Eintracht Frankfurt

Beifall für Rückkehrer Rode, aber „Ultras“ weigern sich weiterhin

Respektsperson. Kapitän Sebastian Rode (rechts) ist wieder im Training, da staunt auch Neuzugang Sam Lammers.
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Respektsperson. Kapitän Sebastian Rode (rechts) ist wieder im Training, da staunt auch Neuzugang Sam Lammers.

Nach zuletzt zwei Siegen gibt es bei Eintracht Frankfurt weiter Grund zum Feiern. Sechs Wochen nach seiner Knieoperation hat Kapitän Sebastian Rode wieder trainiert und Trainer Oliver Glasner ist am Freitag 100 Tage im Amt.

Frankfurt – Die Spieler klatschten Beifall wie sonst nur bei Geburtstagen. Diesmal war es aber kein persönlicher Ehrentag, der die Stimmung steigen ließ im Kreis der Frankfurter Eintracht, sondern eine Rückkehr. Zum ersten Mal nach seiner Operation vom 19. August, als einige kleinere knöcherne Teile in einer Arthroskopie aus dem linken Kniegelenk entfernt worden waren, war Sebastian Rode wieder mittendrin statt nur dabei. Das Comeback des Kapitäns war den Kollegen eine besondere Freude. Mittelfeldspieler Rode (30) stand die gesamte Übungseinheit ohne sichtbare Probleme durch, hat ganz offenbar in der letzten Woche, als „seine“ Mannschaft die Siege in Antwerpen und München gefeiert hat, hart an der Rückkehr gearbeitet. Nun ist er also wieder da und könnte vielleicht schon nächste Woche beim Heimspiel gegen Hertha BSC eine Alternative werden. 40 000 Zuschauer dürfen dann im Stadion sein, das hat das Gesundheitsamt der Stadt Frankfurt genehmigt, Die „Ultras“ aber verweigern sich weiter. Sie seien zwar bereit „die eine oder andere Kröte zu schlucken“, erklärten sie in einer Stellungnahme, aber eine Maskenpflicht im Stehplatzbereich sei „inakzeptabel und illusorisch“.

Gegen Hertha wird Trainer Oliver Glasner die eine oder andere personelle Alternative mehr im Kader haben. Zuhause haben sich nun neben Rode auch Erik Durm und Evan Ndicka zurückgemeldet, die zuletzt wegen Verletzungen gefehlt hatten. Auch Makoto Hasebe und Almamy Touré werden bis zum nächsten Wochenende wieder fit sein. Nach drei Wochen Pause wegen einer Muskelverletzung soll Neuzugang Christopher Lenz Anfang nächster Woche wieder ins Mannschaftstraining einsteigen.

Gute Aussichten also für Trainer Oliver Glasner, der am Freitag 100 Tage im Amt sein wird. Er fühlt sich wohl im Klub und in der Stadt, ist in Sachsenhausen sesshaft, igelt sich nicht ein, sondern taucht ins Leben ein. Wenn er die Zeit hat. Denn der Österreicher ist ein Arbeitstier, pedantisch, penibel, detailverliebt, 13-, 14-Stunden-Tage sind keine Seltenheit.

Glasner hat eine genau Idee von dem, was er will und was er seinen Spielern vermitteln will. Er erwartet von ihnen im Training und bei den Videoanalysen höchste Aufmerksamkeit, kein stupides Ausführen, sondern mitdenken, hinterfragen, sich einbringen, wach bleiben. Sie sollen verstehen, warum sie etwas tun und es nicht einfach nur machen. Das kann anstrengend sein, und es ist nichts, was über Nacht funktioniert. Glasner braucht eine gewisse Anlaufphase, Zeit, um durchzudringen, um das zu vermitteln, was ihm wichtig ist.

Das Angriffsspiel will der ehrgeizige Coach variabler und unberechenbarer gestalten – ein Unterfangen, das in der Ausgestaltung verdammt schwierig ist. Schlampige Pässe, gerade im letzten Drittel, machen den klugen Kopf an der Seitenlinie förmlich verrückt, dann tobt der sonst so besonnene Trainer durch seine Coaching Zone. Es ist ohnehin bemerkenswert, wie sehr sich der zurückhaltende und in sich ruhende Mann verändert, wenn das Spiel läuft und das Adrenalin seinen Körper flutet. Bis er seine Philosophie in Frankfurt implementieren und seine Ideen umsetzen kann, wird es eine Weile dauern. Trotzdem hat Glasner, erfolgreich auf all seinen Stationen, schon einiges geschafft: Die Mannschaft hat ihre Widerstandsfähigkeit bewahrt, ist wieder schwer zu bespielen, gehört in einigen Kategorien zur Ligaspitze: Laufstärke, Sprints, Pressingsituationen.

Glasner hat eine funktionierende Einheit am Start, er hat eine Wohlfühlatmosphäre geschaffen, das durchaus raue Klima unter Vorgänger und Landsmann Adi Hütter abgemildert. Er pflegt einen anderen Umgang, hat einen anderen Ton. Auch daran muss sich das Team erst gewöhnen, es kommt aus einem autoritären Führungsstil heraus, jetzt herrschen eher flache Hierarchien. Heißt aber auch, dass ein bisschen Reibung fehlt.

Glasner, Vater zweier Söhne und einer Tochter, geht auf seine Profis sorgsam ein, hört hinein ins Team, gewährt auch mal einen freien Tag, wenn es dem Menschen hinter dem Spieler nicht gut geht und er sich den Anforderungen nicht gewachsen fühlt. Das heißt nicht, dass der studierte Wirtschaftswissenschaftler, der mal Lehrer werden wollte, vor schwierigen Entscheidungen zurückschreckt oder nicht aneckt. Er verbannte Altmeister Makoto Hasebe auf die Bank, sortierte Amin Younes aus und er schaffte es, den Kurzzeit-Streiker Filip Kostic wieder einzubinden.  sp/dur

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