Ex-Eintracht-Boss mit HSV in Abstiegsnot

Bruchhagen kehrt zurück: „Ich vermisse Frankfurt“

Fussball 1.Bundesliga Relegation, 1.FC Nuernberg - Eintracht Frankfurt
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Frankfurt - Es wird sicher eine emotionale Rückkehr und sicher keine entspannte. An diesem Samstag kommt der Hamburger SV zum Bundesligaspiel gegen die Eintracht nach Frankfurt. Und mit dem HSV kommt Heribert Bruchhagen. Von Peppi Schmitt

Zwölfeinhalb Jahre war Bruchhagen vom 1.Dezember 2003 bis zum 31. Mai 2016 bei der Eintracht als Vorstandsvorsitzender in verantwortlicher Position, hat dem Verein mit viel Ruhe und Seriosität über schlechte Zeiten hinweggeholfen, hat dabei aber auch manch schlimmen sportlichen Rückschlag erlebt. Zweimal ist die Eintracht unter ihm abgestiegen, zweimal allerdings auch wieder aufgestiegen. In seine Amtszeit fallen zwei Europapokalteilnahmen und das Erreichen des Pokalfinales 2006 in Berlin. Wichtiger aber noch: Bruchhagen hat den Club aus einer Schmuddelecke herausgeführt, ihn wieder gesellschaftsfähig gemacht und ihn gemeinsam mit vielen Mitstreitern wieder auf ein wirtschaftlich vernünftiges Gleis gesetzt.

Nicht jedem war der manchmal durchaus störrische Ostwestfale bei seinen Entscheidungen risikofreudig genug und doch wird er zu Recht viel Anerkennung und Wertschätzung erfahren, wenn er nun als sportlicher Gegner zurückkommt in die Arena. Er freue sich riesig auf das Spiel. "Ich vermisse Frankfurt", sagt er, "die Stadt ist mir ans Herz gewachsen." Sechzehn Jahre hat am Main gearbeitet, drei Jahr für die Deutsche-Fußball-Liga (DFL) und dreizehn für die Eintracht. Als Bruchhagen im letzten Mai den Verein verlassen hat, der Vertrag war vom Aufsichtsrat nicht verlängert worden, lag viel Wehmut in der Luft. In seinem letzten Spiel hatten die Frankfurter in Nürnberg den Klassenerhalt geschafft, die Freude und Erleichterung darüber war ihm anzusehen.

Die Eintracht gilt bei Bruchhagen als eine Art "Lebenswerk", auch wenn er seit 1989 ganz viele Stationen im Profifußball hinter sich gebracht hat, unter anderem schon mal beim HSV, bei Schalke 04 und der DFL. Nirgendwo aber war er solange wie bei der Eintracht. In der Öffentlichkeit wurde der im gemütlichen Harsewinkel geborene Bruchhagen in den letzten Jahren als "Frankfurter" wahrgenommen. Ein dritter Abstieg mit der Eintracht, das hätte ihn tief getroffen. Wer Bruchhagen damals im Nürnberger Stadion nach dem 1:0-Sieg gegen den Club hat jubeln sehen, weiß, wie viel ihm dieser am Ende dann doch glückliche Abgang bedeutet hat.

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Um so größer war die Überraschung, dass er sich im hohen Funktionärsalter von 68 Jahren noch einmal an die sportliche Front gewagt und den vergleichsweise gemütlichen Posten als Experte beim Pay-TV-Sender "Sky" zugunsten eines Amtes in der hektischen und unberechenbaren Bundesliga wieder aufgegeben hat. Seit dem 14.Dezember des letzten Jahres ist Bruchhagen Vorstandsvorsitzender des HSV, dort hatte er von 1992 bis 1994 schon einmal als Manager gearbeitet. "Wenn der HSV ruft, kann man nicht absagen", hatte er erklärt. Wie Schalke und die Eintracht sind ihm auch die Hamburger eine Herzensangelegenheit. Zudem kann Bruchhagen schwer loslassen, er liebt den Fußball und natürlich macht die Arbeit bei Traditionsvereinen auch ein wenig süchtig. Als die Hamburger riefen, hat er großzügig darüber hinweggesehen, dass ihm die Konstruktion beim HSV mit einem einflussreichen Mäzen eigentlich zuwider ist, zumindest hatte er dies in seiner Frankfurter Zeit immer wieder kommuniziert.

Eintracht-Zeugnis gegen Bayern München

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Doch Bruchhagen konnte nicht lassen von der Herausforderung, wohl wissend, welch schwere Aufgabe ihn erwarten würde. Wie schwer, zeigt ein Blick auf die Tabelle. Obwohl der HSV seit einigen Wochen im Aufwind ist, unterbrochen nur vom desaströsen 0:8 bei den Bayern, kommen sie als Sechzehnter nach Frankfurt. Das ist der Relegationsplatz. Er weiß aus seiner Erfahrung, was das bedeutet. Stress, Druck, Kritik, aber auch Begeisterung, Hoffnung und Lob, wenn es denn gut ausgeht. Er versichert, "dass ich mich jetzt schon besser fühle als bei meinem Amtsanritt." Das liegt am sportlichen Aufschwung des HSV, nicht zuletzt auch am 2:1-Sieg am Sonntag gegen Mönchengladbach. Die Hamburger liegen mit 26 Punkten im Kampf um den Klassenerhalt gleichauf mit prominenter Konkurrenz wie Werder Bremen und dem VfL Wolfsburg.

"Wir sind Sechzehnter, die Eintracht ist Sechster, da ist doch klar, wer Favorit ist", sagt er, sieht den HSV aber durchaus auf Augenhöhe. Bruchhagen: "Das Spiel ist völlig offen." Trotz aller sportlicher Brisanz will er den Tag in der alten Wahlheimat genießen. Am liebsten mit einem Spaziergang am Main entlang, wie er es so viele Jahre mit so viel Freude gemacht hat. Vor dem Spiel nimmt er nicht am Essen der Vorstände teil, zu dem die Eintracht geladen hat, er stellt sich lieber den Fragen der Fans auf der Waldbühne.

Bilder: Eintracht unterliegt in München

FC Bayern München - Eintracht Frankfurt in der Bundesliga (Rückrunde 2017): Bilder
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"Das habe ich Matze Thoma schon lange versprochen und daran halte ich mich", sagt er. Mit dem Leiter des Eintracht-Museums hat er mehr als ein Jahrzehnt vertrauensvoll zusammengearbeitet. Das Spiel wird er nicht auf den Plätzen verfolgen, die für die Gegner reserviert sind, sondern auf "seinen eigenen". Die Eintracht hat ihm zwei Ehrenkarten zum Abschied geschenkt. "Da sitze ich am Samstag neben Mathias Ohms, Wilhelm Bender und Herbert Becker", sagt er. Das eine oder andere Beruhigungszigarettchen wird er rauchen müssen. Ganz so wie zu seinen Frankfurter Zeiten.

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