arbeitgeber gefunden hat, wird es in Frankfurt unter Anleitung von Marco Pezzaiuoli trainieren.

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