Dickes Lob für Mascarell - Stendera zurück im Training

Bobic nach Sieg gegen Schalke begeistert: „Überragend“

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Frankfurt - Manchmal kann ein Moment recht lange dauern. So ist das in dieser Fußballsaison bei der Frankfurter Eintracht. Trainer Niko Kovac spricht Woche für Woche nach einem Blick auf die Tabelle von einer „Momentaufnahme“. Dabei halten sich seine Frankfurter schon ziemlich lange in der Spitzengruppe der Liga auf. Von Peppi Schmitt

„Wir weinen nicht, wie die Tabelle aussieht“, sagte Kovac nach dem 1:0-Sieg auf Schalke, „aber wir wissen es richtig einzuschätzen.“ Mit dem vierten Auswärtssieg der Saison und dem 14.Auswärtspunkt haben die Frankfurter sich eine prächtige Ausgangsbasis geschaffen, tatsächlich um die internationalen Plätze mitzuspielen. Mal haben in den vergangenen Jahren 48 oder 50 Punkte für Europa gereicht, mal mussten es 53 sein. Die Eintracht hat aktuell 32 auf dem Konto und darf von den letzten sechzehn Spielen noch neun im eigenen Stadion austragen. Die Chance ist also da. Offiziell wollen sie davon nichts wissen. Doch der Rückrundenauftakt auf Schalke hat den kühnen Überlegungen Nahrung gegeben. Kurzzeitig wurde sogar Sportvorstand Fredi Bobic von der Euphorie mitgerissen. Bei seiner ersten Analyse fiel das Wort „überragend“, bezogen auf die taktische Disziplin der Mannschaft. „Wir standen nicht nur hinten gut, sondern haben auch attackiert“, sagte er, „wir waren unangenehm und die Schalker hatten kein Konzept dagegen.“ Was auch an den uninspirierten Schalkern lag.

 Aber im Grunde ist das egal. Die Eintracht ist in der Tat in der Lage, den Gegnern ihr Spiel aufzudrücken. Die Mannschaft hat inzwischen ein Rüstzeug, auf das sie sich auch in schwierigen Phasen verlassen kann. Vor der Saison hatte Bobic mal von „Leitplanken“ für die Spieler gesprochen. Gemünzt war dies auf die Berufseinstellung und den täglichen Umgang miteinander. Der Begriff trifft nun aber wunderbar auch den sportlichen Weg. Da ist eine Mannschaft, die weiß, was sie will. Die sich in Leitplanken bewegt, ohne größere Ausschläge nach unten oder oben. Die Bedingungen auf dem Acker in der Schalke-Arena waren so schlecht, dass diesmal guter Fußball kaum möglich war. „Der Ball war fast nur noch in der Luft, es war ein reines Kampfspiel“, schilderte Kapitän Meier seine Eindrücke, „am Ende wurden die Dinger nur noch rausgehauen.“

Eintracht-Zeugnis gegen Schalke 04 

Das hat das Spielniveau insgesamt durchaus getroffen. Meier ehrlich: „Es ist gut zu merken, dass wir dagegenhalten können, auch wenn wir schlechter spielen“. In jedem Fall war die Eintracht noch besser als Schalke. Und das mit dem letzten Aufgebot. Das Fehlen von Szabolcs Huszti und Marco Fabián war schon zu merken. Der junge Aymen Barkok ist noch nicht so weit, um von Beginn an Akzente setzen zu können. Und Mjiat Gacinovic hat sich zwar bemüht nach hinten zu arbeiten, aber seine Rolle ist das natürlich nicht. Dafür haben andere geglänzt. Da ist der famose „Libero“ Makoto Hasebe, der so ganz „nebenbei“ ja auch noch das Siegtor vorbereitet hat. Und da ist der Spanier Omar Mascraell, der im Mittelfeld geschickt die Fäden zog und diesmal auch ohne gelbe Karte ausgekommen ist. So kann er im Derby gegen Darmstadt nächsten Sonntag spielen. „Omar ist am Ball versiert, er antipiziert gut und hat einen peripheren Blick, weiß was hinter ihm passiert“, fiel das Lob des Trainers dick aus, „er weiß, was er macht.“

Bilder: Eintracht siegt auf Schalke mit 1:0

Das ist wichtig in diesen Tagen, denn im defensiven Mittelfeld hat Kovac kaum Auswahl. Huszti (Achillessehne) könnte vielleicht schon gegen Darmstadt zurückkommen, „aber eher noch nicht.“ Bei Fabián (Rücken) dauert der Heilungsprozess „länger als wir erhofft haben.“ Dass Marc Stendera zum ersten Mal nach seinem Kreuzbandriss am Samstag wieder im Kreis der Mannschaft war, ist nur eine Randnotiz. „Er ist noch einiges weg von der Mannschaft“, sagt der Trainer.

Zurückkehren werden zum nächsten Spiel Stürmer Ante Rebic und Torwart Lukas Hradecky. Zu den Erkenntnissen von Schalke gehört auch, dass Hradecky-Ersatz Heinz Lindner in der Lage ist, Bundesliga zu spielen. „Es war einfach toll vor einer solchen Kulisse zu spielen“, sagte der Österreicher, „und dann noch zu Null zu gewinnen, das ist überragend.“ Die Vorbereitung aufs Derby beginnt bei der Eintracht am Dienstag. Bis dahin hat Kovac den Spielern frei gegeben, „weil sie doch ziemlich erschöpft waren.“ Auch er selbst will sich erst dann mit den „Lilien“ unter dem neuen Trainer Torsten Frings beschäftigen. „Aber es ist wohl so, dass sich der Gegner nach uns richten muss“, sagte er der Tabellensituation angemessen selbstbewusst.

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